Silvester in der Mietwohnung – Verhaltenstipps für Mieter

Nachtruhe in der Silvesternacht | Rücksichtsnahme auf andere Mieter | Verhaltenstipps

Silvester in der Mietwohnung – Verhaltenstipps für Mieter

Same procedure as every year: Das Ende des Jahres steht kurz bevor und allmählich beginnt die Planung der Silvesterparty. Möchten Mieter Silvester in der Mietwohnung feiern, darf ihnen dies nicht verboten werden – Ein paar Regeln sollten dennoch eingehalten werden.  

Ruhezeiten in der Mietwohnung

Die Ruhezeiten in der Mietswohnung variieren von Bundesland zu Bandesland, da es keine bundeseinheitlich gesetzlich verankerten Ruhezeiten gibt. In den meisten Bundesländern gilt die Nachtruhe von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens.

Vermieter, Hauseigentümer und Hausverwaltungen haben darüber hinaus die Möglichkeit, in der Hausordnung andere, individuelle Ruhezeiten festzulegen. Der Mieter stimmt diesen Zeiten mit seiner Unterschrift auf dem Mietvertrag automatisch zu und ist verpflichtet, sich an die Ruhezeiten zu halten. So darf innerhalb dieser Ruhezeiten beispielsweise nur noch in Zimmerlautstärke Musik gehört werden.

Gelten an Silvester andere Ruhezeiten?

Wer nun befürchtet, dass bei der Silvesterparty in der Wohnung noch vor Mitternacht nur noch in Zimmerlautstärke Musik gehört werden darf, den können wir beruhigen. Laut dem deutschen Mieterbund beginnt die Nachtruhe an Silvester zwar ebenfalls um 22 Uhr, allerdings gibt es Ausnahmen bzw. eine „gelockerte Nachtruhe“.

Denn die Nachtruhe beginnt sowieso erst, wenn in der eigenen Wohnung kein Lärm mehr von außen wahrgenommen werden kann. Dies ist an Silvester gut auszuschließen, da auch andere Menschen innerhalb und außerhalb der Wohnanlage ab 22 Uhr laut sein und sogar Silvesterfeuerwerk abbrennen werden. In diesem Fall würde es keinen Unterschied machen, ob ein einzelner Mieter in seiner Mietwohnung die Nachtruhe einhält oder nicht, denn draußen wäre es dann ja weiterhin laut.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass in der Mietwohnung bis zum nächsten Morgen ausgiebig gefeiert werden darf. Um keinen Ärger mit den Nachbarn zu riskieren, rät der Eigentümerverband Haus & Grund allen Mietern, ab ca. 1 Uhr leiser zu werden und Gespräche und Musik nur noch in Zimmerlautstärke zu führen bzw. zu hören.

Zu diesen Zeiten ist das Silvesterfeuerwerk gestattet

Und wie sind die Regelungen in Bezug auf das Silvesterfeuerwerk? Laut der deutschen Sprengstoffverordnung ist das Abbrennen von Silvesterfeuerwerk am 31. Dezember und 01. Januar ganztätig erlaubt.

Vermieter und ruhigere Mieter haben in diesem Zeitraum keinen Anspruch auf Einhaltung der Mittags- und Nachtruhe.

Allerdings: Trotz Sprengstoffverordnung können Städte und Gemeinden das Abbrennen bestimmter Feuerwerkskörper zeitlich und räumlich einschränken oder sogar ganz untersagen.

Rücksicht in der Mietwohnung nehmen

Auch wenn die Ruhezeiten zu Silvester etwas gelockert sind, sollten Mieter auf Nachbarn, Kinder und Haustiere im Haus Rücksicht nehmen, wenn sie eine Silvesterparty ausrichten:

  • Silvesterparty frühzeitig, bestenfalls eine Woche vorher, ankündigen → Aushang im Hausflur machen (Wichtig: Ein solcher Aushang hat rechtlich keine Bedeutung und genehmigt dem Mieter auch nicht, unnötig viel Lärm zu machen; Trotz Ankündigung könnten Nachbarn Ruhe verlangen)
  • Nachbarn bestenfalls auch zur Party einladen
  • Partygäste vor Betreten des Treppenhauses auffordern, leise zu sein und Nachbarn nicht zu belästigen
  • Fenster und Balkontüren geschlossen halten, damit Nachbarn nicht unnötig von der Musik belästigt werden
  • Beim Rauchen auf dem Balkon gilt: Gespräche leise führen und keine laute Musik auf dem Balkon hören
  • Leben Kinder bei den direkten Nachbarn: Lautstärke bestenfalls ab 22 Uhr etwas reduzieren bzw. Musik mit viel Bass vermeiden oder den Bass runterdrehen
  • Feuerwerkskörper in der Nähe der Wohnung erst ab 18 Uhr und maximal bis 1 Uhr abbrennen
  • Ab 1 Uhr: Musik nur noch in Zimmerlautstärke hören

Insbesondere in der Silvesternacht ist eine gegenseitige Rücksichtnahme besonders wichtig: Ruhigere Mieter, die nicht feiern möchten, müssen die Lautstärke der Nachbarn bis zu einem gewissen Maß hinnehmen. Gleichzeitig sollten feiernde Mieter nicht übertreiben und Nachbarn nicht unnötig aufregen – auch, wenn Silvester alles etwas lockerer gesehen wird.

Silvester in der Mietwohnung – Der Mieter haftet für seine Gäste

Wer Silvester in der Wohnung feiern möchte, muss zudem beachten, dass der Ausrichter der Party für all seine eingeladenen Gäste haftet! Beschädigt einer der Partygäste etwas in der Wohnung, im Treppenhaus oder auf dem Grundstück, haftet der Mieter als Gastgeber.

Unbedingt beachten: Die Haftpflichtversicherung leistet nicht vollumfänglich, wenn ein Schaden mutwillig oder grob fahrlässig herbeigeführt wurde.
Beispiel: Ein Partygast wirft einen Böller auf die Wohnungstür eines Nachbarn, dadurch wird die Tür beschädigt. Die Hausratversicherung übernimmt den Schaden nicht vollständig, da vorhersehbar war, dass der Böller einen Schaden anrichten wird.

Wunderkerzen in der Mietwohnung

Neben Feuerwerk werden auch gerne Wunderkerzen zu Silvester angezündet. Der Vermieter darf Wunderkerzen in der Mietwohnung zwar grundsätzlich nicht verbieten. Allerdings sollte unbedingt beachtet werden, dass sich Möbel, Gardinen und andere Textilien durch die Funken der Wunderkerzen in Brand setzen können.

Auf Wunderkerzen in der Wohnung sollte daher bestenfalls verzichtet werden. Kommt es aufgrund von Wunderkerzen zu einem Brand, kann die Hausratversicherung das Verhalten des Mieters als grob fahrlässig einstufen und nur einen Teil des Schadens bezahlen (Landgericht Offenburg, 17.10.2002, Az.: 2 0 197/02).

Allgemeine Regeln und Tipps zu Silvester

Diese Silvester-Regeln gelten nicht nur für Mieter:

  • Laut der ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz darf in der Nähe von Krankenhäusern, Kirchen sowie Kinder- und Altersheimen grundsätzlich kein Feuerwerk gezündet werden
  • Es darf zu keiner Gefährdung anderer Menschen kommen
  • Aus 8 Meter Entfernung dürfen die Silvesterkracher höchstens 12 Dezibel laut zu hören sein (Entspricht in etwa der Lautstärke einer Kettensäge oder Donner bei Gewitter)

Zusätzliche Tipps:

  • Haustiere in der Wohnung lassen
  • Raketen nur im Freien, aus geeigneten Flaschen heraus, zünden
  • Raketen, Böller und andere Feuerwerksköper bei der Zündung niemals in der Hand halten
  • Einen Sicherheitsabstand von mindestens 8 Metern zu anderen Menschen und Tieren einhalten
  • Nicht hoch gegangene Feuerwerkskörper niemals erneut zünden
  • Um Ärger mit den Nachbarn zu vermeiden: Nur bis 1 Uhr Silvesterfeuerwerk zünden

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Mieter im Fachwerkhaus

Mieter, deren Wohnung sich in einem Fachwerkhaus befindet, müssen die Silvesterparty zumindest ohne Feuerwerk feiern. Denn gesetzlich ist das Zünden von Feuerwerk in der Nähe von Reet- und Fachwerkhäusern strengstens verboten!  Soll auf das Silvesterfeuerwerk dennoch nicht verzichtet werden, muss zum Fachwerkhaus (und anderen Fachwerkhäusern) ein Mindestabstand von 200 Metern eingehalten werden.

Wer sich nicht daran hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet wird.

In einigen Städten und Gemeinden, in denen besonders viele Fachwerkhäuser und/oder andere schützenswerte Bereiche vorhanden sind, gibt es mittlerweile festgesetzte Feuerwerks-Verbotszonen, in denen unter keinen Umständen Feuerwerk gezündet werden darf. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Nationalpark Harz
  • Göttinger Innenstand
  • Teile von Dortmund
  • Würzburger Innenstadt
  • Nürnberger Innenstadt
  • Altstädte mit besonders vielen Fachwerkhäusern, beispielsweise Hameln, Celle, Lüneburg
  • Orte rund um Schlösser, Burgen, Residenzen in Bayern
  • Nationalpark Wattenmeer

Nach der Silvesterparty ist vor der Abfallbeseitigung…

Nach der Silvesterparty ist vor der Abfallbeseitigung, denn in Deutschland gilt das Verursacherprinzip: Derjenige, der den Dreck verursacht hat, muss ihn auch beseitigen. Der Ausrichter der Party ist in diesem Fall für seine Partygäste verantwortlich und muss auch deren Müll und Dreck entfernen. Haben die Gäste beispielsweise groben Dreck, Korken, etc. ins Treppenhaus rein getragen oder ihren Abfall im Treppenhaus liegen gelassen, ist der Mieter für die Beseitigung verantwortlich.

Das gleiche gilt auch für sämtlichen Müll, der sich durch das Abbrennen von Feuerwerk und Böllern auf dem Bürgersteig und dem Grundstück des Mehrfamilienhauses gebildet hat. Laut deutschem Abfallrecht ist jeder für die Beseitigung „seines“ Mülls verantwortlich.

Kann der Müllverursacher nicht ermittelt werden, ist der Vermieter für die Beseitigung von Dreck und Abfall zuständig. Aber: Insbesondere in Mehrfamilienhäusern weiß nach einer Party meist jeder Mieter, wer den Dreck verursacht hat. Um Ärger mit Nachbarn und Vermieter zu vermeiden, sollte der Partyausrichter „seinen“ Müll in jedem Fall selbstständig entsorgen.

Müllbeseitigung über die Nebenkosten

Wenn sich der Verursacher tatsächlich nicht ermitteln lässt und der Vermieter keine Lust hat, seinen Mietern hinterher zu putzen, darf der Vermieter auch ein Reinigungsunternehmen für die Beseitigung des Silvestermülls beauftragen. Die Reinigungskosten dürfte der Vermieter dann über die Nebenkosten auf alle Mieter umwälzen.

Straßenreinigung

In etlichen Gemeinden und Städten helfen Kehrmaschinen bei der Müllbeseitigung auf Straßen und öffentlichen Plätzen. Viele Menschen verlassen sich auf die Straßenreinigung und beseitigen ihren Müll aus diesem Grund erst gar nicht oder räumen ihn absichtlich vom Gehweg auf die Straße. Aber: Wer hierbei erwischt wird, begeht eine Ordnungswidrigkeit und riskiert ein Bußgeld bis zu 100.000 Euro

Bis wann müssen Mieter ihren Silvestermüll entfernt haben?

Bei der Beseitigung von Silvestermüll gilt das Unverzüglichkeitsgebot: Er muss so schnell wie möglich entsorgt werden! Andernfalls riskiert der Mieter, dass andere Mieter beispielsweise im Treppenhaus oder auf dem Hof ausrutschen und sich verletzen. Daher reicht es in der Regel nicht, den Silvestermüll erst am Neujahrsmittag zu entsorgen.

Um keinen Unfall und keinen Ärger mit Nachbarn und Vermieter zu riskieren, sollte der Abfall bestenfalls sofort nach der Party bzw. dem Böllern entsorgt werden!

Sollte es zu einem Unfall kommen, gilt auch hier das Verursacherprinzip: Verletzten sich Nachbarn oder andere Menschen aufgrund des Silvestermülls, haftet der Mieter – einschließlich für seine Partygäste.

Titelbild: Roman Samborsky – shutterstock.com

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