Rauchmelder für Gehörlose – Kostenübernahme

Rauchmelder für Gehörlose – Kostenübernahme

Rauchmelder alarmieren vom Wohnungsbrand Betroffene mit einen sehr lauten Ton (bis zu 85 Dezibel), der auf die Gefahrensituation hinweist. Jedoch können in Deutschland laut deutschem Gehörlosen Bund etwa 80.000 Menschen nicht hören und knapp 18 Millionen Menschen sind schwerhörig. Betroffene benötigen eigene Rauchmelder, die im Notfall keine akustischen sondern optische oder habtische Signale aussenden.

Wie wirken Rauchmelder für gehörlose Menschen?

Rauchmelder für Gehörlose sind per Funk mit einem Lichtsystem verbunden, welches im Brandfall intensive Lichtblitze (Stroboskoplicht) aussendet, die von der Netzhaut auch bei geschlossenen Augen wahrgenommen werden können.

Es handelt sich also um optische Rauchmelder, wobei die meisten Systeme zusätzlich mit einem Vibrationskissen verknüpft werden können. Dieses kann Nachts zum Beispiel unter dem Kopfkissen oder zwischen Matratze und Bettrahmen platziert werden. Während des Schlafes funktioniert der Geruchssinn nämlich nicht, weswegen die meisten Brandopfer Nachts dem Feuer erliegen.

Rauchmelder für Gehörlose – Kostenübernahme durch Krankenkasse

Rauchmelder sind bereits für 20 Euro zu erwerben. Gehörlose bzw. Schwerhörige müssen für Rauchmeldersysteme mit Blitzsignal oder Vibrationskissen hingegen zwischen 300 und 600 Euro aufbringen. Somit herrscht zwischen den Rauchmeldern für Hörende und den optischen Rauchmeldern ein nicht unerheblicher Preisunterschied.

Bei Rauchmeldern handelt es sich gemäß § 33 SGB IV jedoch um ein “übernahmefähiges Hilfsmittel”, die einem grundlegenden Sicherheitsbedürfnis dienen und zudem gilt in fast allen Bundesländern eine bauordnungsrechtliche Rauchmelderpflicht.

Aus diesem Grund hat das Bundesverfassungsgericht am 18.04.2015 mit dem Urteil B 3 KR 8/13 R beschlossen, dass gehörlose Versicherte Anspruch auf Kostenübernahme des „einem ihren Bedürfnissen angepassten Rauchwarnmeldesystem“ haben.

Weiter heißt es in dem Urteil:

„Die Leistungsablehnung ist rechtswidrig, weil die begehrten Rauchwarnmelder zum Behinderungsausgleich erforderlich sind. Rauchwarnmelder gehören heutzutage nach allgemeiner Verkehrsauffassung als unverzichtbares Warnsystem zur Grundausstattung von Wohnräumen und dienen daher dem Grundbedürfnis des selbstständigen Wohnens.“

Gesetzliche Zuzahlung

Die übliche gesetzliche Zuzahlung zum Rezept ist trotz der Kostenübernahme zu erwarten. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil allerdings betont, dass die Zuzahlung nur einmal für die gesamte Ausstattung der Wohnung mit Rauchmeldern zu kassieren ist und nicht einzeln pro Rauchmelder.

Rauchmelder für Gehörlose beantragen

Um einen Rauchmelder für Gehörlose von der Krankenkasse gezahlt zu bekommen, muss zunächst ein Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO) ein Rezept für den Rauchmelder mit der benötigten Lichtsignalanlage ausstellen. Zudem fordern die Krankenkassen meist auch einen aktuellen Hörtest.

Als nächstes muss mit dem Rezept beim Hörgeräteakustiker oder in einem anderen Spezialgeschäft ein Kostenvoranschlag für die benötigten Geräte eingeholt werden.

Den Kostenvoranschlag reichen Sie schließlich bei der Krankenkasse ein, welche letztendlich die Kosten übernehmen muss. Jedoch ist die Kostenübernahme an die Voraussetzung geknüpft, dass das entsprechende Hilfsmittel auch im offiziellen GKV-Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist.

Zulässige Hilfsmittel im GKV Hilfsmittelverzeichnis finden

Zu finden ist die vollständige Liste der zulässigen und übernahmefähigen Hilfsmitttel in Gruppe 16 „Kommunikationshilfen“ –> „16.99.09. Signalanlagen für Gehörlose “ die Untergruppe –> „16.99.09.2 Signalempfänger mit optischer Ausgabe“ –> Liste der zugelassenen Produkte.

Verschiedene Modelle – Optische Rauchmelder kaufen

Der sogenannte „Deafgard“ ist selbst kein Rauchmelder, sondern ein Gerät welches die akustischen Signale eines bereits vorhandenen Melders abfängt und diese in Lichtblitze oder Vibration übersetzt. Der Vorteil des Deafgards liegt darin, dass er Zuhause wie auch auf Reisen in Hotelzimmern einsetzbar ist. Jedoch müssen Rauchmelder und Deafgard immer im selben Raum installiert sein, da die Reichweite sehr gering ist.

Rauchmelder Modelle mit Funkverbindung verfügen zwar über eine größere Reichweite, jedoch müssen Rauchmelder und Blitz- bzw. Vibrationsgerät zwecks Kompatibiliät vom selben Hersteller stammen. Durch Funk sind Rauchmelder und Blitzlampe bzw. Vibrationsmodell kabellos verbunden, wodurch der Alarm auch über mehrere Stockwerke hinweg angezeigt werden kann.

Modelle mit Kabelverbindungen kommen insbesondere für ältere Signalanlagen in Frage, wobei die Rauchmelder über das Stromnetz mit der Blitzlampe verbunden sind. Folglich würde bei einem Stromausfall, auch das Warnsystem ausfallen.

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