Kinderlärm in Mietwohnung – Ruhezeiten müssen eingehalten werden

Kinderlärm in Mietwohnung – Ruhezeiten müssen eingehalten werden

Das Amtsgericht München entschied im Urteil vom 04. Mai 2017, dass die in der Hausordnung eines Mehrfamilienhauses festgelegten Ruhezeiten zwingend einzuhalten sind. Daran müssen sich auch Familien mit Kindern halten. Kinderlärm und andere laute Geräusche müssen zwar von anderen Mietern geduldet werden, allerdings gibt es Grenzen.

Wohnungseigentümerschaft klagt Familie mit Kindern wegen Ruhestörung an

Im vorliegenden Fall hat die Wohnungseigentürmerschaft eine Familie mit zwei vier und sieben Jahren alten Kindern wegen dauerhaften Ruhestörungen angeklagt. Keine Frage: Wo viele Menschen auf engem Raum wohnen, kann es immer zu Lärmstörungen kommen – insbesondere, wenn Kinder im Haus leben. Doch die beklagte Familie hat es nach dem Befinden der Wohnungseigentümerschaft schlichtweg übertrieben. Fast täglich soll es in der Mittags- und Nachtzeit zu erheblichen Ruhestörungen gekommen sein. Dabei sieht die Hausordnung zwischen 12 Uhr und 14.00 Uhr sowie von 20 Uhr bis 7 Uhr Ruhezeiten vor.

Aber nicht nur die Kinder verursachten Lärm (beispielsweise durch Springen, Trampeln, Schreien oder Türen zuknallen). Auch die Eltern hielten sich nicht an die Hausordnung: Stundenlanges Telefonieren über die Freisprecheinrichtung des Telefons, Laute Musik, Besuch von mehreren Personen nach 20 Uhr oder nachts Staubsaugen waren keine Seltenheit.

Den Wohnungseigentümern war dies zu viel. Daher forderten sie die junge Familie in regelmäßigen Abständen auf, den Lärmpegel einzugrenzen und sich an die Ruhezeiten zu halten. Doch die Eltern zeigten keine Einsicht. Die Situation änderte sich nicht, sodass die Eigentümer vor Gericht zogen.

Lärmpegel-Protokoll protokolliert die Ruhestörung bis ins Detail

Vor dem Amtsgericht hat die beklagte Familie die Ruhestörung abgestritten. Die Kinder seien immer zwischen 20 Uhr und 20.30 Uhr ins Bett gegangen, sodass gar kein Lärm von den Kindern nach 20 Uhr ausgegangen sein konnte. Auch habe die Familie ein Jahr lang keinen Besuch erhalten.

Doch die vom Gericht als Zeuge vorgeladenen unmittelbaren Nachbarn der Familie legten ein Lärmpegel-Protokoll vor, welches die Ruhestörungen bestätigten. Aus den Protokollen gingen teilweise Ruhestörungen bis nach Mitternacht hervor.

Besonders prekär: Der Ehemann der Beklagten Familie wurde mehrfach von den Nachbarn gebeten, die Ruhestörungen zu unterlassen. Dazu äußerte er sich jedoch lediglich, dass er alles machen könne, was er wolle.

Das Amtsgericht gibt der Klagepartei Recht

Das Gericht glaubte den Nachbarn und gab der klagenden Wohnungseigentümerschaft Recht.

„Frequenz, Lautstärke und die Zeiten der Lärmentfaltung stehen nicht mehr im Zusammenhang mit einer adäquaten Wohnnutzung oder einer hinzunehmenden lebhaften Lebensäußerung von Kindern. Das von den Kindern ausgehende regelmäßige und über einen langen Zeitraum gehende laute Geschrei, Springen und Getrampel in der Wohnung weit nach 20:00 Uhr, (…) geht über das hinaus, was bei Kindern üblicherweise hingenommen werden muss. Zudem haben sich die Beklagten auch rücksichtslos verhalten, indem sie auf mehrfache Aufforderungen der Hauseigentümer, den Lärmpegel zu senken, mit der Aussage reagierten, dass sie tun und lassen können, was sie wollten“, so das Gericht.

Unter der Androhung von Ordnungsgeld hat das Amtsgericht die Beklagten aufgefordert, die in der Hausordnung festgelegten Ruhezeiten einzuhalten. In den Ruhezeiten sind laute Unterhaltungen, insbesondere mit Geschrei, zu unterlassen. Fernseher, Radio und sonstige Wiedergabegeräte sind über Zimmerlautstärke zu betreiben. Außerdem darf der übliche Lärmpegel von spielenden Kindern nicht überschritten werden.

Urteil des Amtsgerichts München vom 04.05.2017, Aktenzeichen 281 C 17481/16

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