Erschreckende Strompreisentwicklung in Deutschland

Erschreckende Strompreisentwicklung in Deutschland

Strom ist zum Luxusgut geworden. Gerade finanzschwache Haushalte sind häufig nicht mehr in der Lage, die Stromrechnung zu bezahlen. Vor einem solchen Szenario wurde schon vor Jahren gewarnt. Doch darauf gehört hat niemand. Besonders ärgerlich: Hauptursache für die Probleme sind weniger die Stromkonzerne, sondern vielmehr der Staat. Er hält die Hand am weitesten auf.

Der Strompreis im Detail

Die Stromproduktion in Deutschland läuft auf Hochtouren. Vor allem der Ökostromanteil ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Daraus resultiert ein Überangebot. Bisweilen müssen Anlagen wie Windparks sogar abgeschaltet werden, um die Netze zu entlasten. Normalerweise sollte man das beim Strompreis spüren. Denn ein großes Angebot geht in der Regel mit niedrigen Preisen einher.

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Doch diese Regel greift beim Strompreis nicht. Hier sind andere Stellschrauben dafür verantwortlich, dass die Kosten Jahr für Jahr steigen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) listet regelmäßig auf, wie sich der Strompreis zusammensetzt. Für 2018 ergaben sich dabei ein Anteil von Steuern, Umlagen und Abgaben von 54,2 Prozent. Strombeschaffung und Vertrieb machen 21,1 Prozent aus, die regulierten Netzentgelte 24,7 Prozent. Die neuesten Zahlen für 2019 zeigen insbesondere einen Anstieg der Kosten bezüglich Beschaffung und Vertrieb mit aktuell 23 Prozent.

Strom-Entwicklung-Deutschland-2007-2019-Grafik

Vervierfacht: Abgaben und Co.

Schaut man sich den Strompreis 2019 von durchschnittlich 30,22 Cent je Kilowattstunde an, ergeben sich folgende Bausteine (In den Klammern finden sich zum Vergleich die Strompreise aus 2018):

  • 6,880 Cent (7,290 Cent): Beschaffung und Vertrieb
  • 7,390 Cent (7,290 Cent): Netzentgelt
  • 4,830 Cent (4,710 Cent): Mehrwertsteuer
  • 1,660 Cent (1,660 Cent): Konzessionsabgabe
  • 6,405 Cent (6,792 Cent): EEG-Umlage (EEG: Erneuerbare-Energien-Gesetz)
  • 0,280 Cent (0,345 Cent): KWKG-Umlage (KWKG: Kraftwärmekopplungsgesetz)
  • 0,305 Cent (0,370 Cent): $19 StromNEV-Umlage (Strom-Netzentgeltverordnung)
  • 0,416 Cent (0,037 Cent): Offshore-Haftungsumlage
  • 0,005 Cent (0,011 Cent): Umlage für abschaltbare Lasten
  • 2,050 Cent (2,050 Cent): Stromsteuer
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Über die EEG- oder Ökostromumlage werden zum Beispiel die Fördergelder für Solar- und Windkraftanlagen bezahlt und über die Strom-Netzentgeltverordnung unterstützen Verbraucher stromintensive Unternehmen. Heißt: Weil ein Werk viel Energie verbraucht, müssen alle Stromkunden dafür aufkommen. So oder ähnlich verhält es sich bei vielen Preisfaktoren. Kurzum: Die Kosten für den Strommarkt werden weitgehend auf den Endverbraucher abgewälzt.

Im Detail sind das aktuell 15,95 Cent je Kilowattstunde für Steuern, Abgaben und Umlagen sowie 6,405 Cent pro Kilowattstunde für die EEG-Umlage. Vergleicht man diese Werte mit den Vorjahren, zeigt sich, warum Strom immer teurer wird. 1998 entfielen auf Steuern und Co. lediglich 4,07 Cent und auf die EEG-Umlage 0,08 Cent. 2008 waren es 8,53 bzw. 1,16 Cent. Es geht also steil bergauf. Laut BDEW ist der Anteil der Steuern, Abgaben und Umlagen seit 1998 um 292 Prozent gestiegen. Daran wird sich auch künftig vorerst wohl nichts ändern.

Trotz der hohen Strompreise gibt es zwischen den verschiedenen Stromanbietern in Deutschland enorme Preisunterschiede. Ein Stromanbieter Preisvergleich kann sich lohnen und durch einen Wechsel ist es möglich bis zu mehrere hundert Euro im Jahr zu sparen.

Deutschland ist Spitzenreiter beim Strompreis

Damit bleibt Deutschland eines der EU-Länder mit dem höchsten Strompreis. Den aufgerundet 30 Cent je Kilowattstunde standen im zweiten Halbjahr 2017 10,0 Cent in Bulgarien, 16 Cent in Finnland und Norwegen, 20 Cent in Schweden und 22 Cent in Portugal gegenüber. Lediglich in Dänemark ist Strom mit ebenfalls 30 Cent so teuer wie in Deutschland. Dafür rühmt sich die Bundesrepublik weiterhin mit ihrer Vorreiterrolle bei der Energiewende – auf dem Rücken der Verbraucher.

Strompreise-Europa-Vergleich-mietrecht-Grafik

Titelbild: vchal / shutterstock.com

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