Hitze in der Wohnung – Grund für Mietminderung?

Asiatin am Ventilator in Wohnung

Der Sommer kommt und mit ihm die unerträgliche Hitze in vielen Wohnungen. Vor allem Mieter von Dachgeschosswohnungen leiden häufig unter hohen Temperaturen in den eigenen vier Wänden.

Hinnehmen müssen Sie dieses jedoch nur begrenzt. Wenn ein Baumangel vorliegt oder die Temperaturen in der Wohnung einen gesundheitsgefährdenden Wert erreichen, gar der Wellensittich einen Hitzschlag erleidet, steht Ihnen eine Mietminderung oder das Recht einer fristlosen Kündigung zu.

Temperaturreglung zu Arbeitsstätten bildet Richtwert

Eine allgemeine gesetzliche Regelung, wie heiß es in Mietwohnungen werden darf, gibt es nicht. Dennoch bietet das Amtsgericht Hamburg mit seinem Urteil am 10.05.06 (Az.: 46 C 108/04) eine Orientierung in Bezug auf die Temperaturgrenze in privaten Wohnungen.

Die Temperatur darf hiernach tagsüber nicht mehr als 30 Grad und nachts nicht mehr als 25 Grad betragen.

Das Urteil erfolgte in Anlehnung an die Rechtsprechung des Landgerichtes Bielefeld in Bezug auf die Begrenzung der Raumtemperatur in Arbeitsräumen (26.03.03, AZ.: 3 O 411/01).

Nach diesem darf die Innentemperatur im Büro 26 Grad Celsius nicht übersteigen, wenn außerhalb des Gebäudes Temperaturen von 32 Grad herrschen. Zudem muss laut Gericht, die Innentemperatur mindestens 6 Grad Celsius unter der Außentemperatur liegen.

Höhere Temperaturen alleine sind kein Mietmangel

Der alleinige Umstand, dass es in einer Wohnung im Sommer heiß wird, ist noch kein Grund für eine Mietminderung. Wer eine Dachgeschosswohnung anmietet, muss damit rechnen, dass die Temperaturen im Sommer ansteigen können, da sich die Hitze unter dem Dach staut (AG Leipzig, 06.09.04, AZ 164 C 6049/04). Dieses ist kein Mietmangel.

Wärmeisolation muss gegeben sein

Resultieren die hohen Temperaturen jedoch aus einem baulichen Mangel, ist der Vermieter verpflichtet Maßnahmen zu treffen, um die Temperatur in der Wohnung zu senken.

Denn – der Mieter hat einen grundsätzlichen Anspruch darauf, dass das Gebäude den baurechtlichen Bestimmungen zum „Wärmeschutz“ entspricht, welche im Baujahr des Gebäudes galten. Bestimmungen zur Isolierung finden sich beispielsweise in der Energieinsparverordnung.

Checkliste: Hitze in Mietwohnung

Um zu beweisen, dass in der Wohnung die Überschreitung der Temperaturgrenze ein Dauerzustand ist, sollten Sie diese messen, nach unserer Checkliste dokumentieren und sich dann an den Vermieter wenden. Setzen Sie ihm anschließend eine Frist von 14 Tagen, um Ihnen einen entsprechenden Vorschlag zu machen. Möglich wäre beispielsweise die Anbringung von Außenjalousien auf Kosten des Vermieters.

Gerade, wenn die Temperaturen eine Nutzung der Wohnung nur eingeschränkt möglich machen, lohnt es sich Fakten zu schaffen, um eine Mietminderung aufgrund eines Mietmangels durchsetzen zu können.

Beachten Sie bei der Protokollführung die Aussagekräftigkeit der Daten, beispielweise durch mindestens eine Woche Messdauer und zwei Messungen pro Tag (morgens/abends).

20 % Mietminderung bei Baumangel sind angemessen

Das Amtsgericht Hamburg (Az.: 46 C 108/04) entschied am 10.05.06, eine Mietminderung bis zu 20 % sei, bei einem mangelnden Isolierungszustand der Wohnung und den damit verbunden hohen Temperaturen, angemessen. Es handele sich dabei um einen Sachmangel (§ 536a BGB), welcher durch den Vermieter behoben werden muss.

Dabei kann die Mietminderung anteilig nur auf die Tage oder Monate erfolgen, an denen auch eine starke Hitzeentwicklung dokumentiert wurde.

Weiteres zum Urteil in Bezug auf Mietminderung

Fristlose Kündigung ist ebenfalls möglich

Weigert sich der Vermieter zu handeln und sorgen die durch den Sachmangel verursachten Temperaturen für eine erhebliche Gesundheitsgefährdung im Sinne von § 569 Abs. 1 BGB, ist eine fristlose Kündigung zulässig. Dieses entschied der Verfassungsgerichtshof Berlin am 20.03.07 (AZ.: 40/06).

Ausschlaggebend für die Entscheidung des Falls, war die Benennung von sechs Zeugen und die 28 Messungen der Mieterin über einen Zeitraum von 10 Tagen. Diese belegten eindeutig, dass Temperaturunterschiede von mindestens 10 Grad zwischen Innen- und Außentemperatur ein nicht hinnehmbarer Normalzustand waren, durch den sogar der Wellensittich der Tochter an einem Hitzschlag verstarb. Die Temperaturen von bis zu 46 Grad in der Dachgeschosswohnung schränkten die Nutzung so ein, dass die Mieterin und dessen Tochter teilweise bei Freunden übernachten mussten.

Weiteres zum Urteil der fristlosen Kündigung bei Hitze in der Dachgeschosswohnung

Eigene Maßnahmen zur Temperatursenkung mit Vermieter absprechen

Montiert der Mieter aus eigenen Stücken eine Markise oder baut in der Wohnung eine feste Klimaanlage ein, so muss er dieses vorher mit dem Vermieter besprechen, wenn es das äußere Erscheinungsbild oder die Bausubstanz verändert.

Das Amtsgericht München (07.06.14, Az.: 411 C 4836/13) urteilte dazu, dass der Vermieter zum Anbau einer Markise durch den Mieter das okay geben muss, wenn der Nutzen des Mieters (Sonnenschutz) mehr wiegt als die Beeinträchtigungen des Vermieters.

Der Mieter erklärte sich als Kompromiss bereit, die Farbe der Markise an die optischen Vorgaben des Vermieters anzupassen und diese nach Auszug wieder abzumontieren. Damit werde laut Gericht das Erscheinungsbild des Balkons weniger beeinflusst, als wenn zwei verschiedenfarbige Sonnenschirme platziert würden.

Die Anbringung der Markise müsse somit durch den Vermieter genehmigt werden.

Titelbild: PR Image Factory /shutterstock.com

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