Mietkürzung - Balkon nicht nutzbar bei energetische Sanierung

  • Hallo,


    ich bin der Ralf und habe mich gerade angemeldet, da ich immer wieder mal die eine oder andere Frage zum Thema Mietrecht habe. Wir wohnen in einem Mehrfamilienhaus (sechs Parteien), das einer städtischen Wohnungsgesellschaft gehört. Da diese ihre Mieter gerne "über den Tisch" zieht, habe ich vor einigen Jahren damit begonnen, Widersprüche, Minderungen, usw. für alle Mieter der Gebäude auszuarbeiten. Gerade viele ältere Menschen aber auch andere Mieter haben leider keinerlei Ahnung über ihre Rechte.
    Zurzeit werden bei uns energetische Sanierungsarbeiten durchgeführt. Startdatum ist der 01.03. Ab diesem Datum sind die Balkone nicht mehr zu Nutzen. Meine Fragen dieszbezüglich sind:


    -kann ich die anteiligen Quadratmeter von der Gesamtzahl der Wohnung abziehen, wenn die Fläche des Balkons der Gesamtquadratmeterzahl beigerechnet wird? Die Wohnfläche wird mit 60 qm² ink. Balkon berechnet. Der Balkon ist knapp 5,5 qm² groß.


    -Weiterhin wird ein Baugerüst für die nächsten Monate unsere Aussicht "verschönern". Es gibt Urteile in denen man 10 Prozent Minderung geltend machen kann. Ist dies akzeptabel und abziehbar? Gilt das auch bei energetischen Baumaßnahmen? In einem Vorgespräch erklärte man uns, dass wir überhaupt keine Kürzungen vornehmen dürften, energetischen Sanierungen seien hiervon ausgenommen. Kann ich aber nicht glauben. Scheint mir wieder einmal ein typischer Spruch der Bande zu sein.



    Noch zwei weitere Fragen hätte ich.
    -Es gibt bisher in keinem der Häuser, in keiner Wohnung, einen Feuermelder. Soweit ich weiß, sind dieses seit dem 01.01.2016 Pflicht. Ich würde gerne über eine Institution (keine Ahnung, ob dafür die Baubehörde oder das Ordnungsamt zuständig ist) eine Abmahnung an die Gesellschaft bewirken.


    -Bei uns wird Nachts das Warmwasser abgestellt. Soweit ich weiß, ist dies auch nicht erlaubt, da das Wasser im Kreislauf warm zu halten ist. Da ich Nachts arbeite, muss ich mich mit kaltem Wasser begnügen. Kann doch auch nicht richtig sein, oder?


    Wäre super nett, wenn ihr mir/uns helfen könntet. Das Ganze betrifft gut 50 Wohnungen in unserem Nahbereich.


    Ich hoffe, mich nicht zu unverständlich ausgedrückt zu haben. Weiterhin bitte ich um Entschuldigung, wenn es Fehler in Form und Schrift gibt. Ich muss zurzeit starke Schmerzmittel nehmen und die machen ein wenig böde ;)


    viele Grüße


    ralf

  • Anzeige

  • -kann ich die anteiligen Quadratmeter von der Gesamtzahl der Wohnung abziehen, wenn die Fläche des Balkons der Gesamtquadratmeterzahl beigerechnet wird? Die Wohnfläche wird mit 60 qm² ink. Balkon berechnet. Der Balkon ist knapp 5,5 qm² groß.


    -Weiterhin wird ein Baugerüst für die nächsten Monate unsere Aussicht "verschönern". Es gibt Urteile in denen man 10 Prozent Minderung geltend machen kann. Ist dies akzeptabel und abziehbar? Gilt das auch bei energetischen Baumaßnahmen? In einem Vorgespräch erklärte man uns, dass wir überhaupt keine Kürzungen vornehmen dürften, energetischen Sanierungen seien hiervon ausgenommen. Kann ich aber nicht glauben. Scheint mir wieder einmal ein typischer Spruch der Bande zu sein.


    Soweit mir bekannt, ist das tatsächlich so. Dieser Auschluss der Mietminderung gilt aber eben nur bei energetischer Sanierung und wohl auch nur für max. drei Monate.

  • Zitat

    In einem Vorgespräch erklärte man uns, dass wir überhaupt keine Kürzungen vornehmen dürften, energetischen Sanierungen seien hiervon ausgenommen.


    So ist es. Hier der Verweis auf § 536 (1a) BGB. Für 3 Monate sind hier keine Minderungen möglich.


    Zitat

    Soweit ich weiß, sind dieses seit dem 01.01.2016 Pflicht.


    Aber nicht in allen Bundesländern. Das würde ich vorab prüfen. Ansonsten kann man das sicher dem Ordnungsamt melden.


    Zitat

    Bei uns wird Nachts das Warmwasser abgestellt.


    Das ist nicht rechtens.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Ralf,
    tu' Dich man ruhig hervor als Mieteranwalt. Wirst der oberste sein, der auf der Liste der Mieterhöhungskandidaten steht.

  • Erst einmal ganz lieben Dank für eure Informationen und Hinweise.
    Ein paar Frage hätte ich allerdings noch:


    Soweit mir bekannt, ist das tatsächlich so. Dieser Auschluss der Mietminderung gilt aber eben nur bei energetischer Sanierung und wohl auch nur für max. drei Monate.


    Bezieht sich das ebenso auf die Wegnahme eines Teil unserer Wohnfläche, bzw. der Wegnahme des Balkonss, der ja mit in der Grundmiete bezahlt wird. Kann doch eigentlich nicht sein. Sonst kommt demnächst einer und meint, dass unser Wohnzimmer jetzt für drei Monate für die bauarbeiter und Material genutzt wird. Wir bezahlen doch für den Balkon, ergo zahlen wir dann für etwas, was nicht nutzbar ist. Das mit dem Baugerüst kann ich nachvollziehen (wobei man uns gesagt hat, dass die Arbeiten neun Monate andauern würden)


    Ralf,
    tu' Dich man ruhig hervor als Mieteranwalt. Wirst der oberste sein, der auf der Liste der Mieterhöhungskandidaten steht.


    Hallo Berny,
    da ich das Ganze schon seit 15 Jahren so mache und bisher immer Recht bekommen habe (zum Beispiel Dachrinnenreinigung bei alten Mietverträgen), wird mich die Androhung einer Mieterhöung nicht beunruhigen. Ganz im Gegenteil, nur weil ich evl. Repressalien zu erwarten habe soll ich auf mein Recht und das anderer verzichten? Wenn alle so dächten, würde es niemals gesellschaftliche Veränderungen geben. Es gibt Menschen, die sich eben nicht ausdrücken können oder vor "dem System" Angst habe. Dürfen diese Menschen deshalb nicht in den "Genuss" von Vorteilen und ihrem Recht kommen? Wenn ich die Möglichkeit habe, anderen zu helfen, sehe ich das als meine Pflicht an, dieses auch zu tun! Mieterhöhungen bekommen wir eh genau nach Vorschrift, nämlich alle 15 Monate, egal, ob ich mich einmische oder nicht. Auf jeden Fall danke ich dir für deine Meinung/Warnung.




    Grus an alle
    ralf


  • Mhh, also soweit ich weiß, hat das mit der evtl. nicht zu nutzenden Fläche gar nichts zu tun, dafür könntest du ja eben Mietminderung machen, sogar auf die Bruttomiete, bzw. in deinem Fall dann die ersten drei Monate eben nicht.
    Zum Stichwort "gesellschaftliche und Systemveränderung usw." mein Rat, lass das stecken. Wenn es dir darum geht, dann gehe in die Politik und nerv nicht deinen Vermieter, oder deine Mitmenschen.
    Aber gut, jeder hat eben andere Hobbys.

  • Zitat

    Bezieht sich das ebenso auf die Wegnahme eines Teil unserer Wohnfläche, bzw. der Wegnahme des Balkonss, der ja mit in der Grundmiete bezahlt wird. Kann doch eigentlich nicht sein.


    Eine Mietminderung bezieht sich immer auf die Wegnahme von irgend etwas, sei es Wohnfläche oder einer Nutzungsmöglichkeit.


    Zitat

    Der Balkon ist knapp 5,5 qm² groß


    Laut konkreter Abmessung oder laut den Vorgaben Wohnflächenverordnung?


    Ein Balkon geht nur zu einem Viertel oder zur Hälfte in die Gesamtwohnfläche ein.
    Angenommen, der Balkon bemisst sich hier nur mit einem Viertel, also 1,375m², dann stellt sich die Frage, ob die paar Cent Mietminderung im Monat überhaupt Sinn machen.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Wenn es dir darum geht, dann gehe in die Politik und nerv nicht deinen Vermieter, oder deine Mitmenschen.


    Tipp: Bei der Opposition findet man stets offene Ohren...:o


  • Hallo Berny,
    da ich das Ganze schon seit 15 Jahren so mache und bisher immer Recht bekommen habe (zum Beispiel Dachrinnenreinigung bei alten Mietverträgen), wird mich die Androhung einer Mieterhöung nicht beunruhigen. Ganz im Gegenteil, nur weil ich evl. Repressalien zu erwarten habe soll ich auf mein Recht und das anderer verzichten? Wenn alle so dächten, würde es niemals gesellschaftliche Veränderungen geben. Es gibt Menschen, die sich eben nicht ausdrücken können oder vor "dem System" Angst habe. Dürfen diese Menschen deshalb nicht in den "Genuss" von Vorteilen und ihrem Recht kommen? Wenn ich die Möglichkeit habe, anderen zu helfen, sehe ich das als meine Pflicht an, dieses auch zu tun!
    Grus an alle
    ralf


    Hallo,


    und genau deshalb verwahrlost unser Gesellschaft, genau deshalb weil jeder auf sein vermeintliches Recht pocht und weil ihm langweilig ist, denn Streitsucht ist auch eine Sucht, muss man sich noch in die Angelegenheiten anderer einmischen.


    Genießen sollte man gutes Essen oder eine schöne Frau/Mann, Urlaub, ein menschliches Miteinander, Konsens statt Disens und nicht mein Recht. Das lässt schon auf eine gewisse Gesinnung deuten.


    Gruß
    BHShuber

    Antworten und Beiträge basieren auf persönliche Erfahrungen und auschließlich meiner Meinung und sind keinesfalls als Aufforderung zu einer Handlung oder Rechts- oder Steuerberatung aufzufassen! Somit besteht keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit der abgegebenen Kommentare!


  • Das kann ich so unterschreiben! Daumen hoch für Deinen Beitrag.
    Letztendlich besteht jede (Vertrags-)Beziehung aus einem Geben und Nehmen.


    Vielleicht hätte der Vermieter die regelmäßigen Mieterhöhungen auch gar nicht durchgeführt, wenn nicht alle Mieter auf ihr Recht gepocht hätten?


    Für mich ist das ebenso eine Streitsucht. Ich persönlich habe trotz etlicher Mängel noch nie eine Mietminderung durchgeführt, bzw. habe immer versucht, mich in einem guten Gespräch mit dem Vermieter zu einigen.
    Was habe ich denn letztendlich von einer Mietminderung? Verschwindet der Mangel, bzw. die Einschränkung an der Mietsache, wenn ich ein paar EUR mehr in der Tasche habe?


    Wenn die Wohnung nicht nutzbar ist, bzw. ein wirklich schwerwiegender Mangel vorliegt, würde ich hier vielleicht eher auf mein "Recht" bestehen, allerdings nicht wegen solchen Kleinigkeiten.


    Da stehen allein Aufwand und Ergebnis (der Minderungsbetrag) in gar keinem Verhältnis.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.