Mietvertr. unterschrieben - eine Woche später Abestentfernungsarbeiten an Außenfasade

  • Hallo,


    Ich habe vor einer Woche einen Mietvertrag für eine neue Wohnung unterschrieben. Beim Einzug bzw. nach dem Einzug ist mir aufgefallen, dass es leider ein wenig komisch riecht. Da die Wohnung vor 1,5 Wochen neu gestrichen wurde, ging ich zu erst davon aus, dass es mit der Farbe zusammenhängt.
    Zusätzlich haben in der vergangenen Woche Handwerker begonnen Arbeiten an der Außenfassade vorzunehmen. Sie haben dafür ein Gerüst aufgebaut, dass bis zum höchsten Storkwerk ragt.


    Da ich aufgrund des Geruches auch ein wenig Sorgen hatte, dass es sich ggf. um ein Wohngift wie Asbest handeln könnte. Habe ich heute den Vermieter angerufen und ihn neben einigen anderen Punkten ebenfalls zum Asbest befragt. Dabei teilte er mir mit "Ja, es ist Asbest verbaut, deshalb finden auch gerade die Arbeiten an der Fassade statt."


    Er betonte zwar, dass das ja alles kein Problem sein, da das professionell durchgeführt werden würde. Sorgen mache ich mir jedoch dennoch, da ich aufgrund des eigenartigen Geruchs die letzten Tage die Fenster immer möglichst lange offen hatten. Wenn nun an der Außenfassade das Asbest entfernt wird, gehe ich stark davon aus, dass dabei auch Asbeststäube freigesetzt werden. Das öffnen des Fenster halte ich daher auch nicht mehr für so eine gute Idee.


    Gibt es eine Möglichkeit aus dem vor einer Woche unterschriebenen Mietvertrag frühzeitig herauszukommen oder von ihm zurückzutreten oder gibt es zumindest die Möglichkeit einer Mietminderung? (Aufgrund vom Lärm, oder dem Asbest?)


    Ich finde es schon dreißt wie mich der Vermieter auf die Baustelle die einige Zeit lang bestehen wird nicht vor unterzeichnen des Mietvertrages aufmerksam gemacht hat. Das ganze hat zudem einen umso faderen Beigeschmack wenn man bedenkt, dass der Vermieter zwar nun selbst betont, dass das alles kein Problem sei, er jedoch selbst einem Monat vor Beginn der Umbaumaßnahmen aus der Wohnung auszieht...


    Über Ratschlage wäre ich sehr dankbar.


    mfg,
    Bolatius

  • Zitat

    Gibt es eine Möglichkeit aus dem vor einer Woche unterschriebenen Mietvertrag frühzeitig herauszukommen oder von ihm zurückzutreten oder gibt es zumindest die Möglichkeit einer Mietminderung? (Aufgrund vom Lärm, oder dem Asbest?)


    Ein Rücktrittsrecht bei Mietverträgen, außer es steht ausdrücklich im Vertrag, gibt es nicht. Mietminderung ist evtl. möglich. Ob und wieviel kann dir ein Fachanwalt für Mietrecht sagen.


    Ansonsten bleibt dir nur die fristgerechte Kündigung. Die ist im Moment zum 31.08.2017 möglich.


    Sofern der Vertrag unbefristet und ohne Kündigungsverzicht ist.

    Was ich hier schreibe ist lediglich meine Meinung, resultierend aus Erfahrungen und etwas angelesenem Wissen.
    ____________________________________________________________________________
    "Sie hören von meinem Anwalt" ist die erwachsene Version von "Das sag ich meiner Mama":p

    Gruß anitari

  • Ein Rücktrittsrecht bei Mietverträgen, außer es steht ausdrücklich im Vertrag, gibt es nicht. Mietminderung ist evtl. möglich. Ob und wieviel kann dir ein Fachanwalt für Mietrecht sagen.


    Ansonsten bleibt dir nur die fristgerechte Kündigung. Die ist im Moment zum 31.08.2017 möglich.


    Sofern der Vertrag unbefristet und ohne Kündigungsverzicht ist.


    Schliesse mich vorstehender Meinung an...:eek:

  • ich will ja net klugscheissern, aber Asbest ist vollkommen geruchslos.
    sollten es diese Ethernit platten an der Hausfassade sein, denen begegnest du an vielen Häusern, an den du vorbei läufst.
    wenn sie fachmännisch demontiert werden, entsteht keine Gefahr.

  • Es war lediglich ein Bauzaun im Erdgeschoss vorhanden. Von Bauarbeiten im Erdgeschoss auf plötzliche Arbeiten am Ganzen Gebäude inkl. Gerüst zu schließen finde ich ein wenig schwierig.


    Was ist mit den Angaben auf dieser Homepage:


    https://www.promietrecht.de/Blog/Vermieter-muss-Mieter-ueber-Asbest-in-der-Wohnung-informieren-E2907.htm


    Wenn in einer Wohnung asbesthaltige Baumaterialien verwendet wurden:


    Ich zitiere:
    "- Der Vermieter muss den Mieter immer darüber informieren, wenn ihm dieser Umstand bekannt ist.
    - Die schnelle Information des Mieters ist auch erforderlich, wenn der Vermieter erst während eines bestehenden Mietverhältnisses (später) über die Verwendung asbesthaltiger Baumaterialien in der Wohnung erfährt. "


    Die Vermieterin hat mir solche Informationen definitiv nicht mitgeteilt. Welche Möglichkeiten bestehen den Vertrag aufgrund dessen anzufechten?


    Bei Asbestentfernungsarbeiten werden auch bei sachgerechter Anwendung sicherlich kleine Mengen des Staubes in die Luft freigesetzt. Da ich bereits eine gesundheitliche Vorgeschichte/Vorbelastung mit Asbest habe, die mir zudem ärztlich bescheinigt vorliegt, stelle ich mir die Frage, ob ich den Vertrag aufgrund von Irrtum nach §119 BGB anfechten kann.
    Wäre mir der Umstand der unmittelbar im Anschluss meines Vertrages stattfindenden Asbestsarnierung bekannt gewesen, hätte ich den Vertrag aufgrund meiner Vorgeschichte niemals unterzeichnet.


    Auch ist mir aufgrund der Aussagen auf der Homepage "ProMietrecht.de" nicht ganz klar, ob überhaupt eine Offenbarungspflicht für den Vermieter bei Asbest oder bei derartigen Baumaßnahmen vorliegt und ob der Vermieter nur auf Nachfrage korrekt antworten muss, oder ob er auch selbst aktiv werden muss und dieses Thema ansprechen muss. Besteht hier ggf. eine Möglichkeit der Anfechtung aufgrund von arglistiger Täuschung oder gibt es andere Möglichkeiten?


    Als ich den Vermieter bzw. die Freundin des Vermieters am Wochenende am Abend angerufen hatte, hatte ich sie, bevor ich die Frage zum Asbest gestellt habe, auch gefragt wie lange die Baumaßnahmen dauern und was mit dem Wasserhahn, an dem die Waschmaschine angeschlossen ist nicht stimmt. Der Wasserhahn ist mit einem Zewa präpariert und als ich ihn versucht habe aufzudrehen um die Waschmaschine zu benutzen, spritzte plötzlich nach oben (aus dem Drehgriff/Schraubgriff) Wasser heraus. Ich drehte den Wasserhahn sofort wieder zu bzw. versuchte dies, jedoch bewegte sich der Drehgriff/Schraubgriff plötzlich ruckartig nach rechts. Ich bewegte den Wasserhahn daher im Anschluss gar nicht mehr, da ich nicht wusste in welchem Zustand er sich befand und ich die Befürchtung hegte, dass beim Weiteren zu oder aufdrehen, dauerhaft, nicht zu stoppendes Wasser aus der Leitung fließt.
    Die Freundin des Vermieters teilte mir am Wochenende mit, dass Sie über die Dauer der Baumaßnahmen noch nichts sagen könne, da Sie den Brief der Hausverwaltung nicht gelesen habe, darüber hinaus teilte Sie mir mit, dass Sie auch zum Wasserhahn nichts sagen könne. Sie würde dies jedoch beides mit ihrem Freund bzw. dem Eigentümer/Vermieter besprechen.


    Heute hat mich die Freundin des Vermieters nun zurückgerufen und wir haben einen Termin für Morgen vereinbart im Rahmen dessen sie sich zusammen den Wasserhahn anschauen möchte, uns das Schreiben zur Dauer des Gerüsts übergeben möchten und uns darüber hinaus das Übergabeprotokoll übergeben möchten.


    Ich hege nun folgende Befürchtungen:
    - Wenn ich bis Morgen untätig bleibe verfällt ggf. die Möglichkeit der "unverzüglichen Anfechtung" aufgrund von Irrtum. Oder liege ich hier falsch? Soweit ich verstanden habe räumt der Gesetzgeber dem Anfechtenden zwar ein, dass er Zeit hat sich anwaltlichen Rat einzuholen, jedoch habe ich ein ungutes Gefühl aufgrund der Tatsache, dass wir am Wochenende zum ersten mal telefoniert habe und ich darüber (das Asbest etc.) in Kenntnis gesetzt wurde und nun durch das zweite Telefonat die "unverzüglichkeit" verfällt. Ich war gestern bereits bei einer Anwältin, welche jedoch nur darauf spezialisiert gewesen zu sein scheint, Vermieterinteressen zu vertreten, ich fühlte mich in keinster Weise gut beraten. Ich habe daher heute die beiden Anwälte kontaktiert, welche die Seite "ProMietrecht.de" mitaufgebaut haben. Leider haben beide jedoch erst Morgen Zeit für ein Gespräch. Muss ich mir Sorgen machen, wenn ich noch bis Morgen die weiteren Beratungsgespräche mit anderen Anwälten abwarte, bevor ich tätig werde oder verfällt dadurch die "Unverzüglichkeit?".


    Meine weiteren Befürchtungen sind die folgenden:
    - Der Vermieter und seine Freundin, versuchen den beschädigten Wasserhahn mir als Mieter anzulasten. Sie teilte mir hierzu bereits am Telefon mit, dass sie davon ausgeht dass der Wasserhahn überdreht wurde.
    - Sie haben weitere Anmerkungen in das Übergabeprotokoll mit aufgenommen, welche von unserer Seite nicht unterschrieben wurden. Zwar ist im Vertrag vermerkt, dass das Übergabeprotokoll von jeder Vertragspartei an das Vertragsexemplar angeheftet wird. Jedoch hat sie uns das Übergabeprotokoll nicht ausgehändigt, da Sie erst noch die Bilder über den Wohnungszustand mit anghängen und eine Kopie anfertigen wollte. (Ich bin mir mittlerweile darüber im Klaren, dass dies reichlich naiv von Seiten meiner Freundin und mir war)


    Bestandteil des Vertrages ist ebenfalls, dass der Vermieter eine Hausratversicherung abgeschlossen haben muss. Der Hausratversicherung muss aber in der Regel gemeldet werden wenn Bauarbeiten mit Gerüst stattfinden und wie lange diese dauern, da diese das Einbruchrisiko, etc. erhöhen. Ich konnte dies, also auch der Hausratversicherung nicht rechtzeitig melden, da mir die Baumaßnahmen nicht mitgeteilt wurden. (Ich muss dazu gestehen, dass ich die Hausratversicherung aber auch erst heute Nacht abgeschlossen habe und Sie erst ab Morgen gültig sein wird).


    Wie steht ihr zu den aufgeführten Punkten? Ich wäre über jeden weiteren Ratschlag dankbar!


    Von der zusätzlichen anwaltlichen Beratung bzw. zweiten Meinung Morgen erhoffe ich mir einiges, da die Anwälte, ja selbst an den Angaben auf dieser Homepage mitgewirkt haben.


    Mfg,
    Bolatius

    4 Mal editiert, zuletzt von Bolatius ()

  • Hallo Bolatius,
    da Du bereits anwaltlich beraten wirst, enthalte ich mich einer Äusserung zum Sachverhalt.

  • Naja, dass was ich bisher an Beratung erhalten habe, kann man nicht Beratung nennen :(


    Wenn die aufgeführten Punkte nicht zutreffen dann ist das ja OK bzw. dann ist auch eine Aussage... Wenn ich nur mit ordentlicher Kündigung aus dem Vertrag komme ist das eben so. Mir konnte bisher aber keiner benennen inwiefern die oben erwähnten Punkte in Bezug auf Arglistigkeit oder Irrtum ggf. Anwendung finden könnten.
    Mit der Anwältin von gestern konnte ich über diese Punkte nicht einmal sprechen, da sie mehr damit beschäftigt war darüber zu fluchen, dass "irgendwelche Laien" (Miet-)rechtwebsites mit falschen Behauptungen erstellen etc.


    Ich konnte ihr zu diesem Zeitpunkt auch nichts entgegnen, da ich zum Zeitpunkt nicht wusste wer die Betreiber waren. Da es sich dabei, wie ich heute bei Einsicht des Impressums gesehen habe, jedoch ebenfalls um Anwälte handelt, kann ja in keinster Weise die Rede von "irgendwelche Laien" sein...


    Es wäre zumindest schon einmal gut zu wissen wie es sich zum Rechtsbegriff der "Unverzüglichkeit" verhält... Ich muss sie heute noch einmal anrufen um ihr mitzuteilen ob wir Morgen Abend Zeit haben, wobei ich aktuell dazu tendiere einen Ausweich-Termin am Wochenende auszumachen, da ich bis Freitag aufgrund anderer Termine Land unter bin... Dies hatte ich nicht bedacht, als ich ihr vorhin am Telefon "Donnerstag" anstelle ihres Vorschlages "Mittwoch" mitgeteilt habe... Zumal ich auch endlich gerne das Übergabeprotokoll in der Hand halten würde um festzustellen ob Sie etwas ohne unser Wissen geändert oder hinzufügt hat...

    Einmal editiert, zuletzt von Bolatius ()


  • Mit der Anwältin von gestern konnte ich über diese Punkte nicht einmal sprechen, da sie mehr damit beschäftigt war darüber zu fluchen, dass "irgendwelche Laien" (Miet-)rechtwebsites mit falschen Behauptungen erstellen etc.


    Man höre und staune, die Anwältin scheint erst mal zu wissen wovon Sie redet.
    Unterm Strich ist es nun einmal eine Tatsache, das es extrem schwer wird so einen Vertrag anzufechten. Zumal wenn du anfängst zu erzählen das es komisch riecht, und es sich deshalb um Asbest handeln müsse.
    Alles andere entspringt wohl eher deinem Kopfkino und nicht unbedingt den Tatsachen, das es für dich gesundheitlich gefährlich sein könnte.
    Deshlb kann natürlich trotzdem eine Einschränkung der Nutzbarkeit, sprich ein Mietminderung in Betracht kommen, alles anders sehe ich eher nicht kommen.
    Schon allein deshalb nicht, weil das was saniert, nämlich die Aussenfassade, die du ja gar nicht gemietet hast.

    2 Mal editiert, zuletzt von AJ1900 ()

  • Ich zitiere:
    "- Der Vermieter muss den Mieter immer darüber informieren, wenn ihm dieser Umstand bekannt ist.
    - Die schnelle Information des Mieters ist auch erforderlich, wenn der Vermieter erst während eines bestehenden Mietverhältnisses (später) über die Verwendung asbesthaltiger Baumaterialien in der Wohnung erfährt. "


    Die Vermieterin hat mir solche Informationen definitiv nicht mitgeteilt. Welche Möglichkeiten bestehen den Vertrag aufgrund dessen anzufechten?


    Bei Asbestentfernungsarbeiten werden auch bei sachgerechter Anwendung sicherlich kleine Mengen des Staubes in die Luft freigesetzt. Da ich bereits eine gesundheitliche Vorgeschichte/Vorbelastung mit Asbest habe, die mir zudem ärztlich bescheinigt vorliegt, stelle ich mir die Frage, ob ich den Vertrag aufgrund von Irrtum nach §119 BGB anfechten kann.
    Wäre mir der Umstand der unmittelbar im Anschluss meines Vertrages stattfindenden Asbestsarnierung bekannt gewesen, hätte ich den Vertrag aufgrund meiner Vorgeschichte niemals unterzeichnet.



    Hallo,


    wenn ich das richtig verstehe, ist die Asbestfassade außerhalb deiner Wohnung. Daher gibt es keine Offenbarungspflicht des Vermieters.


    Du kannst allerdings davon ausgehen, dass eine proffessionelle Asbestsanierung keine Fasern freisetzt. Das mit der Asbestvorgeschichte klingt relativ unglaubwürdig. Wenn du denkst, du kannst das Asbest riechen, hast du doch gar keine Ahnung von der Materie, geschweige denn eine Vorgeschichte.


    Kündige die Wohnung fristgerecht und gut ist.


    Gruß
    H H