Wasserschaden ohne Hausratsversicherung - welche Rechte habe ich?

  • Hallo in die Runde, ich habe ein Problem mit einem Wasserschaden und brauche einen kundigen Rat. Es geht mir darum, auszuloten, welche Rechte ich habe und sicherzugehen, dass ich nicht „über den Tisch gezogen werde“. Blöderweise haben wir weder eine Hausratsversicherung noch eine Rechtsschutzversicherung. Und googeln hilft nur begrenzt weiter.


    Hier der Fall:


    Unsere Wohnung (Neubau, Erstbezug) bewohnen wir seit sechs Jahren. In dieser Zeit haben wir das Badezimmer und die dazugehörige Dusche im normalen Rahmen genutzt. Das Badezimmer haben wir gepflegt und bei Bedarf warten lassen (so haben wir Z.B. die Gummidichtungen an den Türen der Dusche austauschen lassen, weil sie mit der Zeit vergilbt waren). Die Dusche haben wir wöchentlich gereinigt und etwa ein Mal im Halbjahr das Abflusssieb geleert. Die Installationen der Dusche (Wasserzufluss und Wasserabfluss) wurden durch uns nicht bearbeitet oder verändert, auch haben wir keine anderen Personen damit beauftragt.


    Mitte April 2017 ist uns ein Wasserfleck an der Flurwand aufgefallen, die an das Badezimmer angrenzt, außerdem war im angrenzenden Schlafzimmer eine weitere feuchte Stelle zu sehen, die auch schimmelte. Wir haben am selben Tag unseren Vermieter informiert. Die herbeigerufenen Handwerker stellten fest, dass ein Wasserschaden vorliegt, der von der Dusche ausgeht. Es hieß, die Dusche sei „falsch verfugt“, weil die Fugen nach innen statt nach außen gebeugt angebracht worden waren. Die Fugen wiesen außerdem an zwei Stellen Risse auf. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die Duschwanne in unüblicher Weise beweglich ist. Zudem ist dem Handwerker aufgefallen, dass eine direkt an die Dusche angrenzende Fliese in unmittelbarer Bodennähe auf einer Länge von ca. 4 cm überhaupt nicht verfugt war (man konnte tief in den Boden gucken). Wir wurden gebeten, die Dusche nicht zu nutzen, die Schimmelstellen sollten wir selbst behandeln, was wir auch gemacht haben. In ca. 14 Tagen sollte alles getrocknet sein.


    Ende April wurde die Dusche neu verfugt und die fehlende Fuge an der Fliese angebracht. Es hieß, dass die Dusche in 24 Stunden wieder benutzbar sei. Wir haben die Dusche aber auch weiterhin nicht genutzt.


    Ende Mai sind uns an der Flurwand, die an das Badezimmer angrenzt, neue feuchte Stellen aufgefallen. Wir haben unseren Vermieter wieder umgehend informiert. Der herbeigerufene Handwerker überprüfte die Dusche und stellte fest, dass sie ordnungsgemäß verfugt ist. Auch hier war aufgefallen, dass die Duschwanne in unüblichem Maß beweglich ist.
    Anfang Juni wurde der Schaden durch eine Firma begutachtet, die auf Wasserschäden spezialisiert ist. Dabei wurde gemessen, dass mehrere Wände in der Wohnung (Flur, Schlafzimmer, Gästezimmer, Wohnzimmer) feucht sind, im Schlafzimmer wurde außerdem neuer Schimmel oberhalb der Fußleiste entdeckt. Die Schimmelstellen wurden entfernt, alle Verbindungsstellen zwischen den betroffenen Wänden und dem Boden wurden mit Klebeband und/oder Folie versiegelt. Uns wurde geraten, Möbel von den betroffenen Wänden abzurücken, was wir befolgt haben. Zur Ursache hieß es, dass Wasser aus der Dusche in den Boden gelaufen sei und nun in die Wände zieht. Ob der Schimmel unsere Gesundheit gefährdet, konnte uns nicht zuverlässig beantwortet werden.

    Am Folgetag hat unser Vermieter in Begleitung von vier Handwerkern (Wasserschadenprofi, Installateur, Fliesenprofi, Maler) und eines Architekten den Wasserschaden in unserer Wohnung begutachtet. Dabei ist festgestellt worden, dass der Syphon in der Dusche undicht und beweglich ist, so dass Wasser in den Raum zwischen dem Boden und der Betonplatte gelangen konnte. Genaue Angaben zur Ursache wurden uns nicht mitgeteilt. Die Dusche wurde unbenutzbar gemacht, der Syphon abgedichtet. Das Ergebnis der Begehung wurde von uns schriftlich festgehalten und am selben Tag an den Vermieter gemailt. Außerdem haben wir schriftlich angefragt, was wir tun können, wenn sich die Wohnung als unbewohnbar sein sollte und wer für eventuelle Schäden an unserem Eigentum aufkommen wird. Außerdem haben wir angekündigt, dass wir eine Mitminderung erwägen.


    Am Folgetag wurde unser Kleiderschrank von einem Schreiner teilweise abgebaut und ca. 50 cm von der Wand abgerückt. An der Schlafzimmerwand zeigte sich eine großflächige Stelle (ca. 120cm x 50cm), die feucht und voller Schimmel war. Außerdem war die Schrankrückwand vom Schimmel befallen. Der Wasserschadenprofi hat die Schimmelstelle an der Schlafzimmerwand und die Schrankrückwand daraufhin mit Folie und Klebeband versiegelt.


    Als wir unseren Vermieter darüber informierten, wurde uns mitgeteilt, dass die seine Versicherung für Schäden an unserem Eigentum nicht aufkommen wird. Eine Ersatzwohnung könne uns nicht gestellt werden, für die Kosten einer von uns angemieteten Ersatzwohnung werde der Vermieter nicht aufkommen. Außerdem hieß es, einer der Installateure habe bei der Begehung befunden, dass am Syphon in der Dusche Schrauben lose waren. Wir zeigten uns verwundert, weil uns das bei der Begehung so nicht mitgeteilt worden war. Wörtlich hieß es vom Vermieter „der Installateur sprach davon, dass alle drei Schrauben mit drei Umdrehungen festgemacht werden mussten, was sicherlich nicht von alleine passiert ist“. Daraufhin erklärten wir, dass wir keine derartigen Interventionen am Syphon der Dusche vorgenommen haben.


    Am Folgetag wurde unsere Wohnung von einem Baubiologen begutachtet. Er hat das Schlafzimmer als unbewohnbar eingestuft und auch den Rest der Wohnung hat er als ungeeignet für ein Kleinkind und eine Schwangere befunden. Sein Rat war, die Wohnung möglichst schnell zu verlassen. Auch der Sachverständige der Gebäudeversicherung des Vermieters gab uns den Rat, möglichst schnell auszuziehen und die Kosten der Ersatzwohnung über eine Mietminderung zu auszugleichen. Unsere Möbel sind nicht beschädigt, müssen aber professionell gereinigt und möglicherweise zwischengelagert werden. Auch diese Kosten sollen wir tragen. Der Sachverständige ging übrigens auch davon aus, dass der Schaden durch den undichten Siphon entstanden ist, konnte das aber nicht überprüfen, weil der Siphon wieder festgeschraubt war. Die „falsche Verfugung“ und die Risse in den Fugen waren kein Thema mehr.


    Meine Frage: Ist das alles so rechtens? Oder sollte ich prüfen lassen, ob der Vermieter möglicherweise doch auch für Schäden an unserem Eigentum haftet?

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  • Hallo Wasserschaden2017,


    Ich würde die Schäden/Beanstandungen per Einwurfeinschreiben tabellarisch dem VM mitteilen und ihn auffordern, sie zeitnah zu beheben, um Mietminderungen und evtl. weitere Schadenersatzforderungen zu vermeiden. Auch auf § 535 BGB Bezug nehmen.
    Halte uns bitte weiterhin informiert.
    Hast Du bisherige Feststellungen schriftlich?
    Eine Hausratversicherung deckt keine Drainageschäden ab, sondern nur Leitungswasserschäden. Hierfür wäre eher die persönliche Haftpflicht des VM zuständig.

    2 Mal editiert, zuletzt von Berny ()

  • Danke für die Antwort Benny! Es ist so, dass sich der Schaden nicht beheben lässt, während wir in der Wohnung wohnen (alle Wände raus, Böden hoch, 8-10 Wochen Renovierungszeit, größere Belastung mit Schimmelsporen). Außerdem hatten wir ohnehin schon gekündigt (hat nichts mit dem Schaden zu tun, beruflicher Umzug ins Ausland). Wir müssen jetzt etwa einen Monat "überbrücken", bis wir sowieso umziehen. Ich wüsste gerne, ob der Vermieter tatsächlich nicht für die Kosten aufkommen muss, die mir entstehen. Die bisherigen Feststellungen habe ich leider nicht schriftlich.

  • So wie ich das verstehe, geht mein Vermieter davon aus, dass er den Schaden nicht zu verantworten hat. Wenn ich nicht ganz falsch liege, müsste ich ihm das Gegenteil beweisen, um Schadenersatz verlangen zu können. Das dürfte doch schwierig sein, oder wie seht ihr das?

  • Zitat

    So wie ich das verstehe, geht mein Vermieter davon aus, dass er den Schaden nicht zu verantworten hat.


    Davon gehe ich auch aus. Die Vermieterhaftpflichtversicherung greift nur dann, wenn der Vermieter fahrlässig gehandelt hätte.


    Wenn ich deine Ausführungen korrekt verstehe, hat der Vermieter immer sofort auf Eure Schadenanzeigen reagiert und eine Firma mit der Instandsetzung beauftragt.


    Die Tatsache, dass ein Syphon undicht ist, kann dem Vermieter nicht zu Lasten gelegt werden.


    Dazu gibt es ja Hausratversicherungen. Diese regulieren Schäden an Eurem Hausrat und zahlen in der Regel auch die Ausweichwohnung.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • So wie ich das verstehe, geht mein Vermieter davon aus, dass er den Schaden nicht zu verantworten hat. Wenn ich nicht ganz falsch liege, müsste ich ihm das Gegenteil beweisen, um Schadenersatz verlangen zu können. Das dürfte doch schwierig sein, oder wie seht ihr das?


    Hallo,


    ich empfehle hier einen juristischen Rat einzuholen das kostet nicht die Welt und ihr habt eine Abwägung der Möglichkeiten die euch zur Verfügung stehen.


    Grundsätzlich unerheblich der Ursache ist die Wohnung mit Mängeln behaftet diese liegen durchaus im Verantwortungsbereich des Vermieters und eine Mietminderung steht im Raum, das aber nie ohne Anwalt machen, lieber machen lassen um juristisch auf der richtigen Seite zu stehen.


    Gruß
    BHShuber

    Antworten und Beiträge basieren auf persönliche Erfahrungen und auschließlich meiner Meinung und sind keinesfalls als Aufforderung zu einer Handlung oder Rechts- oder Steuerberatung aufzufassen! Somit besteht keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit der abgegebenen Kommentare!

  • Vielen Dank für die Antworten. Ich glaube jetzt auch, dass ich ohne juristischen Rat nicht weiterkomme. Heute habe ich ein (telefonisches) Beratungsgespräch mit dem Mieterverein, mal schauen, was sie sagen. Werde berichten.

  • Also der Anwalt des Mietervereins sagt: "Für Schadenersatz haben Sie keine Chance, auch vor Gericht nicht, weil sie dem Vermieter Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit nachweisen müssten". Selbst wenn der Mangel schon beim Einzug bestanden haben sollte, würde das die Haftung des Vermieters nicht berühren. Einen Anwalt einzuschalten sei sinnlos. Was uns zustehe, ist aber Mietminderung. Laut MV ca. 20% für die Zeit mit Unannehmlichkeiten (Duschen unbenutzbar, Möbel von den Wänden abgerückt, Wände mit Folien beklebt), ca. 60% wenn wir die Wohnung verlassen und unsere Möbel drin bleiben, 100% wenn wir komplett raus sind. Außerdem soll ich dem VM schreiben, dass ich die Miete unter Vorbehalt zahle. Da ich für die bereits bezahlte Miete keinen Vorbehalt schriftlich kundgetan habe, werde es rückwirkend schwierig, wahrscheinlich nur bei entsprechender Kulanz des VM. Soweit die Erkenntnisse vom MV.

  • Endlich mal eine Aussage des Mietervereins, der man zustimmen kann.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Danke für die Einschätzungen! Eine Frage noch: Die Wohnung muss aufwändig saniert werden, wenn wir hier weg sind (alle Regipswände raus oder teilweise raus, fast der gesamte Boden hoch, Trockener überall, etc.). Eigentlich hätten wir die Wohnung streichfertig abgeben sollen und uns an den Kosten für die Ausbesserung des Parketbodens beteiligen. Ist das jetzt hinfällig, da die Wohnung ohnehin fast komplett saniert wird?

  • Danke für die Einschätzungen! Eine Frage noch: Die Wohnung muss aufwändig saniert werden, wenn wir hier weg sind (alle Regipswände raus oder teilweise raus, fast der gesamte Boden hoch, Trockener überall, etc.). Eigentlich hätten wir die Wohnung streichfertig abgeben sollen und uns an den Kosten für die Ausbesserung des Parketbodens beteiligen. Ist das jetzt hinfällig, da die Wohnung ohnehin fast komplett saniert wird?


    Eine "Komplettsanierung" muss nicht zwangsweise eine Fussbodenausbesserung beinhalten.