Fristlose Kündigung zu Freitag (diese Woche)

  • Hallo liebe Mitmenschen. Ich bin heute den ganzen Tag etwas panisch herumgelaufen und hoffe, dass ihr mir vielleicht einen Rat geben könnt, wie ich mich fair und gerecht verhalten kann. Folgendes ist passiert:


    • ich bin mit 22 Monatsmieten im Rückstand; davon 15 weil beide Parteien sich um nichts gekümmert haben
    • Im Januar habe ich den Vermieter aufgesucht, über die offenen Beiträge informiert, und anschließend in den darauf folgenden Wochen besprochen wie wir das Problem lösen wollen (Klärung der Zahlungsmodalitäten liefen per Mail und blieben unbeantwortet, Detailfragen zur Wohnung wurden aber beantwortet, beides stand in derselben Mail)
    • Seit Januar beziehe ich ALG 2, wobei ich knapp ein halbes Jahr mit dem Papierkram gekämpft habe. Die Miete wird direkt an den Vermieter überwiesen, rückwirkend seit Januar 2017. Mir fiel jedoch im Bescheid nicht auf, dass der Mietanteil noch gar nicht bewilligt wurde (ich bekam keine Absage, sondern nur keine explizite Zusage)
    • Gestern (Montag abend) las ich dann den Brief des Anwalts des Vermieters, in dem eine fristlose Kündigung zu Freitag dieser Woche ausgesprochen wurde, unter Berufung auf §543 Abs 1 BGB in Verbindung mit Abs 2 Satz 3 a) und b) BGB, mit der Begründung, dass keinerlei Zahlung eingegangen sei
    • Heute bin ich dann sofort zum jobcenter und habe dort erfahren, dass tatsächlich keine Miete überwiesen wurde. Dies wird nun umgehend nachgeholt, was ich auch schriftlich zugesichert bekam.
    • Mit diesem Schriftstück wollte ich dann zum Vermieter, um sowohl die ausgebliebenen Zahlungen der letzten Monate zu erklären, als auch die Tilgung des anderen Teils der Schulden von 2016 zu starten, wie ich zuvor in der Mail beschrieben hatte (ich kann die Gesamtsumme nicht auf einen Schlag sofort zahlen)
    • Vermieter will nicht mehr mit mir reden und verweist mich auf den Anwalt
    • Anwalt verweist mich auf das Schreiben und teilt mir mit, dass er nicht für meine Rechtsberatung zuständig sei
    • aufgrund der fristlosen Kündigung hat das jobcenter weitere Mietzahlungen vorläufig eingestellt


    Die Frage ist nun, wie ich mich sinnvoll verhalte. Ich möchte dabei betonen, dass ich ausdrücklich zahlwillig bin und eine Konfliktlösung im Sinne beider Parteien wünsche. Ich bin hier seit 10 Jahren Mieter, und es gab nie Schwierigkeiten zwischen mir und dem Vermieter - ich habe ihm über die Jahre sogar einige Male mit Kleinigkeiten aus der Patsche geholfen.


    Über die fristlose Kündigung hinaus wurde zusätzlich noch fristgerecht gekündigt, was ich allerdings nicht als Streitpunkt sehe. Mir geht es im Moment nur um die Abwendung der fristlosen Kündigung zum freitag. Kann ich da irgendwas machen, oder bin ich einfach trotz meiner Kooperationsbereitschaft aufgeschmissen und muss die Wohnung bis Freitag räumen?

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  • Hallo Neuling2017,


    fristlos bedeutet ohne Frist. Wenn Du bis Freitag nicht 'raus bist, wird der RA wohl die Zwangsräumung beantragen. Es ist jedoch üblich, dass auch im Falle einer Fristlosen dem Mieter ca. 10 Tage zur Räumung zugebilligt werden. Btw, soo schnell arbeiten die Gerichte auch nicht...
    Mich wundert, dass der VM sowas fast zwei Jahre mitgemacht hat. Da "stimmte" doch irgendwas nicht - aber Du musst uns das ja auch nicht auf die Nasen binden. Der RA hat m.E. völlig recht.

  • Ja wie gesagt, beide Seiten haben fahrlässig gehandelt und sich zahlungstechnisch einfach um nichts gekümmert, bis ich dann Anfang des Jahres nicht mehr so weitermachen wollte und auf den Vermieter zugegangen bin. Kein böses Blut (jedenfalls bis Januar), einfach nur beiderseits alles verschlampt.
    Ich war offenbar eine Karteileiche. Wie der Vermieter darauf kam, dass ich seit zwei Jahren gar nicht mehr hier wohne, obwohl es weder Kündigung noch Übergabe gab, und trotz persönlichen Kontakts in dieser Zeit, ist mir auch unerklärlich. Aber das ist rechtlich vermutlich nicht relevant.

  • Und jetzt, da der Steuerzahler dafür blechen muss (und für die Mietschulden auch, da diese wohl übernommen werden), fällt dir ein, daß du doch ganz gern Miete zahlen würdest?

  • 22 (!) Monatsmieten? Respekt! Da hast Du "Glück", dass Du jetzt erst gekündigt wurdest.
    Warum eigentlich ein Verschulden beider Parteien? Die Miete ist eine Bringschuld. Selbst wenn Du keine Bankverbindung gehabt hättest, wäre es doch möglich gewesen, die Miete zurückzulegen.


    Selbst wenn das Jobcenter nun etwas zahlt, dürfte der Rückstand dennoch ausreichen, um eine fristlose Kündigung durchzusetzen. Hier geht es erst einmal nur darum, die Forderungen zu reduzieren.


    Derzeit hast Du wohl nur die Möglichkeit, den Vermieter auf Knien um Verlängerung der Frist zu bitten.


    Räumen "musst" Du die Wohnung bis Freitag nicht. Der Vermieter muss hier eine Räumungsklage einleiten. Du solltest hier aber bedenken, dass Dich das noch mehr Geld kostet.


    Wenn wir hier von 22 Monatsmieten sprechen, dann dürften die Prozesskosten heftig werden.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Der Weg zur Wohnungssicherung scheint mir hier der sinnvollste.

    Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar und sollte nicht als solche verstanden werden. Dieser Inhalt dient ausschließlich der Information.

    Einmal editiert, zuletzt von landlord-k ()

  • Und jetzt, da der Steuerzahler dafür blechen muss (und für die Mietschulden auch, da diese wohl übernommen werden), fällt dir ein, daß du doch ganz gern Miete zahlen würdest?


    Nein, dass ich gern Miete zahlen würde fiel mir vor 10 Jahren ein, als ich hier eingezogen bin. Und 8 Jahre lang hat das auch problemlos funktioniert. Dann kamen zwei Jahre Trauma-Bearbeitung, die u.a. zu einer Vernachlässigung externer Probleme mit sich brachten. Dass das in dieser Rechtssache vermutlich keine Relevanz hat, ist mir auch klar. Auch dass ich seit einem halben Jahr 30 Wochenstunden in einer sozialen Einrichtung ehrenamtlich arbeite hat keine Relevanz. Ich erwähne es nur, um daran zu erinnern, dass nicht jeder Mensch das gierige egoistische Arschloch ist, das du hier vermutest. Der wesentliche Grund, warum ich ALG2 in Anspruch nehme, ist weil ich der Gesellschaft nicht dienen kann, wenn ich in der Gasse vor mich hinsieche.


    Das hier ist ein Mietrecht-Hilfe-Forum. Ich kam hierher, weil ich keine Ahnung von Mietrecht habe (wie auch, wird ja nicht in der Schule gelehrt) und wegen des Schreibens plötzlich gezwungen war, mich irgendwie in dem Thema zurechtzufinden.


    Selbst wenn Du keine Bankverbindung gehabt hättest, wäre es doch möglich gewesen, die Miete zurückzulegen.


    Das geht nur mit einem Einkommen, und das habe ich erst seit Januar. Nach Beendigung meines letzten Arbeitsverhältnisses Ende 2014 habe ich mich zwei Jahre lang intensiv mit der Bearbeitung zweier Traumata befasst. In diesem Zeitraum weigerte ich mich, anderen Menschen auf der Tasche zu liegen, habe also von Ersparnissen gelebt, ohne irgendwelche Leistungen zu beantragen.


    Seit etwa einem Jahr studiere ich, wie Gesellschaft funktioniert, und habe inzwischen akzeptiert, dass jeder von uns von allen anderen abhängig ist, weil nichts von den Waren oder Dienstleistungen, die wir tagtäglich nutzen, von uns selber erarbeitet wurde. Seit Januar gebe ich was ich kann (in sozialen Einrichtungen meiner Wahl), und nehme was zu Überlebenszwecken nötig ist. Und zum Geben gehört selbstverständlich auch das Tilgen meiner Schulden.


    Und ich sehe es genauso wie du. Ich hatte Glück, dass ich hier wohnen konnte, bis die Trauma-Bearbeitung den jetzigen sehr stabilen Stand erreicht hat.


    Schonmal ein Dankeschön an euch für die Ausführungen :) Ich werde demnächst zu Bildungszwecken zukünftiger Leser schreiben, wie die Sache verläuft.

  • Würdest Du das bitte näher erklären?


    In den meisten Städten gibt es m.E. eine Wohnungssicherung zur Prävention der Wohnungslosigkeit. Beispielsweise in Berlin und Potsdam - http://vv.potsdam.de/vv/produkte/173010100000007865.php


    Sollte eine Kündigung aller Voraussicht nach nicht abwendbar sein oder sogar ggf. eine Räumungsklage drohen, kann man sich diesbezüglich an die Wohnungssicherung wenden. In Deutschland muss niemand auf der Straße leben, man muss nur rechtzeitig die richtigen Schritte einleiten.

    Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar und sollte nicht als solche verstanden werden. Dieser Inhalt dient ausschließlich der Information.

  • Mir geht es im Moment nur um die Abwendung der fristlosen Kündigung zum freitag. Kann ich da irgendwas machen, oder bin ich einfach trotz meiner Kooperationsbereitschaft aufgeschmissen und muss die Wohnung bis Freitag räumen?

    Ich nehme mal an du bleibst bei Deiner Kooperationsbereitschaft

    In diesem Zeitraum weigerte ich mich, anderen Menschen auf der Tasche zu liegen, habe also von Ersparnissen gelebt, ohne irgendwelche Leistungen zu beantragen.

    Ganz ehrlich, da fehlen einem die Worte. Du bist so ein guter Mensch und hast keine Leistungen beantragt und nachher bleibst Du Deinem Vermieter 2 Jahre lang die Miete schuldig. Sehr kooperativ...

  • Da fehlt mir jedes Verständnis. 22 Monate keine Miete gezahlt? Dir ist klar, dass auch Vermieter Kosten zu tragen haben? Und wieso dauert es ein halbes Jahre, einen Antrag für das Jobcenter auszufüllen? Das ist innerhalb einer Stunde möglich, wenn man sich Zeit lässt. Dein Vermieter hat echt eine Engelsgeduld bewiesen. Das der keinen Bock mehr hat, mit dir zu reden, ist mir klar. Unfassbar finde ich sowas.


    Und ich bekomme eine Kündigungsandrohung, weil ich dagegen angehe, ständig kalt duschen und im Winter oft ohne Heizung leben zu müssen. Dabei bezahle ich von Anbeginn an jeden Monat meine Miete.

  • Zitat

    ich bin mit 22 Monatsmieten im Rückstand; davon 15 weil beide Parteien sich um nichts gekümmert haben

    Wieso sollte sich der Vermieter darum kümmern, dass du nicht in den Mietrückstand kommst? Muss man das verstehen?

    Ein Vermieter hat einen Anspruch auf pünktliche Mietzahlungen! Er ist nicht gesetzlich verpflichtet, sich darum zu kümmern, dass seine Mieter die Miete zahlen. Zahlen sie nicht, darf er sie aus der Wohnung klagen und die Miete nachträglich einklagen.


    Mal etwas ganz anderes: Was hast du dauernd mit deiner Traumatherapie?

    Zitat

    Dann kamen zwei Jahre Trauma-Bearbeitung, die u.a. zu einer Vernachlässigung externer Probleme mit sich brachten.

    Glaubst du, du bist der einzige Mensch auf der Welt, der traumatisiert wurde? Von sexuellem Kindesmissbrauch ist in den Industrieländern im Durchschnitt jedes 10. Kind betroffen! Alkoholismus eines Elternteils oder beider Eltern jedes 5. Kind! Wenn die alle die Miete nicht zahlen würden, dann wäre was los! Ich würde eher sagen, das war eine schlechte Therapie, der du dich unterzogen hast! Bei einer guten Therapie, auch einer Traumatherapie, sollte immer die Bewältigung des Alltags im Vordergrund stehen. Dass jemand fast zwei Jahre keine Miete zahlt wegen einer Traumatherapie, was eine billige Ausrede!


    Sorry für die harten Worte, aber das musste mal sein!