Hoher Energieaufwand für Warmwassererwärmung

  • Hallo,


    ein Verwandter hat vor kurzem seine Betriebskostenabrechnung für 2017 erhalten, die an verschiedenen Stellen inkorrekt bzw. fragwürdig ist. Ich bereite dazu gerade einen Einspruch für ihn vor. Beim Thema Energiebedarf für die Warmwassererwärmung konnte ich aber bisher nicht klären, inwiefern hier ein Einspruch angebracht ist, deshalb bitte ich diesbezüglich um Kommentare:


    Konkret wurden im gesamten Mehrfamilienhaus (DDR-Plattenbau, 14 Wohnungen, davon ca. die Hälfte leerstehend, gesamt ca. 925m² Wohnfläche) 82,375m³ Warmwasser verbraucht. Laut Wärmemengenzähler wurden für die Erwärmung 20968 kWh aufgebracht. Dies entspricht dem Doppelten dessen, was man gemäß der gebräuchlichen Formel nach §9 Abs. 2 HeizkostenV erwarten würde (10300 kWh), bzw. einem Wirkungsgrad von lediglich knapp 23%. Aus diesem hohen Verbrauch resultieren (zusammen mit deutlich überhöhten Brennstoffkosten von >8,5ct/kWh, die ich ohnehin beanstanden werde) Warmwasserkosten in Höhe von 18,89€/m³, was mir deutlich überhöht erscheint (ich selbst zahle 5,20€/m³).


    Die Wassererwärmung erfolgt über eine Gaszentralheizung mit Speicher und Warmwasserzirkulation. Ich gehe davon aus, dass die Ursache für den stark erhöhten Energiebedarf der Warmwassererwärmung in der mangelhaften Isolation des Speicherbehälters bzw. der Rohre zu finden sind. Meines Wissens nach wurde der Vermieter auch bereits auf diesen Umstand hingewiesen, allerdings inkonsequent ohne Fristsetzung zur Mangelbeseitigung. Aktuell stelle ich mir folgende Fragen: Muss die ineffiziente Warmwassererwärmung in der Form hingenommen werden (quasi als beim Abschluss des Mietvertrages bekanntes "Ausstattungsmerkmal") oder besteht für den Vermieter die Pflicht, bestimmte Mindeststandards einzuhalten? Ist es in letzterem Falle legitim, die Energiekosten entsprechend zu mindern, d.h. bspw. den aufgrund der mangelhaften Anlage energetischen Mehraufwand (gemäß obiger Rechnung 10600 kWh) aus der Energiekostenaufstellung herauszurechnen?


    Vielen Dank im Voraus für Hinweise und Anregungen!

  • Dies entspricht dem Doppelten dessen, was man gemäß der gebräuchlichen Formel nach §9 Abs. 2 HeizkostenV erwarten würde

    Und genau diese Formel ist für die Ermittlung der Warmwasseraufbereitungskosten seit 2014 nicht mehr zulässig.


    Seit dem müssen die Warmwasserkosten bzw. der Energiebedarf für die Warmwasseraufbereitung exakt ermittelt werden.


    Was ist mit dem Energiebedarf für Wärme? Der müßte dann ja geringer sein als zuvor.



    14 Wohnungen, davon ca. die Hälfte leerstehend,

    Ich denke mal das ist der Knackpunkt für hohen Warmwasserkosten.


    Die Anlage bereitet rund um die Uhr ganzjährig Warmwasserauf, es wird aber sehr wenig verbraucht.

    zusammen mit deutlich überhöhten Brennstoffkosten von >8,5ct/kWh, die ich ohnehin beanstanden werde)

    Bist Du sicher das das die Kosten pro kWh sind und nicht die pro Heizeinheit?

    Was ich hier schreibe ist lediglich meine Meinung, resultierend aus Erfahrungen und etwas angelesenem Wissen.
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    Gruß anitari

  • Vielen Dank für die Antwort!


    Dass die Formel nicht mehr verwendet werden darf, ist mir bewusst. Ich habe sie lediglich als Richtwert für eine halbwegs moderne Anlage herangezogen. Beispielsweise in meiner Wohnung wird sogar etwas weniger Energie für die Warmwassererzeugung aufgewandt als nach der Formel errechnet. Auch in besagten Mietshaus meines Verwandten wird die für die Warmwassererzeugung benötigte Energie formal korrekt über Wärmemengenzähler gemessen. Die Tatsache, dass die Anlage für den tatsächlichen Verbrauch (Warmwasser für das gesamte Haus: rund 82m³) wahrscheinlich völlig überdimensioniert ist, spielt sicherlich auch eine Rolle, da stimme ich Dir zu. Die Frage ist eben: Darf das dem Vermieter egal sein oder ist er verpflichtet, durch geeignete Maßnahmen den Energieverbrauch zu reduzieren? Wobei wahrscheinlich das Argument "Die anderen Wohnungen könnten ja in Zukunft wieder genutzt werden und deshalb können keine Änderungen an der Anlage durchgeführt werden" (wird realistisch betrachtet allerdings nicht passieren) hier wahrscheinlich eine schwer zu entkräftende Ausrede wäre...


    Bei den Brennstoffkosten handelt es sich tatsächlich um die in der Betriebskostenabrechnung angegebenen Brennstoffkosten. Daten laut Abrechnung

    • Brennstoffart: Erdgas H
    • Menge: 112522 kWh
    • Kosten: 9577,30 €

    Im Kostenschlüssel (Einheiten in MWh, da mit Wärmemengenzähler ermittelt) werden die Kosten je Einheit mit 140,21€ angegeben, entsprechend 14 ct/kWh. (Gesamteinheiten 45,555MWh, hier ist der Wirkungsgrad mit ca. 50% also im normalen Bereich)

  • Die Tatsache, dass die Anlage für den tatsächlichen Verbrauch (Warmwasser für das gesamte Haus: rund 82m³) wahrscheinlich völlig überdimensioniert ist,

    An Überdimensionierung glaube ich nicht wirklich, eher an den Umstand bzw. die Tatsache das die Hälfte der Wohnungen leer steht als Ursache für die hohen Kosten. Wie ist denn die Gesamtwohnfläche des Hauses?

    Was ich hier schreibe ist lediglich meine Meinung, resultierend aus Erfahrungen und etwas angelesenem Wissen.
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    Gruß anitari

  • Überdimensioniert hatte ich auch auf die tatsächliche Bewohnung bezogen, nicht auf das Haus an sich.

    Es zählt aber nur die Gesamtwohnfläche, nicht die tatsächlich bewohnte.

    Was ich hier schreibe ist lediglich meine Meinung, resultierend aus Erfahrungen und etwas angelesenem Wissen.
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    Gruß anitari

  • Ich schließe mich hier anitari an.


    Das Problem ist hier die Kombination aus einem hohen Leerstand und der geringen Abnahmemenge Warmwasser.

    Ich hatte in einem meiner Bestände ein ähnliches Problem, obwohl die Anlage vielleicht 2-3 Jahre alt war und auch eine super Energieeffizienz hatte.


    Was will der Vermieter hier machen? Grundsätzlich gibt es einen Warmwasserspeicher, welcher permanent eine ausreichende Menge Warmwasser zur Verfügung stellen muss. Hierbei ist es dann unerheblich, wie viele Mieter tatsächlich Warmwasser abnehmen.


    bei der Dimensionierung der Anlage muss immer die Gesamtwohnfläche des Hauses berücksichtigt werden. Der Vermieter kann ja nicht ein kleine Anlage einbauen, weil nur 50% der Wohnungen bewohnt sind.


    Muss die ineffiziente Warmwassererwärmung in der Form hingenommen werden

    Der Einbau einer Energieeffizienten Anlage stellt eine Modernisierung im Sinne des § 555b BGB dar. Die anteiligen Kosten der Installation können dann auf die Miete umgelegt werden.