Wohnungsübergabe nur mit Nachmieter - Schönheitsreparatur durchgeführt

  • Hallo,

    ich bin am zum 01.12.18 aus meinem WG Zimmer ausgezogen. Die Übergabe habe ich direkt mit meiner Nachmieterin gemacht, da der Vermieter im Urlaub war. Der Vorschlag hierzu kam vom Vermieter. Da ich zwei Stellen an den Wänden hatte, wo durch Kleber der Putz etwas abgegangen ist, habe ich diese ausgebessert und überstrichen.

    Folgende Info habe ich am 11.12.von der Nachmieterin erhalten: Der Vermieter war vor Ort und es sei alles in Ordnung.

    Da ich bisher noch nichts vom Vermieter gehört hatte, habe ich vorgestern gefragt, wie es mit meiner Kaution aussieht. Er teilte mir mit: "Für die nicht fachgerechte Mängelbeseitigung ziehen wir aus Kulanz pauschal 250€ ab".

    Meine Frage lautet nun:

    1. Kann der Vermieter dies so machen? Ich habe bei meinem Auszug kein Übergabeprotokoll bekommen geschweige denn Unterschrieben.

    2. Da meine Nachmieterin schon eingezogen ist, wechle Ansprüche kann der Vermieter noch an mich erheben? Muss ich nochmal ins Zimmer und die Wände komplett streichen?


    Im Mietvertrag steht folgendes:

    Schönheitsreparaturen

    1. Der Vermieter übernimmt keine Schönheitsreparaturen

    2. Die Schönheitsreparaturen werden vom Vermieter auf seine Kosten getragen.

    3. Der Mieter übernimmt das Zimmer in renoviertem Zustand.


    und

    Ansprüche bei Ende des Mietverhältnisses; Verjährung

    1. Unter Abbedingung von §548 BGB wird Folgendes vereinbart: Ersatzansprüchhe des Vermieter wegen Veränderung oder Verschlechterungen der Mietsache verjähren in zwölf Monaten. Die Verjährung beginnt mit dem Zeitpunkt, in dem er die Mietsache zurückerhält. Mit der Verjährung des Anspruchs des Vermieters auf Rückgabe der Mietsache verjähren auch seine Ersatzansprüche.


    Und dann noch zur Info: Ich habe 190€ mehr Kaution bezahlt, als ich gemusst hätte (über drei Kaltmieten) und die Kaution ging auf das gleiche Konto wie die Miete, ohne Zinsnachweis (weis nicht ob das relevant ist).


    Vielen Dank für eure Hilfe.


    Dateianhänge über Forum bitte als PDF

    Grace

  • Der Vermieter darf nicht pauschal irgend etwas ansetzen als Abzug von der Kaution. Wenn er der Meinung ist, dass er eine Forderung hat wegen Beschädigungen, dann muss er genau benennen wofür und begründen, wie er auf den Betrag kommt. Dies wäre also nachzufragen. Grund: Als Mieter muss man die Möglichkeit haben, die Anspruch des Vermieter zu prüfen und sich ggf. dagegen zu wehren.


    Da laut der Übergabe das WG Zimmer mängelfrei war und das die Nachmieterin bestätigen kann, kann ich mir allerdings nicht vorstellen, wie der Vermieter eine Forderung korrekt begründen will.


    Die Verjährung von 6 Monaten laut §548 BGB steht fest und kann vertraglich nicht verlängert werden. Diese Klausel ist unwirksam.


    Zinsen muss der Vermieter auch auf die Kaution zahlen. Das aber aktuell eher nur in der Theorie. Es gibt ja kaum mehr Zinsen bei den Banken. Daher kann das fast vernachlässigt werden.

    Meine Antworten zeigen lediglich meine persönliche Meinung, wie ich eine Sache auf Basis der gegebenen Informationen einschätzen würde. Rechtssicherheit hingegen kann nur ein Anwalt geben.

  • Da laut der Übergabe das WG Zimmer mängelfrei war und das die Nachmieterin bestätigen kann,

    Wo hast du das gelesen? Ich habe das so verstanden das im MV, also bei Mietbeginn, die Mangelfreiheit bestätigt wurd un es bei Auszug kein Protokoll gab.

    1. Kann der Vermieter dies so machen?

    Nein, pauschal sowieso nicht. Die Reparturen müssen konkrete benannt und abgerechnet werden.


    Und dann noch zur Info: Ich habe 190€ mehr Kaution bezahlt, als ich gemusst hätte (über drei Kaltmieten) und die Kaution ging auf das gleiche Konto wie die Miete, ohne Zinsnachweis (weis nicht ob das relevant ist).

    Nebenkriegsschauplatz. Wüsste nicht wie das die konkrete Problematik real beinflussen sollte.



    Grundsätzlich würde ich mir die Frage stellen, gab es Beschädigungen die einen Abzug in der Größenordnung rechtfertigen, oder nicht. Falls ja, schwamm drüber, falls nein sollte man im Prinzip schon auf Auszahlung bestehen. Offen bleibt allerdings wie wirtschatlich sinnvoll das am Ende ist.

  • AJ1900

    Ein Protokoll nicht.

    Aber erstens, es steht dem Vermieter frei, eine Vertretung zur Übergabe zu schicken und er hat die Nachmieterin damt beauftragt. Diese hat nichts bemängelt. Das muss gelten, wenn der Vermieter nicht selbst da war.


    Und zweitens: Der Vermieter hat es dann selbst bestätigt gegenüber der Nachmieterin. Zitat: "Der Vermieter war vor Ort und es sei alles in Ordnung."


    Drittens ist noch dahingestellt, ob der Fragesteller überhaupt dafür aufkommen muss, da der Vermieter möglicherweise eine Frist zur Nachbesserung hätte geben müssen, was er offenbar nicht getan hat.

    Meine Antworten zeigen lediglich meine persönliche Meinung, wie ich eine Sache auf Basis der gegebenen Informationen einschätzen würde. Rechtssicherheit hingegen kann nur ein Anwalt geben.

  • Aber erstens, es steht dem Vermieter frei, eine Vertretung zur Übergabe zu schicken und er hat die Nachmieterin damt beauftragt. Diese hat nichts bemängelt. Das muss gelten, wenn der Vermieter nicht selbst da war.

    Es steht jedem frei zu einer Übergabe zu kommen oder es zu lassen, das ändert doch aber grundsätzlich nichts an der Haftung des Vormieters für von ihm verschuldete Mängel, falls es sie gibt. Auch nicht ein OK vom Nachmieter oder vom Weihnachtsmann.


    Und zweitens: Der Vermieter hat es dann selbst bestätigt gegenüber der Nachmieterin. Zitat: "Der Vermieter war vor Ort und es sei alles in Ordnung."

    Ja, auf Aussagen aus dritter Hand von jemandem der eher dem Vermieter als dem Vormieter verpflichtet ist, sollte man natürlich bauen.;)


    Drittens ist noch dahingestellt, ob der Fragesteller überhaupt dafür aufkommen muss, da der Vermieter möglicherweise eine Frist zur Nachbesserung hätte geben müssen, was er offenbar nicht getan hat.

    Es geht hier aber, wenn überhaupt, um Beschädigungen an der Mietsache und nicht um Schönheitsreparaturen. Da bedarf es keinen Fristen.

  • Hallo,

    Vielen Dank für eure Antworten.


    Also bei der Übergabe an die Nachmieterin wurden die stellen, die von mir ausgebessert wurden, festgehalten. Die Nachmieterin hat diese dann an den Vermieter weiter gegeben.

    Da ich die Nachmieterin kenne, glaube ich ihr, wenn sie sagt, dass der Vermieter alles für in Ordnung gehalten hat.


    Vielleicht muss ich jetzt auch eher fragen, in wie weit ich die Stellen noch weiter nachbessern muss bzw. kann, da das Zimmer ja schon wieder bezogen ist.


    Ich habe die Fotos als PDF angehangt.


    PDF doppelt und einmal gelöscht

    Grace

  • Da ich die Nachmieterin kenne, glaube ich ihr, wenn sie sagt, dass der Vermieter alles für in Ordnung gehalten hat.

    Ähm, sehr schön. Was genau ändert das? Der Schaden ist doch offensichtlich, denke ich.

    Vielleicht muss ich jetzt auch eher fragen, in wie weit ich die Stellen noch weiter nachbessern muss bzw. kann, da das Zimmer ja schon wieder bezogen ist.

    Eigentlich kann es nur um eine finanzielle Entschädigung des Vermieters für den Schaden gehen.



    Grundsätzlich, da es nun plötzlich Bilder bei Rückgabe der Wohnung der Beschädigung gibt, würde ich tendenziell eher dazu raten mich mit dem Vermieter gütlich zu einigen. Natürlich kann man jetzt verstärkt in juristische Details abtauchen, z.Bsp. die Frage stellen, ist das noch normale Abnutzung oder schon eine Beschädigung, aber sobald das eine Anwalt oder gar ein Richter in die Finger kriegt könnten einem 250€ dafür noch als eher geschenkt vorkommen.

  • Hallo AJ1900,


    für mich sind die Stellen noch vergleichbar mit Bohrlöchern, die dicht gemacht werden müssen. Daher habe ich diese ja auch neu verspachtelt und gestrichen.

    Ich kann mur nur vorstellen, dass der Vermieter jetzt noch darauf bestehen könnte, dass ich die Wände komplett streiche. Dies könnte ich selbst machen und käme mich günstiger als 250€.

    Nur kann der Vermieter dies jetzt noch von mir verlangen, da er sich offensichtlich zum Umzugszeitpunkt nicht gekümmert hat?

  • Die Frage ist insgesamt nicht ganz leicht zu beantworten.


    Aber es steht fest, das er nicht pauschal 250€ verlangen kann, sondern den Schaden genau beziffern muss.


    Jetzt stellt sich als nächstes die Frage, ob die Stellen eine Beschädigung darstellen oder noch eine Abnutzung sind und im Wege der Schönheitsreparaturen verlangt werden könnten. Beim ersten könnte er sofort Geld verlangen, beim zweiten müsstest du wirksam zur Renovierung verpflichtet worden sein und es müsste nochmals eine Frist gesetzt werden. Das bereits der Nachmieter eingezogen ist, schadet grundsätzlich nicht. Die Beweisbarkeit sollte kein Problem sein wegen den Bildern.


    Zusätzlich stellt sich die Frage, ob der Vermieter auf seine Rechte verzichtet hat. Das würde ich verneinen. Der Nachmieter hatte eine sogenannte Empfangszuständigkeit, aber keine Vertretung in diesem Sinne, um wirksam auf Rechte für den Vermieter verzichten zu können und selbst wenn, lässt sich das kaum beweisen. Auch das der Vermieter zum Nachmieter meinte es wäre alles ok, schließt deine Verpflichtungen nicht aus in meinen Augen. Kann man auch so interpretieren, das es gut ist, das der Nachmieter jetzt einziehen könnte und nicht das er als Bote fungieren soll für einen Verzicht auf die Rechte vom Vermieter.


    Du bist in einer sowieso schwierigen Situation, du willst Geld haben, du musst aktiv werden. Wenn du eine Rechtsschutzversicherung hast, hol dir eine Deckungszusage und versuche dein Glück, ist für dich nicht weiter problematisch dann. Wobei man hier eine Selbstbeteiligung eventuell in Kauf nehmen müsste.


    Hast du keine Versicherung, ist es problematisch, weil das ganze dann mit hohen Kosten verbunden sein könnte im Falle einer Niederlage oder bereits in einer Teilniederlage. Selbst wenn du 70% zugesprochen bekommst, müsstest du 30% der Kosten tragen und die würden beim Streitwert von 250€ ungefähr 141€ betragen. Loht sich also nicht.


    Eventuell versuchen mit einem Mietverein aktiv werden.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • für mich sind die Stellen noch vergleichbar mit Bohrlöchern, die dicht gemacht werden müssen. Daher habe ich diese ja auch neu verspachtelt und gestrichen.

    Wenn du aber schon anfängst zu reparieren, und sorry, aber Handtellergroße stellen mitten auf der Wand haben mit Bohrlöchern wenig zu tun, dann hat das auch in fachlich korrekter Art und Güte zu geschehen.

    Möglicher weise wäre das vor deinem Reparaturversuch ja sogar noch unter Schönheitsreparaturen gefallen, schwer zu sagen.

    Ich kann mur nur vorstellen, dass der Vermieter jetzt noch darauf bestehen könnte, dass ich die Wände komplett streiche. Dies könnte ich selbst machen und käme mich günstiger als 250€.

    Nö, tut er ja auch nicht. Er verlangt Schadenersatz für die Beschädigungen. Das du das günstiger selber machen könntest ist schon klar, und das hättest du bis zum Zeitpunkt deines Auszuges ja auch machen können. Hinterher geht es bei Beschädigungen eben nur noch um Geld, und da sind 250€ wenn das eine Firma macht sicher nicht zuviel. Das es vieleicht osteuropäische Schwarzarbeiter gibt die das für die hälfte machen, kann man eben schwer vor Gericht anbringen.;)


    Nur kann der Vermieter dies jetzt noch von mir verlangen, da er sich offensichtlich zum Umzugszeitpunkt nicht gekümmert hat?

    Für Beschädigungen die du verursacht hast haftest du aber nun mal. Egal ob die Wohung inzwischen schon drei mal Vermietet, verkauft oder schon abgbrannt ist. Entscheidend ist der Nachweis, und der dürfte hier recht unstrittig sein.

    Übringens gibt es gar keine Verpflichtung zur Wohnungsabnahme durch den Vermieter. Lediglich der Mieter ist verpflichtet den Schlüssel pünktlich zu übergeben. Alles andere ist Legende.



    Ich würde auch dazu raten das zu so machen wie darkshadow es vorschlägt, nämlich erst mal eine genau Abrechnung für die Beschädigung einfordern, und im Zweifel dann eben zum Mieterverein.

  • Für Beschädigungen die du verursacht hast haftest du aber nun mal. Egal ob die Wohung inzwischen schon drei mal Vermietet, verkauft oder schon abgbrannt ist. Entscheidend ist der Nachweis, und der dürfte hier recht unstrittig sein.

    Ganz so stimmt das nun nicht. Gerade wenn die Sache komplett zerstört ist, würde die Geltendmachung eine unzulässige Rechtsausübung darstellen. Auch gibt es Urteile, in dem Beschädigungen nicht beglichen werden mussten, weil der Vermieter eben eine Sanierung so oder so durchführen wollte. Es gibt da also schon Ausnahmen. Wenn gleich ich nicht glaube, das diese hier zutreffend sind. Aber wir wollen doch nicht über das Ziel hinausschießen ;)

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.