Versicherung wurde gekündigt - neue fast doppelt so teuer

  • Liebe Mitglieder,


    mein Partner und ich wohnen in einem 6- Parteien-Haus zur Miete. Heute lag im Briefkasten eine Kopie von der e-Mail des Hausverwalters, die an die Eigentümer gerichtet war. Unser Vermieter (einer der Eigentümer) legte uns die Kopie in den Kasten, um uns mit diesem Dokument darüber zu informieren, dass wir einen Differenzbetrag zu zahlen haben. Der Hausverwalter hatte den Eigentümern geschrieben, dass sich eine Kündigungsbestätigung für die Wohngebäude- u. Haftpflichtversicherung im Anhang befinde. Ebenfalls im Anhang befindend, wären die Versicherungsscheine von der neuen Versicherungsgesellschaft. Die neue Versicherung ist jedoch teurer, sodass die Differenz innerhalb von 2 Wochen beglichen werden muss. Diese Kosten wurden vom Vermieter auf uns umgelegt, denn sonst hätte er die Kopie der E-Mail nicht bei uns in den Briefkasten geschmissen. Hierzu muss man wissen, dass der Vermieter und der Hausverwalter uns ständig "formlose" Zahlungsaufträge zustellen, worüber wir uns schon mehrmals erfolglos beschwert haben.

    Jetzt kommt der Clou: Wir wussten nicht, dass die alte Versicherung gekündigt werden sollte! Wir wurden weder schriftlich noch mündlich darüber informiert! Somit wissen wir auch nicht, warum eine neue Versicherung abgeschlossen wurde, bei der die Beitragszahlung um 86,35 % gestiegen ist! Mein Partner und ich müssen die Differenz von 120 € zahlen. Die Police, die sich wohl im E-Mail-Anhang befand, wurde nicht als Kopie an uns ausgehändigt! Es wurde wieder Mal kein Schriftstück aufgesetzt, die A) an uns gerichtet ist und B) über die Sachlage und die Beitragsforderung aufklärt. Mein Partner und ich versuchen nun, unseren Vermieter telefonisch zu erreichen, um um Aufklärung und die Police zu bitten. Wir sind nicht bereit, eine solche Kostenerhöhung zu tragen, wenn es dafür keinen triftigen Grund gab.

    Meine Fragen sind:

    - Können die Eigentümer einfach eine neue Versicherung abschließen, ohne uns vorab zu informieren? Zumal wir Mieter ja die Zahlenden sind.

    - Haben wir das Recht, die Zahlung zu verweigern, eben auf der Grundlage, dass man uns nicht informiert hatte ?

    - Müssen wir bei einer Erhöhung um 86, 35 % überhaupt die Differenz bezahlen oder sind das unangemessene Nebenkostenerhöhungen, die der Eigentümer zu tragen hat?

    - Sollte man in den Mieterschutzbund eintreten ?


    Vielen Dank im Voraus für Eure Antworten

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  • Können die Eigentümer einfach eine neue Versicherung abschließen, ohne uns vorab zu informieren? Zumal wir Mieter ja die Zahlenden sind.

    Ja. Der Eigentümer, also dein Vermieter, muss euch darüber nicht vorab informieren oder um Erlaubnis fragen. Die Auswahl der Versicherung obliegt dem Vermieter, bzw. hier der Eigentümergemeinschaft. Es gibt zwar noch ein Gebot der Wirtschaftlichkeit. Aber es ist erst mal nicht zu vermuten, dass dieses mißachtet wurde, denn die Versicherungsbeiträge sind allgemein gestiegen. Daher ist die erhöhung plausibel.

    Haben wir das Recht, die Zahlung zu verweigern, eben auf der Grundlage, dass man uns nicht informiert hatte ?

    Wie oben schon gesagt, der Vermieter muss nicht informieren. Aber sofern die Zahlung der Betriebskosten im Vertrag vereinbart ist, dann dürfen die Kosten auf euch umgelegt werden. Jedoch nicht während dem Jahr, sondern in einer Jahresabrechnung.

    Müssen wir bei einer Erhöhung um 86, 35 % überhaupt die Differenz bezahlen oder sind das unangemessene Nebenkostenerhöhungen, die der Eigentümer zu tragen hat?

    Allgemein gesagt ja. Aber mit der Prüfung der Vericherungspolice ist es jetzt zu früh. Die Abrechnung mit euch erfolgt mit der jährlichen Nebenkostenabrechnung, nicht jetzt. Und dann habt ihr auch das Recht, die Belege einzusehen.

    Die neue Versicherung ist jedoch teurer, sodass die Differenz innerhalb von 2 Wochen beglichen werden muss.

    Dann muss das die Eigentümergemeinschaft tun. Das betrifft euch als Mieter nicht sofort, sondern erst später bei der Nebenkostenabrechnung.

    Hierzu muss man wissen, dass der Vermieter und der Hausverwalter uns ständig "formlose" Zahlungsaufträge zustellen, worüber wir uns schon mehrmals erfolglos beschwert haben.

    Du darfst hier im Forum gern jede einzelne Aufforderung benennen, sodass wir etwas dazu sagen können. Man kann von euch nur das verlangen, was im Sinne des Gesetzgebers zulässig ist. Ihr seid Mieter, keine Eigentümer. Das vergisst euer Vermieter offenbar oft.



    Ich möchte den wichtigsten Punkt nochmal heraus stellen:

    Der Vermieter darf die Betriebskosten umlegen (sofern im Vertrag so vereinbart), und das in der Höhe, wie sie ihm entstanden sind. Aber er darf nicht während dem Abrechnungsjahr Sonderzahlungen von euch verlangen. Denn im Vertrag ist die Vorauszahlung für die Nebenkosten vereinbart, und dies hat zu gelten.

    Ihr dürft also den Vermieter darum bitten, die Kosten in der jährlichen Nebenkostenabrechnung aufzunehmen. Denn erst dann ist es für euch überhaupt überprüfbar, ob der Betrag korrekt ist. Das Gesetz macht nämlich auch Vorschriften, nach welchem Verteilerschlüssel die Kosten auf alle Bewohner zu verteilen sind. Das könnt ihr bei so einer Sonderzahlung nicht überprüfen.

  • Vielen Dank für eure Antworten. Was ich hätte erwähnen soll, ist, dass wir keine Nebenkostenabrechnung erhalten und auch keine Betriebskostenpauschale zahlen. Alle Rechnungen werden direkt von den Unternehmen mittels eines SEPA- Lastschriftmandates von unserem Konto abgebucht. Nur bei der Gebäudeversicherung, Abwasserrechnung und Hausstromrechnung ( für Gemeinschaftsräume) bekommen wir eine Rechnung vom jeweiligen Unternehmen, welche an den Hausverwalter adressiert ist und im weiteren Verlauf durch ihn an uns weitergeleitet wird. Paragraph 560 Abs. 2 Satz 1 BGB sieht vor, dass der neue Abschlagsbetrag mit Beginn des übernächsten Monats erstmals zu zahlen ist, der auf die schriftliche Erklärung folgt.

  • Alle Rechnungen werden direkt von den Unternehmen mittels eines SEPA- Lastschriftmandates von unserem Konto abgebucht.

    Das ist für einen Mieter aber überhaupt nicht im Sinne des Gesetzgebers. Reparaturen gehen immer zulasten des Vermieters. Er bekommt ja die Grundmiete, um davon Reparaturen zu zahlen.

    Und für die Nebenkosten sieht das Gesetz entweder eine Pauschale vor, oder eine Vorauszahlung mit jährlicher Abrechnung.

    Warum duldet ihr ds so? Ist es individuell vereinbart oder wisst ihr nicht, dass es vom Gesetz anders vorgesehen ist?


    Welche Rechnungen, also für was, werden euch da so abgebucht? Wurdest du bitte mal ein paar Beispiele aufführen?


    Für eine Erhöhung der Betriebskostenpauschale ist es erst mal erforderlich, dass eine solche im Mietvertrag vereinbart ist. Darf ich dich daher bitten, den Teil des Vertrags mit den Betriebskosten hier im Forum mal anonymisiert und im PDF Format hochzuladen? Das wäre erst mal die Grundlage, dass wir mit der Klärung weiter kommen.

  • Alte Gebäudeversicherungen werden gelegentlich von den Versicherungsgesellschaften gekündigt, entweder weil zu viele Schäden vorlagen oder

    die Versicherungsgesellschaft mit einem sog. "Sanierungs-Angebot" die Umstellung auf die aktuellen (teureren) Tarife fordert.


    Gebäudeeigentümer kündigen gelegentlich Ihre alten Verträge, weil neuere Tarife teils erheblich besseren Vers.-Umfang bieten, also Leistungen

    beinhalten, die sie sonst selbst bezahlen müssten. Und da der Beitrag eh auf die Mieter umgelegt wird, kann man sich auch "Luxus- / Premium-

    Tarife" leisten ;-)

    Sind es keine wirklich alten Verträge (ca. + 10 ... Jahre), dann kann bei ähnlichen Vertragsleistungen auch ein Beitragsunterschied zwischen den

    diveresen Anbietern von Gebäude- und Haftpflichtvers. (inkl. "Lock-Rabatte" für Neukunden mit schadenfreien Verträgen) der Grund sein.

  • Ein Beispiel! Ein Hauseigentümer hat mit seiner Gebäudeversicherung einen Wasserschaden

    inkludiert. Es gibt nun einen Wasserschaden den die Versicherung übernimmt, es stellt sich allerdings heraus, dass der Wasserschaden aufgrund maroder Rohrleitungen entstand wovon der VM wusste, dies wegen der hohen Kosten aber ignorierte.

    Die Versicherung erhöht die Prämie entsprechend, und in diesem Fall müssten die Mieter den Erhöhungsbetrag nicht mit den NK bezahlen. So meine Kenntnis.