Wie lange ist die Nebenkostenabrechung rückwirkend einforderbar?

  • Ich habe von meinem Vermieter bisher (Stand Februar 2019) immer noch keine Nebenkostenabrechnung für das Jahr 2017 erhalten. Soweit ich weiß, darf er mir damit nun keine Nachzahlungsforderungen für das Jahr 2017 stellen, doch sollte sich ein Guthaben ergeben, kann ich das durchaus noch einfordern.


    Doch: Wie lange kann ich das machen? Wie lange kann ich noch Forderungen aus einer Nebenkostenabrechnung geltend machen? Verjährt mein Anspruch irgendwann oder kann mein Vermieter sich irgendwann darauf berufen, dass ich ja nie eine Nebenkostenabrechnung eingefordert habe?


    Ich habe nämlich den Verdacht, dass die Nebenkostenabrechnung deswegen nicht erstellt wird, da sie völlig falsch wäre und wir Mieter viel zu hohe Nebenkosten zahlen.

  • Doch: Wie lange kann ich das machen? Wie lange kann ich noch Forderungen aus einer Nebenkostenabrechnung geltend machen? Verjährt mein Anspruch irgendwann

    Deinr Forderungen verjähren nach 3 Jahren, d.h. am 31.12.2020. Eine Abrechnung der Betriebskosten muss vom Mieter nicht gefordert werden, dieser Anspruch besteht per Gesetz. Siehe § 556 BGB.

  • Wie lange kann ich das machen?

    Es gilt die allgemeine Verjährungsfrist von 3 Jahren.


    In Bezug auf 2017 hat der Vermieter Zeit bis Ende 2018 Zeit eine Nebenkostenabrechnung zu erstellen. Damit beginnt dein Anspruch auf Erstellung einer Abrechnung erst am 01.01.2019. Die Verjährung beginnt erst mit dem Ende des Jahres in dem der Anspruch entstanden ist, hier also am 01.01.2020 und endet am 31.12.2022.


    So etwa AG Schöneberg - Verjährung Nachforderungen Nebenkostenabrechnungen

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • Ergänzend zu der Antwort von darkshadow möchte ich noch etwas anführen. Man kann den Vermieter natürlich gerichtlich zur Erstellung der Nebenkostenabrechnung zwingen. Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit. Man setzt dem Vermieter eine letzte Frist, die Abrechnung zu erstellen und zuzustellen und kündigt dabei an, die Vorauszahlung für die Nebenkosten bei Verstreichen der Frist zurück zu halten. Das tut man dann auch, man bzahlt nur noch die Grundmiete. In der Praxis ist es nämlich ein viel größeres Druckmittel, wenn es dem Vermieter ans Geld geht. Meistens reagiert er dann auch, da er die Vorauszahlung weiterhin bekommen möchte.

  • Ich fürchte dass mir mein Vermieter den Mietvertrag sofort kündigen würde, wenn ich die Vorauszahlung für die Nebenkostenabrechnung zurückhalten würde. Der ist dafür bekannt, dass er sofort mit Anwälten kommt und Mieter "rauswirft" wenn sie Mietminderung oder ähnliches verlangen oder gar durchführen. Und gegen die Anwälte kann man sich nur teuer wehren - das kostet meist mehr als es bringt.

  • Ich fürchte dass mir mein Vermieter den Mietvertrag sofort kündigen würde, wenn ich die Vorauszahlung für die Nebenkostenabrechnung zurückhalten würde.

    Damit wird er aber nach meiner Ansicht und auf Basis der hier gegebenen Informationen nicht durch kommen. Der Vermieter hat seine Pflichten zu erfüllen, und daran ändert sich auch nichts, wenn er gute Anwälte hat.


    Ja anstatt der Zurückhaltung kannst du auch auf Erstellung der Abrechnungen klagen. Doch ob das weniger Stress verursacht sei dahingestellt. Ich habe meine Zweifel nachdem was du schreibst.


    Nach Ende der Mietzeit kann man normalerweise auch noch die Vorauszahlung zurück fordern. Aber das wird in deinem Fall nicht gelingen. Denn das Gericht billigt die Rückerstattung nur zu, soweit man keine Möglichkeit hatte, vom Zurückhaltungsrecht Gebrauch zu machen. Du würdest dann am Ende mit Nichts dastehen. Das solltest du auch wissen, wenn du dir überlegst, was du tun möchtest.


    Wahrscheinlich solltest du die Beratung von einem Anwalt in Anspruch nehmen, da der Vermieter auch schnell mit Anwälten zur Stelle ist. Einen Streit kann man nur mit gleichwertigen Waffen gewinnen.

  • Wenn Du auf der sicheren Seite bist kannst Du ebenfalls einen Anwalt beauftragen, die Kosten hierfür zahlt der Vermieter. Wofür Dein Vermieter bekannt ist spielt keine Rolle.

    Wenn Du im Recht bist kannst Du das auch gerichtlich durchsetzen.

  • Seine Strategie ziehlt immer darauf ab, einen Rechtsstreit in die Länge zu ziehen, so dass die Kosten permanent steigen und der Mieter sich das irgendwann nicht mehr leisten kann da mitzuhalten. Damit fährt er auch recht erfolgreich.


    In mindestens einem Fall hat er sogar seinen eigenen Anwalt durch einen anderen Anwalt verklagen lassen, weil der Erste den Prozess nicht gewonnen hat und/oder ihn nicht in seinem Sinne beraten hat. Der Typ ist irgendwie ein Bisschen irre.

  • Der Typ ist irgendwie ein Bisschen irre.

    Der Typ ist nicht irre, vielmehr sehr gerissen. Hier bedarf es einen guten Gegenanwalt, Fachanwalt. Wenn Du im Recht bist kann auch ein irrer Vermieter nicht viel ausrichten.

  • Ich fürchte dass mir mein Vermieter den Mietvertrag sofort kündigen würde, wenn ich die Vorauszahlung für die Nebenkostenabrechnung zurückhalten würde. Der ist dafür bekannt, dass er sofort mit Anwälten kommt und Mieter "rauswirft" wenn sie Mietminderung oder ähnliches verlangen oder gar durchführen. Und gegen die Anwälte kann man sich nur teuer wehren - das kostet meist mehr als es bringt.


    Mit welchem Grund soll der Vermieter kündigen können? Ist es ein Zweifamilienhaus, in dem nur du und der Vermieter wohnen? Ansonsten hat er kaum Möglichkeiten, einen unliebsamen Mieter loszuwerden. Er kann zwar kündigen (also den Brief einwerfen), aber wenn du nicht ausziehst, kann er nur Räumungsklage einreichen und dann wird die Kündigung geprüft. Liegt kein gültiger Grund vor, dann kann dir nichts passieren, egal wie gerissen, selbstherrlich oder sonst was der Vermieter ist. Es kostet halt nur viele Nerven und auch vermutlich erst mal Geld.

  • Ich finde man übergeht hier etwas zu schnell die Sorgen des TS. Mag ja sein, dass es keine erleichterte Kündigung oder eine Kündigung wegen den Nebenkosten gerechtfertigt ist.


    Jedoch verstehe ich die Aussagen so, dass der Vermieter schon seine Gründe findet, im Zweifel eventuell auch vorgetäuschter Eigenbedarf. Das belastet natürlich dann einen Mieter, welcher Prozessen, Kündigungen und Anwälten ausgesetzt ist, unabhängig von der Wirksamkeit der Kündigung.


    Man sollte sich selbst die Frage stellen, ob man unter diesen Umständen noch in dieser Wohnung wohnen möchte. Denn diese Unsicherheiten können ein angenehmes Wohnen stören.

    In mindestens einem Fall hat er sogar seinen eigenen Anwalt durch einen anderen Anwalt verklagen lassen, weil der Erste den Prozess nicht gewonnen hat und/oder ihn nicht in seinem Sinne beraten hat. Der Typ ist irgendwie ein Bisschen irre.

    Wobei das kein Problem ist oder auch Realität. Anwälte machen auch Fehler und die können sehr teuer werden, darum müssen sie sich auch entsprechend versichern lassen.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • Aber angenehmes Wohnen ist es ja trotzdem nicht, wenn man Angst hat, seine Rechte einzufordern. Oder sich den Schikanen schutzlos ausgeliefert fühlt, um keine Kündigung zu riskieren. Ich kenne diese Situation durchaus selbst, incl. vorgetäuschtem Eigenbedarf, Räumungsklage usw. Deshalb ziehe ich auch nicht mehr freiwillig in eine Mietwohnung.