Neuer Vermieter - Keine WG mehr erlaubt

  • Hallo zusammen,


    ich habe eine mietrechtliche frage. Ich wohne zur Zeit in einer WG. Wir sind insgesamt zu dritt. In der Wohnung existieren seit 15-20 Jahren bereits WGs. Es existiert ein Mietvertrag, laut dem wir als Gesamtschuldner haften. Dieser Mietvertrag wurde seinerzeit von allen drei Mietern unterschrieben. Bei Änderungen der Mieterkonstellation wurde stets eine "Änderung zum Mietvertrag" aufgesetzt. Dadurch wurde der ausziehende Mieter von allen Rechten und Pflichten aus dem Mietvertrag entlassen und der neue Mitbewohner trat in alle Rechte und Pflichten ein.


    Seit September 2018 gibt es durch einen Eigentümerwechsel einen neuen Vermieter. Dieser entschied im Februar spontan, dass er in Zukunft keine WGs mehr in der Wohnung haben möchte, sondern wartet bis die jetzige sich aufgelöst hat, da er im Anschluss eine Kernsanierung der Wohnung durchführen möchte.


    Ende Januar 2019 hat ein Mitbewohner die Wohnung zum 30.04.2019 gekündigt. Anfang Februar meldete sich der Vermieter bei mir, dass wir keinen Nachmieter suchen sollen. Wir sollen das Zimmer für uns nutzen und die entsprechende Miete überweisen. Jedoch haben wir absolut keine Verwendung für den Raum und fühlen uns etwas hintergangen, da diese Ankündigung "aus dem Nichts" kam.


    Uns stellt sich die Frage, ob das Verhalten des Vermieters in Ordnung ist. Laut Mietvertrag ist jegliche Untervermietung untersagt bzw. bedarf der Einwilligung des Vermieters. Dies spricht dafür, dass er dies so umsetzten darf. Jedoch gab es, seit die WG besteht, stets die Vereinbarung, dass die WG sich um einen Nachmieter kümmert. Hierüber existieren auch E-Mail zwischen dem "alten" Vermieter sowie den damaligen Mitbewohnern. Darf der neue Vermieter eine solche Vereinbarung einfach so abändern?


    Auszüge Mietvertrag:


    - Nebenabreden, Änderungen und Ergänzungen des Mietvertrages sollen aus Beweisgründen schriftlich vereinbart werden. Erklärungen können auch in Textform erfolgen, d.h. auch ohne Unterschrift


    - Ohne Erlaubnis des Vermieters ist der Mieter weder zur Untervermietung noch zu einer sonstigen selbständigen Gebrauchsüberlassung der Mieträume an Dritte, ausgenommen besuchsweise sich aufhaltende Personen, berechtigt.


    Vorab vielen Dank für eure Hilfe!


    Grüße

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  • Ich denke, da habt Ihr wenig Chancen. Hier handelt es sich ja nicht einmal um eine Untervermietung, da alle WG-Bewohner Hauptmieter sind.


    Theoretisch könnte der Vermieter auch jetzt schon der Kündigung des Mitbewohners widersprechen, da Mietverträge nur gemeinschaftlich durch alle Hauptmieter gekündigt werden können. Folglich müsstet Ihr dann schon zum 30.04.19 raus.

    Darf der neue Vermieter eine solche Vereinbarung einfach so abändern?

    Es handelt sich hier doch nicht wirklich um eine schriftliche Vereinbarung, oder? Wenn ich das richtig verstehe, gibt es hier nur diversen Mailverkehr zwischen den Mietern und dem damaligen Eigentümer.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Ich würde deine Chancen ein wenig anders einschätzen. Leipziger82 hat natürlich Recht damit, das es bisher keine Untervermietung im diesem Sinne gab. Jedoch wäre der Weg für eine neue Untervermietung frei nach § 553 BGB, zumindest nach meiner Meinung.


    Das berechtigte Interesse liegt in der Finanzierung. Auch ist das Interesse nachträglich entstanden, nämlich durch die Praxisänderung durch den neuen Vermieter. Auch kann man das nicht ausschließen.


    Daher solltet ihr nach einen Nachmieter suchen (keinen Mietvertrag mit ihn abschließen!) und dann um schriftliche Erlaubnis bitten, wo auch der Nachmieter benannt wird. Sollte er die Erlaubnis verweiger, so könnt ihr auf die Erlaubnis klagen oder Schadensersatz geltend machen. Außer der Vermieter hat einen wichtigen Grund für die Versagung. In meinen Augen gehört eine geplante Kernsanierung nicht dazu.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • Da gebe ich darkshadow grundsätzlich recht. Der Anspruch zur Untervermietung ist sicher vorhanden und lässt sich bestimmt auch durchsetzen. Da habe ich zu kurz gedacht.


    Es gibt hier allerdings noch ein großes "aber", das man auf dem Schirm halten sollte. Sobald sich der nächste Bewohner dazu entscheidet, die WG zu verlassen, besteht hiernach die Gefahr, dass sich der Vermieter auf die Hinterbeine stellt und eine Vertragsentlassung einer einzelnen Person aus der WG untersagt.

    Das wäre dann ggfs. das Ende der gesamten WG.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.