Balkon unbenutzbar - Mietminderung?

  • Hallo liebes Forum,


    Ich bin ganz neu hier, weil ich ein kleines Problem mit unserem Vermieter habe. Die Mängel sind jetzt nicht so gravierend, wie in anderen Fällen hier im Forum, allerdings würde mich besonders interessieren, was ihr machen würdet, wenn der Vermieter mündlich zusagt, aber dann nichts passiert.


    Die Vorgeschichte:

    Wir sind im Dezember 2018 in eine neue Wohnung gezogen. Diese hatte an einer Innenwand, die an den Balkon grenzt, Schimmel. Es wurde bei Einzug versprochen, dass dieser entfernt wird. Nach zwei Monaten mehrfachen Nachfragens haben wir den Schimmel dann selber entfernt. Da uns immer wieder versprochen wurde, dass jemand kommt und das macht, haben wir das Zimmer in dieser Zeit nicht genutzt. Darüber hinaus haben wir die Wohnung auch komplett renoviert, da sie im "renovierungsbedürftigen Zustand" übergeben wurde. Ist alles so festgehalten, soweit alles in Ordnung.


    Der Balkon:

    Der Balkon ist in einem ziemlich "ranzigen" Zustand. Dass zwischen den Fugen sehr viel Moos wächst, wurde bei Einzug thematisiert und gesagt, dass es unser Ding sei. Die Bretter an der Wand des Balkons sind ebenfalls ziemlich gammelig; Teilweise lose; offene Nägel. Diese sollten aber laut Vermieter von einem Handwerker "gemacht" werden. Es waren diesbezüglich auch schon zwei Mal Handwerker bei uns und haben sich das angeschaut. Das ist alles schon mehrere Monate her und es passiert leider nichts.


    Darüber hinaus liegen die Betonplatten auf Plastiksandsäcken (wurde wohl damals so gemacht), die mittlerweile natürlich auch völlig vergammelt sind. Da einige dieser Sandsäcke fehlen, kippeln einige der Platten sehr stark. Meine Tochter hat sich darin bereits einmal den Zeh geklemmt.


    Jetzt habe ich vor kurzem begonnen die Balkonplatten zu säubern. Dabei ist mir aufgefallen, dass unter den Balkonplatten extrem viel Matsch ist. Also ich habe dort diverse Tierarten gefunden; u. a. Regenwürmer (wir sind im 5. Stock!) und insgesamt erinnert das ganze eher an ein Feuchtbiotop als an einen Balkon. Kleine Bäume wachsen auch schon aus den Fugen. Ich habe bereits etwa 5 Liter Biomasse entfernt, es ist aber immer noch genügend übrig. Als ich also eine Bahn Betonplatten gereinigt hatte, ist mir aufgefallen, dass das Wasser auch gar nicht abfließen kann, weil das Gefälle nicht vorhanden ist, bzw. Teilweise Richtung Wohnung abschüssig ist und dass Abflussrohr etwas höher liegt. Ich vermute, dass das mit den Jahren einfach ein bisschen abgesackt ist. Unter den Betonplatten ist lediglich Dachpappe eingelegt...


    Der Vermieter:

    Dann habe ich den Vermieter (Sekretärin) telefonisch freundlich darauf hingewiesen, welcher mich zunächst vertröstet hat, weil alle Verantwortlichen krank sind (die Verantwortlichen sind sehr oft krank...). Nach mehreren Anrufen aber dann die Aussage, dass das "gemacht" werden soll und sich die Handwerker bei uns melden. Und wieder passiert nichts...


    Ich frage mich jetzt, wie ich mit diesem Vermieter jetzt weiter umgehen soll. Kleine Zusatzinfo dazu: Es handelt sich wohl um eine "Privatperson", die so etwa 1000 Mietwohnungen in Deutschland besitzt. Soll heißen, man bekommt immer nur die Sekretärin zu sprechen, und zu sehen bekommt man überhaupt niemanden.


    So, und ab hier wäre ich sehr dankbar für eine Einschätzung. Ich würde jetzt ein Schreiben aufsetzten (exemplarische Kurzform):


    Sehr geehrte "Privatperson",


    Wie von ihnen am 01.01.20XX mündlich bestätigt, haben sie der Beseitigung folgender Mängel, welche wir hiermit schriftlich anzueigen, zugestimmt:

    - Sanierung des Balkons; darunter Erneuerung des Bodenbelages und Wiederherstellung des Gefälles zur Sicherstellung des Wasserablaufes und Sicherstellung der Trittsicherheit / Begehbarkeit sowie Erneuerung der Innenfassade (Holzverkleidung) der Balkonwände.


    Sollten sie dem nicht zustimmen, bitten wir Sie schriftlich zu widersprechen, ansonsten stimmen sie dem zu.


    Darüber hinaus setzten wir ihnen hiermit eine Frist bis zum Ende des Folgemonats alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Bauarbeiten zu beginnen und uns davon in Kenntnis zu setzten.


    Da der Balkon im jetzigen Zustand eine gesundheitliche Gefährdung darstellt, ist er als unbenutzbar zu bezeichnen, daher würden wir bei nicht einhalten der Frist eine Mietminderung von 5 % veranschlagen.


    Als Entgegenkommen unsererseits wären wir bereit, die Kosten für einen neuen, von uns gewählten Bodenbelag zu tragen.


    Hochachtungsvoll (Scherz!) "Die Mieter"


    So in etwa würde ich das jetzt schreiben, bin mir aber ziemlich unsicher, ob ich das so machen kann. Wie ist eure Einschätzung dazu?


    Vielen Dank im Voraus und mit freundlichen Grüßen,

    Pele

  • Wie ist eure Einschätzung dazu?

    Das mündliche Zusagen realtiv wenig wert sind.

    Im Prinzip läuft es wohl darauf hinaus, das das was ein Gefahrenpotential darstellt (Nägel, kippende Platten usw.) schon vom Vermieter zu beseitigen sein sollten, wäre meine Meinung.

    Eine wie auch immer geartete Sanierung kannst du wohl eher nicht fordern.

    Wenn es dir ernst ist solltest du auch mindestens mal sachkundigen Rat einholen. Dein Schreiben würde ich so nicht abschicken.

  • Sollten sie dem nicht zustimmen, bitten wir Sie schriftlich zu widersprechen, ansonsten stimmen sie dem zu.

    Netter Versuch, aber das wird so nicht funktionieren ;-)


    Ansonsten gebe ich AJ1900 weitestgehend recht, das mündliche Aussagen schwer zu beweisen sind.

    Unabhängig davon liegt hier vermutlich aber dennoch diverse Mängel vor, die bei einer Wohnungsbesichtigung nicht erkennbar waren.


    Was ich machen würde: Wenn der Vermieter untätig ist, würde ich professionelle HIlfe von Mieterverein oder Fachanwalt in Anspruch nehmen. Der weiß, wie ein solches Schreiben formuliert wird und kann auch beim Thema Mietminderung helfen.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Nur mal als Hinweis, man kann niemanden etwas aufzwingen, dadurch das er schweigt. Schweigen bedeutet nichts, besonders keine Zustimmung, außer im Handelsrecht.


    Da jetzt schon mehrere Monate vergangen sind ohne das was passiert ist, sollte hier wirklich ein Jurist hinzugezogen werden. Alleine schon wegen den Beweisproblemen die es bei mündlichen Zusagen gibt. Außerdem reagiert ein Vermieter in der Regel schneller, wenn ein Anwalt involviert ist, wenn er sich vorher Tod gestellt hat. Ich bezweifel sehr stark, dass der Vermieter auf ein Schreiben anders reagieren wird wie auf etliche Telefonate.


    Anwaltlich kann dann auch geklärt werden wie die Beweislage ist und ob man hier eventuell eine Ersatzvornahme annehmen kann, wo die Kosten im Falle von einer Nichtübernahme einfach aufgerechnet werden mit der Miete. Problematisch ist natürlich hier immer das Risiko einer fristlosen Kündigung wegen Mietschulden, falls die Ersatzvornahme aus irgendeinen Grund nicht durchgehen sollte.

    Leipziger : So viel Text von mir und alles umsonst, weil du schneller warst :D

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.