Vermieter akzeptiert Mietminderung nicht mehr. Mieterschutz beitreten lohnenswert?

  • Hallo zusammen,


    ich habe folgendes Problem.

    Die Bank hat das Haus gekauft in dem ich wohne und will es abreißen. Letzte Kündigung von der Bank war zum November 2018, seitdem kam aber nichts mehr weil es sich wohl doch verzögert mit dem Abriss. Wohl auch weil eine andere Partie im Haus hier über 40 Jahre wohnt und sie sie nicht einfach rauswerfen können. Ich selbst bin ca.16 Jahre hier, die erste Frist zu der ich raus sollte war ca. Juni 2018.


    Ich hatte mich mit dem Vermieter geeinigt über die Winterzeit 10% Mietminderung zu machen da ich undichte Fenster und anderes habe, das wurde so auch akzeptiert. Ich setzte die Bank dann über all die anderen Probleme in Kentniss und beschloss die Mietminderung aufgrund folgender Probleme fortzusetzen.


    Gesundheitsgefährdeter Schimmel in der Küche.

    Sprechanlage funktioniert nicht richtig.

    Rollläden funktionieren schlecht, einer garnicht.

    Die Fenster sind undicht, bei einem Doppelfenster fehlt eine Scheibe, ein anderes ist zusammengebohrt und kann nicht von innen gereinigt werden und bei einem läuft bei wirklich starkem Regen sogar Wasser in die Wohnung (egal ob Rolladen zu oder offen ist).

    Die Haustüre unten ist komplett dicht mit einem Holzbrett (Vorfall bei den Nachbarn), da kommt absolut kein Licht rein, ich wohne im 2. Stock, im 1. Stock wohnt niemand mehr, der Strom dort ist abgeschalten und ich habe absolut kein Licht wenn ich nach Hause komme und es dunkel ist.

    Die Wohnung unter mir steht seit Jahren leer, wird dementsprechend auch nicht beheitzt, dadurch wird meine Wohnung noch kälter.

    Einige Steckdosen liegen offen ohne Verkleidung, auch die unter dem undichten Fenster.


    Eine Heizkosten Abrechnung gab es dieses Jahr nicht, die andere Partie im Haus meinte sie haben es vergessen, was unerklärlich scheint aber wahr ist.


    Jetzt habe ich eine Nachricht von der Bank bekommen die folgendes sagt:


    "

    Was den Schimmel
    betrifft komme ich auf das Gespräch mit Herrn "Vorbesitzer des Hauses" und Ihnen zurück.
    Schimmel entsteht entweder durch techn. Baumängel (Kältebrücken) oder durch
    eine falsche Bewirtschaftung der Immobilie.

    Wenn man Ihre Nebenkosten betrachtet kann hier von keiner korrekten Bewirtschaftung sprechen.
    Die Heizkosten sind deutlich zu niedrig. Also in meinen Augen auch Eigenverschulden.
    Sollten Sie anderer Meinung sein, können wir

    gerne ein Gutachten erstellen lassen. Die Kosten trägt dann der Verursacher!


    Da aus unserer
    Sicht kein Grund der Mietkürzung besteht fordern wir Sie nochmals auf für
    den Zeitraum Juni 19 bis heute die 60 € nachzubezahlen.
    "

    60€ sind 10% der Miete.


    Was soll ich jetzt tun?

    Gutachter kommen lassen?

    Mieterbund beitreten für 70€?

    Versuchen ihn mit Argumenten zu überzeugen?

    Einfach bezahlen?


    Ich selbst will hier schnellstmöglich raus, aber leider ist der Markt grauenhaft wie ihr sicher alle wisst ...


    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen,


    Folks07


  • Hallo,


    ich persönlich denke kaum, dass sich ein Gutachter lohnt und viel mehr wird der Mieterbund auch nicht dazu sagen können. Er wird dir die Beweislast bei Schimmel erläutern und einen Brief aufsetzen. Falls du einen Mieterbund beitreten möchtest achte darauf, dass eine Rechtsschutzversicherung inklusive ist und diese auch diesen Streit noch übernimmt.


    Wahrscheinlich wird nur ein Gutachter wirklich klären, was die Ursache ist, ob falsches Verhalten vom Mieter, bauliche Mängel oder eine begünstigung durch undichte Fenster und andere Sachen. Ob sich dies lohnt bei 10€ im Monat, obwohl man bald auszieht ist fraglich.


    Gruß

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • Ich würde dir empfehlen, lieber zu einem Fachanwalt für Mietrecht zu gehen. Denn ich befürchte, dass der Mieterverein in der Summe der Dinge überfordert sein wird. Du zählst einige Dinge auf, von denen mehrere durchaus als Mangel an der Mietsache einzustufen sind. Selbst wenn man den strittigen Punkt der Schimmelbildung mal unbeachtet lässt, kann es eventuell vielleicht möglich sein, dass ein Anwalt in der Summe auf mehr als 10 % Minderung kommen könnte. So gesehen kann sich der Anwalt bezahlt machen.


    Jedenfalls wird es keinen Sinn machen, mit dem Eigentümer in irgend einer Weise zu argumentieren. Egal was du sagst, die werden nichts gelten lassen. Sieh es bitte so realistisch, die haben ihre Anwälte. Es geht für dich darum, abzuklären, was ein Gericht im Streitfall vermutlich zu deinen Gunsten beschließen würde, und das dann durchzuziehen.

    Meine Antworten zeigen lediglich meine persönliche Meinung, wie ich eine Sache auf Basis der gegebenen Informationen einschätzen würde. Rechtssicherheit hingegen kann nur ein Anwalt geben.

  • In meinen Augen ist das einzige, was du evtl. machen könntest, die Ersatvornahme anzudrohen und ggf. umzusetzen, wenn du die finanziellen Mittel hast. Nur das tut dem Vermieter noch weh, denn der wird keinen Cent mehr in die Substanz investieren wollen, wenn er eh nur abreißen will. Ich denke, die Summe, die du minderst, ist ihm relativ egal, der große Leerstand ist eh teuer, es geht eher darum, dir da dein Leben möglichst unschön zu machen, sodass du bald freiwillig das Weite suchst. Je schneller desto billiger für den Vermieter.


    Mit der Nachforderung verfolgt der Vermieter aber möglicherweise auch eine andere Strategie: letztlich wegen Zahlungsrückständen kündigen. Wenn der Vermieter einer Minderung nicht zustimmt, tappst du wegen der Höhe also mehr oder weniger im Dunkeln und wenn du dann aus Sicht eines Richters zu viel gemindert hast, ist die Kündigung wirksam. Deshalb würde ich hier definitiv einen Anwalt kontaktieren, denn tatsächliche Zahlungsrückstände, die am Ende für eine fristlose Kündigung reichen, weil die Summe doch nicht dauerhaft gerechtfertigt ist, willst du in jedem Fall vermeiden.

  • Hi,


    danke für eure Antworten, das hilft mir definitiv.

    Das Problem ist wirklich das es eine Bank ist, die haben sozusagen die Macht und ich nicht die finanziellen Mittel um dagegen zu halten. Denke ich werde jetzt nochmal ein Gespräch aufsuchen und unsere "gemeinsamen Möglichkeiten" durchgehen und dann schauen ob sich ein Anwalt lohnt oder nicht.


    Weiß jemand zufällig wie es mit der Aussage "es wird eh abgerissen, deshalb werden wir nichts tun" steht wenn diese schon vor über 16 Monaten getätigt wurde?

    Früher oder später "müssen" sie ja was machen, oder können die sich das so zurecht legen? Im Endeffekt kann ich ja froh sein das ich noch geduldet werde wenn es nach denen geht -.-

  • Weiß jemand zufällig wie es mit der Aussage "es wird eh abgerissen, deshalb werden wir nichts tun" steht

    Dieser Aussage stehen zwei Überlegungen bzw. Gesetze entgegen, durch die diese Aussage in einem etwas anderen Licht steht.


    Erstens gibt es den §535 BGB, nach dem ein Vermieter die Wohnung in einem vertragsgemäßen Zustand erhalten muss. Sicherlichlich wird man nicht mehr machen als zwingend erforderlich, aber ein gewisses Minimum muss gemacht werden, sodass man die Wohnung als solche auch nutzen kann. Und das kannst du auch einfordern, eventuell brauchst du nur einen Anwalt an deiner Seite.


    Und zweitens muss man dir erst mal wirksam kündigen. Für den Abriss ist §573 Abs.2 Nr. 3 relevant. Aber offenbar hast du noch keine solche Kündigung bekommen. Und solang die nicht gekommen ist, gibt es keinen Anlass auszuziehen.


    Die Bank weiß sicherlich, dass eine solche Kündigung sehr schwierig ist, korrekt umzusetzen, dass sie einer juristischen Überprüfung standhalten würde. Denn die Anforderungen sind dafür hoch. Daher wird man dir das Leben schwer machen in der Hoffnung, dass du selber aufgibst. Es liegt nun an dir, wie lange du dich dagegen stemmen möchtest.

    Meine Antworten zeigen lediglich meine persönliche Meinung, wie ich eine Sache auf Basis der gegebenen Informationen einschätzen würde. Rechtssicherheit hingegen kann nur ein Anwalt geben.