Vermietung ignoriert Beschwerden wegen ständigem Lärm

  • Hallo allerseits,


    ich wohne in einem Wohnhaus mit 1-Zimmer-Apartment und habe jetzt seit Anfang des Jahres eine sehr anstrengende Nachbarin.

    Wenn sie sich in ihrer Wohnung aufhält, ist ein gewisses Ausmaß an störendem Lärm garantiert. Dazu zählt am häufigsten sehr stark hörbares und oftes Trampeln, Schranktürenöffnen und -schließen, Gegenstände auf den Boden klatschen, Möbelverrücken, etc. Oft sind diese Vorkommnisse auch deutlich über den Boden spürbar

    Normalerweise wäre das hinnehmbarer Lärm, der durch die Nutzung der Wohnung bedingt ist, allerdings tritt er in einem nicht zu vertretenen Ausmaß auf, was Häufigkeit und Stärke angeht.

    An die Wand klopfen oder mit der Mieterin zu reden, hat bisher nichts genützt und sie hat mich an die Vermietung verwiesen.

    Auch als ich aufgrund einer extremen nächtlichen Ruhestörung eines Abends die Polizei gerufen habe, haben die Beamten mir geraten haben, mich mit einem Lärmprotokoll an die Vermietung zu richten.


    Daher habe ich über den Zeitraum von 3 Wochen einige Briefe an die Vermietung geschickt, die meine Beschwerden geschildert und ein kontinuierliches, langes Lärmprotokoll beinhaltet haben. Der Wortlaut war dabei sehr sachlich und respektvoll.


    Ich habe auf keine meiner Kontaktversuche eine Antwort erhalten, bin aber davon ausgegangen, dass die Vermietung die Mieterin wenigstens mahnt, sich an die Hausordnung zu halten. Zitat aus der Hausordnung des Mietvertrags: "Der Mieter erkennt die Hausordnung als für ihn verbindlich an. Ein Verstoß gegen die Hausordnung ist ein vertragswidriger Gebrauch des Mietobjekts. Bei schwerwiegenden Fällen oder bei Wiederholung kann der Vermieter das Vertragsverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen."

    und

    "Vermeidbarer Lärm belästigt unnötig alle Hausbewohner. (...) Bei der Ausübung hauswirtschaftlicher und handwerklicher Arbeiten im Haus, Hof oder Garten sind ebenfalls die allgemeinen Ruhezeiten zu beachten."


    Ich habe mich bei meinen Beschwerden auch auf den Punkt "Vermeidbarer Lärm" bezogen und Störungen innerhalb der Ruhezeiten klar gekennzeichnet. Letztendlich habe ich die Kündigung des Mietverhältnisses der Mieterin oder anderenfalls eine Mietminderung gefordert, weil sich der Zustand nie gebessert hat. Auch darauf habe ich keine Antwort erhalten und habe daher meine Miete um 10% gemindert.


    Mitte des Monats erhalte ich dann eine Zahlungserinnerung und bin persönlich zur Vermietung gegangen, mit all meinen zuvor gesendeten E-Mails und Briefen als Ausdruck im Gepäck (für den Fall, dass tatsächlich nichts dort angekommen sein sollte). Dort musste ich dann zu hören kriegen, dass die Vermietung nichts tun kann, solange die Mieterin ihre Miete zahlt und dass ich mich in diesem Fall an die Polizei wenden muss.

    In diesem Moment hatte ich leider vergessen, dass die Polizei selbst mich zu einem früheren Zeitpunkt aber an die Vermietung verwiesen hat. Deshalb habe ich den geminderten Betrag unter Vorbehalt überwiesen.


    Ich habe auch versucht, mit einem Nachbarn der Mieterin zu reden. Dieser hat jedoch kaum Deutsch oder Englisch gesprochen und konnte mir nicht weiterhelfen.


    Die Frage ist jetzt: Was kann ich gegen den dreisten Lärm meiner Nachbarin noch tun?


    In meinen Augen ist die Vermietung inkompetent, weil sie ihre Arbeit auf die Polizei schieben will, obwohl sie nach dem Mietvertrag handeln und gegen die Mieterin vorgehen könnte. Daher würde ich die Mietminderung trotzdem durchziehen und meinen unter Vorbehalt überwiesenen Betrag zurückverlangen, auch wenn das nichts bringen mag.


    Gegen das Ausziehen hätte ich auch keine Einwände, könnte aber erst in ca. einem halben Jahr dazu kommen und bin dabei eigentlich auf einen Nachmieter angewiesen, obwohl ich keinem Menschen diese Wohnsituation mit gutem Gewissen aufbürden kann.


    Ich bin für jede Hilfe dankbar.

  • Hallo,


    das ist sicherlich eine sehr unschöne Situation für dich.

    Und dass die Hausverwaltung nicht unterstützt ist auch wenig erfreulich. Denn es ist tatsächlich so, dass die Hausverwaltung Möglichkeiten hat, einzugreifen. Lärm und sonstige Störungen, die über die üblichen Geräusche des Lebens hinaus gehen, nennt man Störung des Hausfriedens, und das ist für einen Vermieter durchaus ein Grund zur Abmahnung und auch Kündigung.


    Ich würde zunächst mal schauen, ob es noch weitere Bewohner gibt, die sich von der Nachbarin gestört fühlen. Wenn sich mehrere Bewohner über die gleiche Sache beschweren, dann hat das nochmal eine stärkere Bedeutung und man wird eher veranlasst sein, etwas zu unternehmen.


    Außerdem würde ich erneut mit der Hausverwaltung sprechen und erklären, dass der Zustand für dich nicht hinnehmbar ist und die Hausverwaltung sehr wohl in der Pflicht ist, etwas zu machen. Gemäß §535 BGB ist ein Vermieter dafür verantwortlich, dass man die Wohnung vertragsgemäß nutzen kann, und hierzu gehört auch, ungestört zu sein hinsichtlich Belästigungen wie Lärm.


    Sollte das erneute Gespräch nichts bringen, solltest du die Mietminderung eventuell fortsetzen. Das ist ein zulässiges und vom Gesetzgeber gewolltes Mittel, mit dem man als Mieter seinen Rechten Nachdruck verleihen kann. Jedoch empfehle ich dir ausdrücklich, die Höhe der Minderung mit einem Anwalt abzusprechen. Mindert man zu viel, kann man rechtliche Nachteile bekommen bis hin zur Kündigung. Es kann aber auch sein, dass du vielleicht zu wenig minderst.


    Und schließlich gibt es auch die Möglichkeit, dass man direkt gegen einen Nachbarn vorgeht, indem man bei Gericht eine Unterlassung erwirkt. Problem hierbei ist, dass man die Gerichtskosten vorauszahlen muss, und wenn der Beklagte mittellos ist, bleibt man vielleicht erst mal drauf sitzen. Auch diese Möglichkeit solltest du mit einem Anwalt besprechen.