Vermieter will meine Wohnung verkaufen, allerdings bin ich bei der Handhabung nicht sicher, ob sie wirklich korrekt ist.

  • Hallo an alle.

    Ich warne schon mal vor: Dies wird ein sehr langer Text, aber ich möchte einfach meine Geschichte erzählen. Vielleicht gibt es neben mir ja auch andere, die mit einer solchen Situation fertig werden müssen. Ich hoffe, hier auf konstruktive Meinungen und Ratschläge zu stoßen, wie ich mit meiner Situation am besten umgehen kann/soll.

    Meine Wohnung habe ich vor sechs Jahren bezogen. Sowohl die Maklerin als auch der Vormieter waren zunächst sehr freundlich und es deutete alles auf ein künftig für beide Seiten angenehmes Mietverhältnis hin. Der Vormieter beschrieb mir den Vermieter als sehr netten Menschen und auch die Maklerin machte wie gesagt einen sehr freundlichen und unterstützenden Eindruck. Als ich dann einzog, schickte er mir sogar einen Brief, in dem er sich vorstellte und erklärte, ich könnte mich bei Problemen jederzeit an die Hausverwaltung wenden. (Er lebt in Österreich)

    Ungefähr zwei Jahre nach meinem Einzug gab es dann einen Wasserschaden in dem Restaurant, das unter meiner Wohnung im Erdgeschoss betrieben wird. Mein Missgeschick war, dass ich das Wasser hatte in die Spüle laufen lassen und mein Ex-Partner gestaubsaugt hatte. Durch den Lärm des Staubsaugers hatte ich das Wasser nicht mehr gehört und es lief ein paar Minuten lang über. Als die Feuerwehr bei mir klopfte, sah ich dann, dass sich auf dem Küchenboden eine kleine Pfütze gebildet hatte. Von der Größe her ca. einen halben Quadratmeter, jedoch nicht größer. Der Feuerwehrmann sah die Pfütze und traf daraufhin schnell die Schlussfolgerung, dass ich am Wasserschaden im Restaurant schuld bin. Die Feuerwehr verfasste einen Bericht, indem diese Schlussfolgerung mit einfloß.

    Mein Vermieter erhielt auch diesen Feuerwehrbericht und kam nach Nürnberg, um mit mir über den Wasserschaden zu reden. Er kam zusammen mit seiner Ehefrau und der Maklerin. Dabei zeigte sich sein wahrer Charakter. Obwohl die Feuerwehr keine sachverständige Institution ist und über Schäden oder Schadensursachen höchstens vermuten kann, war der Bericht für ihn ein eindeutiger Beweis meiner Schuld und ich sollte ihn deshalb begleichen. Er hatte überhaupt kein Interesse daran, die Angelegenheit weiter zu untersuchen und jeder Versuch von mir, möglichst sachlich zu erklären, dass eine so geringe Wassermenge unmöglich einen solch großen Schaden verursachen kann, stießen nur auf taube Ohren. Man nahm mich überhaupt nicht ernst, geschweige denn, dass man mir wirklich zugehört hat. Er wollte nur wissen, in welcher Höhe ich die Ratenzahlungen leisten könnte. Ich wollte das nicht so stehen lassen und holte mir Informationen von diversen Menschen, die sich mit Wasserschäden usw. auskannten und ließ auch ein Gutachten erstellen, weil ich will wirklich sicher gehen wollte. Der Gutachter kam zu dem Schluss, dass in der kurzen Zeit so viel Wasser nicht runter gelaufen sein kann, nicht mal, wenn es durchgebrochen oder das Gebäude massivst undicht gewesen wäre. Beides war nicht der Fall.

    Schließlich ging die Sache vor Gericht. Mir war klar, dass Recht haben und Recht bekommen nicht dasselbe sind und hatte gehofft, auf einen Richter zu stoßen, der ausreichend Ahnung hatte, um den Sachverhalt nachzuvollziehen. Zunächst hatte ich Glück und der Richter hatte wirklich ein fundiertes Wissen, aber weil er sich im Laufe des Verfahrens versetzen ließ, wurde das Verfahren von einer Richterin übernommen, die neu im Amt war und auch überhaupt keine Ahnung von Mietrecht, Wasserschäden usw. hatte. Offenbar war sie sehr unsicher und ignorierte auch das Gutachten, stattdessen stützte sie sich auf die getroffenen Zeugenaussagen. Mein Anwalt hat gesagt, dass man so eigentlich nicht vorgehen darf, aber auch die vorsitzende Richterin bei der Berufung ging genau so vor. Das Gutachten wurde praktisch ignoriert, was eigentlich nicht zulässig ist. Nur haben Richter eben so gut wie freie Hand. Ich willigte in einen Vergleich ein, den ich jetzt seit ca neun Monaten abzahle.

    Jetzt will mein Vermieter die Wohnung verkaufen, weil sie oder besser gesagt ich, ihm wohl lästig geworden bin und lässt sich dabei von seiner Anwältin vertreten. Ihr Umgangston in den Briefen ist ziemlich.... rabiat, zumindest empfinde ich es so. Aber auch insgesamt finde ich die ganze Handhabung sehr seltsam. Unter anderem deshalb, weil mein Vermieter mir tatsächlich gesagt hat, dass er die Wasserschäden und anderen Probleme in der Wohnung (es gab immer wieder Probleme mit Ungeziefer) gegenüber potentiellen Käufern nicht erwähnen möchte. Darf er so etwas einfach verschweigen? Ich will mich da nicht unrechtmäßig einmischen, aber es interessiert mich wirklich.

    Generell kann ich das Verhalten von der Anwältin und der Maklerin für mich nur als Schikane bezeichnen und zwar aus folgenden Gründen: Man setzt mich massivst unter Druck, um Besichtigungstermine zu erpressen, hält mir vor, meine gesundheitlichen Beschwerden (bin seit ca. zwei Monaten in Behandlung) nur vorzutäuschen, droht mir ständig mit Kündigung, wenn ich nicht "brav kooperiere" und beim letzten Termin ist die Maklerin tatsächlich auf meinen Toilettendeckel gestiegen, ohne sich die Schuhe auszuziehen, ohne zu fragen und hat Fotos gemacht, ohne mich vorher um Erlaubnis zu bitten. Aktuell hat man mir wieder eine Frist gesetzt, um die Wohnung vorzeigbar zu machen und ignoriert komplett meine Verfassung. Zum Verständnis: Ich habe seit ca. einem halben Jahr starke Schmerzen an den Gelenken und vor allem an den Oberschenkeln. Durch diese Schmerzen kann ich nicht lange stehen, laufen oder Gegenstände lange festhalten, deswegen war auch der Haushalt und der Alltag im Allgemeinen für mich nur bedingt machbar. Inzwischen hat man allerdings die Ursachen herausgefunden und ich befinde mich in Behandlung, deren Wirkung ich auch spüre. Auch die Wohnung habe ich inzwischen deutlich ausgemistet und putze regelmäßig durch.

    Bevor man sich darüber wundert, weshalb ich nicht schon längst ausgezogen bin: Ich hatte bisher nur befristete Arbeitsverträge und damit hat man bei der Wohnungssuche in meinem Ort nur wenig bis keine Chancen. Auch stehe ich komplett alleine da, habe also keinen Partner oder eine Familie, die mir Rückhalt oder finanzielle Unterstützung geben könnten. Von meinem Ex-Freund habe ich mich vor fast drei Jahren getrennt, weil er überhaupt keine Lust hatte, Verantwortung zu übernehmen.

    Was ich vor allem erreichen möchte, ist ein Weg, wie ich mit der Maklerin und der Anwältin umgehen kann/soll/muss, um nicht mehr so behandelt zu werden, ohne dass man mir etwas negativ auslegen oder unterstellen kann. Ich war bisher immer kooperativ, aber die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das überhaupt keinen Sinn macht. Ich weiß zwar, dass z.B. Makler nicht ohne ausdrückliche Zustimmung Fotos machen dürfen, aber wie setze ich das durch, ohne dass man mir Sabotage unterstellen kann? Ich will den Verkauf nicht im mindesten verhindern, aber auch nicht länger wie ein Fußabtreter behandelt werden. Ich will nicht nochmal erleben, wie die Maklerin auf meine Toilette steigt, von ihrem restlichen Verhalten will ich gar nicht erst anfangen. Das hat sie gemacht, um den Lüftungsfilter rauszunehmen, trotzdem halte ich das für völlig inakzeptabel. Habe ich als Mieterin überhaupt eine rechtliche Handhabe und falls ja welche? Hätten die Bilder im Falle eines Gerichtsverfahrens Gewicht, obwohl sie ohne meine Zustimmung gemacht worden sind? (Frage nur zur Sicherheit, lege es nicht darauf an.) Ich will auch kein gutes Verhältnis aufbauen, sondern ein halbwegs sachliches, denn auch höflich kann man von deren Seite nicht erwarten.

    Ich entschuldige mich im Voraus für etwaige Verwirrungen oder Ungereimtheiten. Mir war es wichtig eine möglichst nachvollziehbare Zusammenfassung der bisherigen Erfahrungen zu schildern, damit man einen gewissen Kontext hat. Sollten noch Fragen offen sein, oder Sachverhalte nicht nachvollziehbar, bitte ohne zu zögern mitteilen/posten. Mir is auch völlig bewusst, dass hier keine Rechtsberatung erfolgen kann. Vielleicht gibt es jemanden, der vergleichbare Erfahrungen gemacht hat oder Kenntnisse besitzt, die dem Otto-Normal-Mieter nicht so ohne weiteres zugänglich sind. Da ich noch eine zeitlang auf diese Wohnung angewiesen bin, will ich die Zeit halbwegs in Frieden verbringen.

    Schon mal im Voraus vielen Dank für alle Meinungen und Ratschläge! :)

    Ich hoffe einfach auf konstruktive Ratschläge, Informationen usw.:)

  • Darf er so etwas einfach verschweigen?

    Kann man pauschal nicht beantworten. Man muss zwar grundsätzlich nicht alle Schäden die jemals im Haus aufgetreten sind erwähnen, aber vorhandende Mangel oder gewissen Neigungen zu Schäden aufgrund von strukturellen Begebenheiten müssen durchaus offen gelegt werden, sobald der Bereich der arglistigen Täuschung überschritten wird.

    Wasserschäden die durch einen Mieter (soweit das Gerichtsurteil) müssen wohl nicht offengelegt werden, wenn vollständig beseitigt. Immerhin war es ja dann kein Problem des Hauses. Beim Ungeziefer würde ich es genau so sehen, soweit es einmalig war und nicht ständig vorkommt aufgrund der Lage oder andere im Haus liegende Ursachen.

    Habe ich als Mieterin überhaupt eine rechtliche Handhabe und falls ja welche?

    Wenn die Maklerin sich mehr Rechte raus nimmt als sie hat, darfst du sie der Wohnung verweisen. Ob es gleich für ein Hausverbot reicht ist schwierig zu beurteilen, da kommt es wieder auf den Einzelfall an. Am Ende geht es wieder um die Beweismöglichkeiten die einem zur Verfügung steht.

    Zu den Fotos lässt sich sagen, dass die Wohnung des allgemeines Persönlichkeitsrechts unterliegt und somit Fotos nur mit Erlaubnis gemacht werden dürfen. Problematisch wird es dann, wenn die Fotos nicht das Persönlichkeitsrecht tendieren, weil etwa allgemeines Fotografiert wird, was nicht der Privatssphäre unterliegt, wie etwa ein Fensterrahmen oder andere punktuelle Sachen, die zur Mietsache gehören.

    Für deine Situation erscheint es mir sinnvoll, dass du dich auch anwaltlich vertreten lässt, damit du nicht unsicher sein muss, was du zu dulden hast und was nicht und du im Zweifel deine Rechte auch durchsetzen lassen kannst.

    Das Gutachten wurde praktisch ignoriert, was eigentlich nicht zulässig ist.

    Nur der Hinweis von mir, dass alle Beweis der freien Würdigung durch den Tatrichter offen stehen. Dieser entscheidet selbst, welche Beweiskraft ein Gutachten zukommt und ob Zeugenaussagen überzeugender sind. Die Grenze wird erst da gezogen, wo sich ein Richter/in gar nicht mehr mit Beweisen auseinandersetzt oder in der Argumentation Denk- oder Logikfehler aufdrängen.

    Übrigens würde ich den Schilderungen der Feuerwehr mehr glauben schenken die vor Ort waren als den Schilderungen des Gutachters, der nur auf der Grundlage von Erzählungen durch den Auftragsgeber ohne Bilder oder anderweitige objektive Beweise den Schaden einordnen soll. Man darf der Feuerwehr nämlich durchaus eine gewisse Erfahrung unterstellen den Schadensursacher korrekt zu nennen.

    Aber das ist auch wieder eine Sache, wo man endgültig nur was sagen kann, wenn man die ganze Akte kennt.

    Meine Antworten sind keine Rechtsberatung und die Richtigkeit sind nicht garantiert!

  • Zitat

    Übrigens würde ich den Schilderungen der Feuerwehr mehr glauben schenken die vor Ort waren als den Schilderungen des Gutachters, der nur auf der Grundlage von Erzählungen durch den Auftragsgeber ohne Bilder oder anderweitige objektive Beweise den Schaden einordnen soll. Man darf der Feuerwehr nämlich durchaus eine gewisse Erfahrung unterstellen den Schadensursacher korrekt zu nennen.

    Das kann ich nachvollziehen, aber der Gutachter war ja auch vor Ort und hat Messungen usw. durchgeführt und überprüft. Er hat sich nicht nur an meinen Schilderungen orientiert. Habe ich nicht ausdrücklich hervorgehoben. Entschuldigung dazu :)

    Ich sage auch nicht, dass die Feuerwehr keine Ahnung hat, aber sie ist, rein objektiv betrachtet, nun mal nicht sachverständig genug, um eine fundierte Aussage zu treffen, wobei es ganz klar auch hier wieder auf die jeweiligen Umstände und Begebenheiten ankommt.

    Ich hoffe einfach auf konstruktive Ratschläge, Informationen usw.:)

    Einmal editiert, zuletzt von Scary2019 (15. November 2019 um 14:15)

  • Ich empfehle dir, bei Besichtigungen irgend eine dir vertraute Person dazu zu holen. Es scheint, als wirkst du etwas verunsichert und das nutzen leider manche Menschen aus. Man darf dem Eigentümer und der Maklerin durchaus die Grenzen aufzeigen, wenn sie sich zu viele Freiheiten heraus nehmen. Aber das muss man freundlich aber mit einer nötigen Bestimmtheit zum Ausdruck bringen. Eine weitere Person an deiner Seite kann dabei helfen.

    Fotos machen zum Zweck des Inserats ist Tabu, wenn du das nicht möchtest. Die Wohnung ist deine Privatsphäre, das muss bei den Besichtigungen respektiert werden.

  • Zitat

    Ich empfehle dir, bei Besichtigungen irgend eine dir vertraute Person dazu zu holen. Es scheint, als wirkst du etwas verunsichert und das nutzen leider manche Menschen aus.

    Ich bin tatsächlich etwas verunsichert, weil ich nicht möchte, das mein Verhalten irgendwie gegen mich verwendet werden kann. Eine weitere Person dazuzuholen, klingt sinnvoll, das ist nur leider nicht so einfach, weil alle meine Freunde ja auch berufstätig sind und die Terminierung schlecht abgestimmt werden kann. Aber ich probiere es natürlich! Nochmal Danke!

    Ich hoffe einfach auf konstruktive Ratschläge, Informationen usw.:)