Rohrreinigung - ehem. Vermieter verlangt Kostenbeteiligung

  • Hallo liebe Community,


    da ich zu dem Thema zwar einiges gefunden habe, die Meinungen im Internet aber oft auseinander gehen, hoffe ich ihr könnt mir vielleicht weiterhelfen.


    Ich bin vor einem Monat umgezogen. In der alten Wohngemeinschaft hatte jeder ein Waschbecken im Zimmer. Das Waschbecken in meinem Zimmer ist am Selben Abfluss wie das meiner ehemaligen Zimmernachbarin.

    Kurz bevor ich ausgezogen bin, hat die besagte Nachbarin dem Hausmeister bescheid gegeben, dass das Rohr verstopft ist, woraufhin die Rohrreinigung kam und mit einer Spirale den Abfluss gereinigt hat - nur von ihrem Waschbecken aus. Das war nicht das erste mal, ich habe dort fast 10 Jahre gewohnt, in dieser Zeit kam die Firma ca 3 mal. Die letzten Male hatte der Vermieter nie eine Kostenbeteiligung gefordert, dieses Mal schon - und zwar von meiner Zimmernachbarin und von mir. Insgesamt sollen wir die Hälfte zusammen übernehmen.


    Auf der Rechnung stand folgendes:

    '[...] mit Spirale und Schleuder mehrmals gereinigt [...]'

    'Während der gesamten Arbeit wurde die Leitung gespült. Die Siphons wieder montiert und Probegespült.

    Verstopfungsursache: Ablagerungen, Stark, Haare, Fettablagerungen, Kalk, Rost und sonstige Fremdstoffe'


    Ich war bei der Reinigung dabei, es kamen eigentlich nur schwarze Plörre und Haare raus.


    Nach meiner Recherche ist Abflussreinigung Vermietersache, es sei denn, er kann nachweisen, dass die Verstopfung durch unsachgemäßen Gebrauch verursacht wurde.

    Ich kenne das Haus und weiß, dass die Abflussrohre sehr eng sind und schnell verstopfen, hatte deshalb immer ein Sieb im Waschbecken und habe es auch nicht "unsachgemäß" benutzt. Andere Mieter hatten in der Vergangenheit dort Geschirr gespült usw...so etwas habe ich nie gemacht!


    Leider bin ich kein Rechts-Genie und kann mir so etwas gerade überhaupt nicht leisten.

    Deshalb wäre ich froh, wenn mir jemand sagen könnte ob ich das zahlen muss und wenn nein, wie ich vorgehen kann.


    Ich bedanke mich im voraus und Grüße euch

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  • Hallo,


    ob du das zahlen musst, kann dir keiner beantworten, denn es hängt im Streitfall letztendlich davon ab, wie es ein Richter bei eurem Amtsgericht sieht. Allerdings müsste der Vermieter schon etwas genauer begründen, warum du das Problem zumindest teilweise mit verursacht haben sollst. Nur allein die Tatsache, dass dein Waschbeckenabfluss in das gleiche Abflussrohr mündet, dürfte wahrscheinlich nicht ausreichend sein. Solange die Mitbewohnerin theoretisch die Verstopfung auch allein verursacht haben könnte, wird es schwer für den Vermieter, dein Mitverschulden glaubhaft zu machen.


    Es kann theoretisch auch sein, dass ihr beide nichts zahlen müsst, also auch deine Mietbewohnerin nicht. Denn Fett und Kalk sind normal in einem Abflussrohr. Dazu muss man das Waschbecken noch nicht mal unsachgemäß genutzt haben.


    Du könntest, wenn du magst, mal den Vermieter in einem Brief um genauere Informationen bitten, inwiefern speziell du das Waschbecken unsachgemäß benutzt haben sollst und woraus er genau schließt, dass du das Problem mit verursacht haben musst. Du wüßtest schon gern, worin dein Fehlverhalten konkret lag, so in der Art mit deinen Worten.


    Wenn du dann doch einen Anwalt brauchen solltest, hätte dieser schon mehr Infos, um dir besser helfen zu können.

  • Solange die Mitbewohnerin theoretisch die Verstopfung auch allein verursacht haben könnte, wird es schwer für den Vermieter, dein Mitverschulden glaubhaft zu machen.

    Sollte hier ein gemeinsamer Mietvertrag vorliegen zwischen den Mietern und kein Einzelmietvertrag, könnte sich eine Haftung aus der Gesamtschuldnerschaft der Mieter ergeben. Dies wird soweit anerkannt, als wenn der Vermieter die Schuld eines einzelnen Mieter nicht nachweisen kann.


    Aber es bleibt dabei, dass sich der Vermieter erstmal dahingehend entlasten muss, dass die Verstopfung nicht aufgrund der Bauweise erfolgte und dem Rahmen des sachgemäßen Gebrauch überschreitet.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • Es bestand kein gemeinsamer Mietvertrag.


    Danke euch vorerst, ich werde vom Vermieter erstmal genauere Infos anfordern und melde mich ggf. nochmal.

  • Ich habe gefragt woraus geschlossen wird, dass ich die Verstopfung verursacht habe, das hier ist die Antwort;


    die Waschbecken der Zimmer Nr.: 4 und 5 liegen gegenüber und haben eine gemeinsame Leitung. Wer also von den beiden Zimmern die Verstopfung verursacht hat, kann nicht festgestellt werden, daher wird der Anteil der Rechnung von beiden Zimmern angefordert.


    Das klingt für mich nicht, als müssten wir beide zahlen.

    Wie kann ich nun vorgehen?

    Braucht man für sowas einen Anwalt oder verweigere ich einfach?

  • Braucht man für sowas einen Anwalt oder verweigere ich einfach?

    Zu verweigern wäre eine Möglichkeit, was du tun könntest. Doch dann kann es passieren, dass der Vermieter Zahlungsklage einreicht. Daher wäre es eventuell sinnvoll, die Beratung bei einem Anwalt in Anspruch zu nehmen, wenn du sicher gehen willst, dass der Vermieter mit seiner Forderung nicht durch kommen kann.


    Hier im Forum kann dir keiner sagen, was du tun sollst, denn das wäre Rechtsberatung. Wir können nur allgemein darüber reden. Und nach den Normen für den Schadenersatz dürfte die Erklärung des Vermieters wahrscheinlich nicht ausreichen. Er hat bisher nicht gesagt, warum ihr als Mieter für die Sache verantwortlich seid. Denn Schäden durch übliche Nutzung des Waschbeckens gehen immer zulasten des Vermieters, das ist allgemeingültig der Fall.

  • Vielen Dank!


    Dann hätte ich nur noch eine Frage - was wenn ich mir keinen Anwalt leisten kann? Und zwar absolut gar nicht?

    Also ich lebe gerade wirklich weit unter der Armutsgrenze...

  • was wenn ich mir keinen Anwalt leisten kann? Und zwar absolut gar nicht?

    Dann gehst du zum nächsten Amtsgericht bei euch, und holst dir dort einen Beratungsschein. Damit bezahlt der Staat den Anwalt. Jeder in Deutschland soll Rechtsberatung bekommen, auch wenn man kein Geld hat.

  • - was wenn ich mir keinen Anwalt leisten kann?

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