Hohe Kaltwasserkosten wegen Nachbarn

  • Hallo liebe Community,


    ich schreibe für einen iranischen Freund. Sein Wohngebäude hat mehrere Parteien, insgesamt ca. 400 qm. Mein Freund hat davon 65 qm. Kosten für Kaltwasser/ Entwässerung von insgesamt 6500 € werden per qm auf die Mieter umgelegt, wovon er ca. 1050 € zu tragen hat. Die Vermietergesellschaft hat auf der Betriebskostenabrechnung noch andere Gebäude und deren deutlich geringere Verbräuche gelistet! Vergleichbare Gebäude haben ca. Wasserkosten von 750-1200 €. Das Problem sind wohl zwei türkische Herren, die den ganzen Tag lang ihre Wäsche mit Kaltwasser waschen.

    Hat man da irgendeine Chance gegen diese hohen Kosten vorzugehen? Die beiden sind leider uneinsichtig.


    Eine Rechtsversicherung hat er leider nicht.

    Viele Grüße
    Stefan

  • Ich kann mir gerade nicht vorstellen, wie ein solcher Verbrauch angeblich durch zwei Männer verursacht werden soll. Dann müssten sie annähernd täglich 24 h ohne Pause mit der Hand unter fließendem Wasser waschen. Ich wasche dank meiner Kinder auch täglich mehrere Waschmaschinenladungen und habe nicht annähernd einen solch utopischen Verbrauch. Auch aus WEG Abrechnungen kenne ich hohe Verbräuche, aber mir ist noch kein Fall untergekommen, wo da bei normaler Wohnraumnutzung ein solcher Verbrauch zustande zu bringen ist.


    Gab es Renovierungsarbeiten im Objekt? Ich würde diesen Verbrauch auch anzweifeln, allerdings eher an eine Leckage, Rohrbruch etc. denken.

  • Tja, möglicherweise ist da auch mehr im Argen. Laut der Gesellschaft ist aber alles in Ordnung. Kann man den Verbrauch offiziell prüfen lassen?

  • Kann man den Verbrauch offiziell prüfen lassen?

    Es wird nur der letzte und der aktuelle Zählerstand bei ablesung benötigt und die Gebührensätze für Frisch und Abwasser.

    Um Unklarheiten bzw. Missverständnisse vorzubeugen der Hinweis, meine Antworten und Aussagen stellen keinen Anspruch auf Korrektheit und Vollständigkeit dar und kann auch keine Rechtsberatung ersetzen. Eine Rechtsberatung kann nur von einem Anwalt (Juristische Person) durchgeführt werden.

  • Tja, möglicherweise ist da auch mehr im Argen. Laut der Gesellschaft ist aber alles in Ordnung. Kann man den Verbrauch offiziell prüfen lassen?

    Leider ist im Nachhinein eine Prüfung der Zählerstände nur in ganz wenigen Ausnahmen möglich. Das macht die Klärung leider schwierig.

    Ich kann an dieser Stelle nur raten, fachmännischen Rat einzuholen, um die Frage zu klären, ob es Angriffspunkte gibt. Ein Anwalt könnte beispielsweise sich genauer anschauen, wie viele Personen im Haus leben, ob diese theoretisch überhaupt einen solchen Verbrauch verursachen können. Wenn ältere Abrechnungen vorliegen, könnte man diese auch mit zu Hilfe nehmen, um dem Verursacher des hohen Verbrauchs auf die Spur zu kommen.


    Außerdem sollte Einsicht in die Belege genommen werden. Ggf. gab es in diesem Jahr hohe Nachzahlungen für vergangene Jahre und der Vermieter hat diese Kosten nach dem Abflussprinzip in dem Jahr umgelegt, in dem sie bezahlt wurden. Oder gab es seitens des Versorgers einmalige Kosten, die mit auf der Abrechnung stehen?


    Nur ein Anwalt kann im konkreten Fall dabei helfen, ob es aussichtsreich ist, gegen die Abrechnung vorzugehen. Dazu müssen vermutlich noch diverse Informationen eingeholt werden, um dies zu klären. In einem Laien-Forum ist das nicht möglich.

  • Nur noch als andere Eventualität: Wasseruhren sind in der Wohnung nicht verbaut? Wenn doch, muss nach Verbrauch abgerechnet werden.

    Wenn nicht, wäre eine Umlage nach m² schon mal rechtens.


    Wie hoch ist denn der Kaltwasserverbrauch in m³?

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Da der Verbrauch nicht zu jeder Stunde so hoch ist, kann man einen Mangel fast ausschließen. Die beiden türkischen Familien waschen wohl SEHR SEHR SEHR viel und lassen hier und da vllt. auch mal den Wasserhahn laufen. Das interessiert die einfach nicht sagt mein Freund. Ob das sinnvoll ist oder nicht sei mal dahingestellt.


    Abrechnung über m² ist natürlich rechtlich ok. Man könnte höchstens auf den Einbau individueller Zähler pochen indem man auf den hohen Verbrauch des Gebäudes hinweist (ca. 6500€! Vergleichbare Gebäude haben ca. Wasserkosten von 750-1200 €!). Wir werden da nochmal anrufen und freundlich fragen ob da nicht was machbar wäre. Viel Hoffnung habe ich allerdings nicht.



    Wie hoch ist denn der Kaltwasserverbrauch in m³?


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  • Hallo Stefan,


    Da der Verbrauch nicht zu jeder Stunde so hoch ist

    Woher stammt denn diese Erkenntnis? Schaust du regelmäßig auf den Gesamtwasserzähler?

    Wenn ja, dann könntest du ja vermutlich ein Verbrauchsprofil über mehrere Tage erstellen. Eventuell lässt das dann weitere Rückschlüsse zu.


    Es wäre wirklich sehr hilfreich, wenn du genauere Informationen über die zwei Herren bekommen kannst. Ich meine damit, dass es ja gar nicht möglich ist, dass sie für sich allein waschen, so viel Wäsche können zwei Leute gar nicht haben. Also für wen ist die ganze Wäsche? Bringt die Verwandtschaft ihre ganze Wäsche vorbei oder was passiert? Hat es eventuell einen gewerblichen Zweck, wofür das Wasser benutzt wird.


    Weitergehende Sachverhalte können sehr helfen. Denn der Vermieter hat ein gesetzliches Gebot der Wirtschaftlichkeit zu erfüllen, welches den Zweck hat, die Mieter des Hauses nicht übermäßig mit Kosten zu belasten. Und wenn der Vermieter diese Kosten einfach so hinnimmt nach dem Motto, die Mieter müssen es ja zahlen, dann kann man sich über das Wirtschaftlichkeitsgebot durchaus Gedanken machen.


    Sicherlich ist immer irgend ein Bewohner benachteiligt, der Wasser sparen will, und aufgrund der Abrechnung nach Wohnfläche für die anderen Bewohner mitzahlen muss. Das kommt in Wohnhäusern sehr oft vor, da kann man bis zu einer gewissen Grenze nichts machen. Aber wenn diese immensen Kosten tatsächlich von einem einzigen Haushalt verursacht werden sollten, dann hat der Vermieter durchaus Möglichkeiten, das in der Abrechnung zu berücksichtigen. Es kommt zwar typischerweise eher bei Gewerbeeinheiten in einem Gebäude vor, diese Einheit mit höheren Kosten zu belasten, aber generell ist das auch für Privathaushalte möglich, wenn in so einem ungewöhnlichen Ausmaß Kosten verursacht werden. Das kennt man "Vorwegabzug". Dazu ist aber schon wichtig, dass man den Haushalt als den Kostenverursacher identifizieren kann.


    Um Mißverständnisse zu vermeiden stelle ich nochmal heraus, dass die Überlegung wirklich nur aufgrund dieser extrem hohen Kosten anzustellen sind. Nur weil ein Nachbar beispielsweise jedes Wochenende sein Auto wäscht oder den Pool füllt, rechtfertigt das nicht gleich einen Vorwegabzug. Denn dabei kommen ja auch nicht so riesig hohe Kosten zusammen, hingegen hier ist das schon etwas anderes vom Verhältnis her.


    Man könnte höchstens auf den Einbau individueller Zähler pochen

    Nein. Das ist nicht möglich, musst du nicht versuchen. Das könntest du selbst gerichtlich nicht durchsetzen, da es zulässig ist, nach dem Verhältnis der Wohnfläche abzurechnen und es kein Gesetz gibt, das den Vermieter zwingen könnte, Kaltwasserzähler einbauen zu lassen. Man muss andere Wege verfolgen wie oben ausgeführt.

  • Ich nicht, aber der Typ für den ich hier nachfrage. Verbrauchsprofil bringt aus meiner Sicht derzeit wenig, weil nicht dokumentiert werden kann wer wann zuhause ist und gerade Wasser verbraucht.


    Es handelt sich wohl doch um Familien, also nicht nur zwei Herren, sorry. Mein Kumpel hört fast den ganzen Tag und jeden Tag die Waschmaschine laufen. Wo die Wäsche herkommt weiß er nicht. Ich werde bei der Verwaltungsgesellschaft mal anregen die Wasserverbräuche vor und seit Einzug der beiden Familien mal zu vergleichen.


    Guter Ansatz, danke!

  • Das könntest du selbst gerichtlich nicht durchsetzen, da es zulässig ist, nach dem Verhältnis der Wohnfläche abzurechnen und es kein Gesetz gibt, das den Vermieter zwingen könnte, Kaltwasserzähler einbauen zu lassen

    Als kleine Ergänzung: In Hamburg gibt es auch bei Bestandsbauten eine Nachrüstpflicht, in Schleswig-Holstein bis 31.12.2020

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Das hilft nur bedingt weiter, wenn in der jeweiligen Landesbauaordnung solche Vorschriften zum Nachrüsten stehen. Denn trotzdem sind Kaltwasserzähler nichts, was man als Mieter einfordern kann. Denn die Pflicht entsteht nicht aus dem Mietverhältnis, sondern aus der Landesbauordnung. Man kann also lediglich ans zuständige Bauamt eine Mitteilung senden, wenn die Vorschrift noch nicht umgesetzt ist. Und es obliegt dann dem Bauamt, ob und was man von dort aus tun wird. Man kann als Mieter aber nicht den Einbau gerichtlich einklagen oder ähnliches.


    Genausowenig kann man mit der Begründung der Vorschrift aus der Landesbauordnung die Nebenkostenabrechnung beanstanden und Kosten verweigern. Denn für die Nebenkostenabrechnung ist das Mietrecht die grundlegende Rechtsnorm, in diesem Fall eben der §556 BGB. Und dieses Gesetz erlaubt es nun mal, das Kaltwasser nach dem Verhältnis der Wohnfläche abzurechnen. Das sollte nicht durcheinander gebracht werden.

  • habe letzte Woche noch mit der Verwaltung telefoniert. Im Streit mit einem anderen Mieter hat einer der Mieter wohl einfach mal wochenlang den Wasserhahn laufen lassen. Der ist mittlerweile aber nicht mehr vor Ort. Die nächste Abrechnung sollte also wieder normal sein.

    Damit ist die Sache für mich abgeschlossen,


    Danke für die Hilfe trotzdem!