Mietminderung wegen Baustellenlärm tags und nachts - Abriss von Wohngebäuden

  • Hallo.


    Ich wohne seit 2 Jahren in einer Mietwohnung im 7 Stock, direkt gegenüber eines Seniorenwohnstifts.

    Zu meinem Einzug 2018 war alles sehr ruhig und es gab keinerlei Anzeichen oder Hinweis, dass es zu Bauarbeiten kommt.

    Seit August 2019 wird nun aber direkt gegenüber von mir, 20 m entfernt, die komplette Wohnanlage abgerissen und neu aufgebaut.

    Von Montag bis Samstag (7-18 Uhr) bin ich permanentem Baulärm (bis über 80dB gemessen) ausgesetzt.

    Ich kann seitdem tagsüber, ohne extremen Lärm zu ertragen, nicht mal meine Balkontür öffnen (neben meinem Mini-Fenster in der Küche die einzige Belüftungsmöglichkeit!) geschweige denn, jetzt bei schönem Wetter, den Balkon nutzen.

    Zum einen weil der Lärm unerträglich ist und nebenbei, weil der Baukräne so dicht stehen, dass man mir auf den Balkon gucken kann. (Was wohl eher ein persönliches Problem ist, das ist mir bewusst - aber ich sonne mich ungern, wenn ich weiß, dass man mir dabei zusehen kann.)


    Dazu laufen dort Nachts Generatoren (Wasserpumpen?), die im extrem hohen Frequenzbereich "surren", das ich echt kirre werde und teilweise kaum schlafen kann.

    Dazu kommt ein Strahler, der direkt (7 Stock ist ein Fluch) in meine Zimmer scheint und dafür sorgt, "die Nacht zum Tag" zu machen, weshalb ich auch dann kaum mal die Balkontür offen haben kann, zum lüften.


    Es gab übrigens (ich weiß allerdings auch nicht, ob das überhaupt üblich ist) auch kein Schreiben an uns Mieter, dass dort "demnächst gebaut/abgerissen wird.

    Ich sprach nun gestern mit einer Seniorin, die im noch übrig gebliebenen Wohnblock gegenüber wohnt und die erzählte mir, dass nach dem Aufbau der zwei abgerissenen Gebäude, auch noch das letzte abgerissen und neu gebaut wird und dies vor 2021 definitiv nicht fertig wird.


    Kann ich auf Grund dessen eine Mietminderung fordern? Einer der Hauptgründe, neben der ruhigen Lage, diese Wohnung zu nehmen, war nämlich auch mein wunderschöner Balkon, der aber seit Monaten unbenutzbar ist und auch bleiben wird, für den Rest des Jahres. Davon abgesehen, dass ich selbst Nachts oft wach liege.

    Ich dachte erst, ich bin da vielleicht empfindlich, aber selbst mein Freund sieht zu, dass er aktuell hier nicht übernachten "muss", weil er dadurch nicht schlafen kann.


    Es wäre toll, wenn mir jemanden sagen kann, wie ich jetzt weiter vorgehe, sofern ich überhaupt die Miete mindern kann. (Auszug vor ´21 ist leider nicht möglich, sonst wäre ich schon weg.)


    Lg

    Tami

  • Hallo Tami,


    die Lärmbelästingung durch eine Baustelle ist definitiv ein Mietmangel, wodurch die Miete gemindert ist. Dazu gibt es auch zahlreiche Gerichtsurteile. Das Problem dabei ist nur, die Höhe der Minderung korrekt zu bestimmen, denn das kann man nicht allgemein beantworten sondern richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls. Minderst du zu viel, kommst du mit der Zahlung in Verzug und kannst Schwierigkeiten bekommen. Deshalb solltet du zu einem Anwalt oder zum Mieterverein gehen, um die Höhe bestimmen zu lassen.


    Andererseits sollte dir aber auch bewußt sein, dass du durch die Minderung lediglich etwas Geld sparst. Das Wohnen bleibt weiterhin schwierig und der Lärm eine Belastung. Es wird also sicherlich keine Entspannung für dich sein.