Nachmieter von WG-Zimmer springt nach unterzeichnetem Mietvertrag ab

  • Hallo zusammen,


    ich musste mich bisher nie mit Mietrecht auseinandersetzen, habe aber seit heute folgendes Problem:

    Ich hatte bisher in einer 3-Personen Wohngemeinschaft gewohnt, in der alle 3 Bewohner Hauptmieter sind. Da ich zum 01.09 ausziehen wollte, habe ich mit Absprache des Vermieters einen Nachmieter gesucht, und auch gefunden. Dieser hat am 15. August den Mietvertrag zum 01.09 unterzeichnet (unter Anwesenheit von mir, einem Mitbewohner und natürlich dem Vermieter).


    Jetzt haben wir den 01.09. - der Nachmieter ist nicht zur vereinbarten Schlüsselübergabe erschienen und hat weder seinen Mietanteil auf das WG-Konto, noch die Mietkaution an den Vermieter überwiesen. Nach mehrmaligen erfolglosen Kontaktaufnahmen hat er dann erklärt, er könne nicht einziehen, weil er sich "die Wohnung nicht leisten kann".


    Nach einem Gespräch mit dem Vermieter (als wir den Nachmieter noch nicht erreichen konnten) hat dieser mir gegenüber angedeutet, dass ich im Falle eines Absprungs weiterhin Miete zahlen müsse, weil "keine Kaution gezahlt wurde, und der Mieter ja nie eingezogen ist."

    Ist das rechtens? Ich dachte, durch seine Unterschrift wäre auch mein Austritt zum 01.09 rechtskräftig.

  • Wenn mal ein Vertrag unterschrieben ist, kann man nicht mehr davon zurück treten. Stattdessen kann man den Vertrag nur fristgerecht kündigen oder einen einvernehmlichen Aufhebungsvertrag schließen. Ein Vermieter sollte das eigentlich wissen und dem Nachmieter mitteilen, dass er trotzdem zahlen muss und entsprechend kündigen kann.

  • Danke für die Antwort. Ich frage mich aber noch, wie der Vermieter das Geld vom Nachmieter einfordern will, da ja alle 3 Mieter als Hauptmieter gelten, und deshalb alle Mieter Gesamtschuldner sind - es wird eine gemeinsame Miete entrichtet. Müssen das dann im Zweifelsfall die anderen beiden Mieter gerichtlich einfordern?

  • Ja. Bei Gesamtschuldnern kann sich der Vermieter aussuchen, von welchem der Mietparteien er das Geld verlangt. Die Mieter müssen dann von neuen Mitmieter den Anteil zivilrechtlich einfordern.


    Man sollte nochmal in Ruhe mit dem neuen Mieter das Gespräch suchen und ihm erklären, dass es nicht möglich ist, dass er abspringt. Der Vertrag ist zu erfüllen. Wahrscheinlich wird es ihm auch nicht recht sein, wenn ihr gegebenenfalls Strafanzeige erstatten werdet. Denn wenn man einen Vertrag eingeht und dabei wissen muss, dass man es sich nicht leisten kann, dann nennt man das Eingehungsbetrug und das ist strafbar. Wahrscheinlich denkt er dann nochmal darüber nach, dass es so nicht läuft wie er sich denkt.

  • Ist das rechtens?

    Hier könnte man diskutieren, ob eventuell der Aufhebungsvertrag unter der Bedingung stand, dass du einen solventen Nachmieter suchen müsstest. Wird man im Zweifel aber ablehnen müssen. Daher bist du im Zweifel raus, aber mit Sicherheit lässt sich das nicht bestätigen.


    Die Mieter müssen dann von neuen Mitmieter den Anteil zivilrechtlich einfordern.

    Wovon man im Zweifel abraten muss, bei Leuten die kein Geld haben, kann man halt auch nichts holen. Kümmert euch auch darum, dass ihr den Mieter wieder aus dem Mietvertrag bekommt.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.