Kündigung durch neuen Eigentümer

  • Hallo,


    ich wende mich an euch, weil ich derzeit sehr verwzweifelt bin.


    Ich wohne seit April 2015 in meiner jetzigen Wohnung (3 Parteien), also 5 Jahre und 5 Monate. Zahle läppige 370 € warm (!) für knappe 68 m².


    Letztes Jahr kaufte ein neuer Eigentümer das Haus, von dem vorherigen Eigentümer wurde mündlich mitgeteilt, dass die Mietwohnungen bestehen bleiben.


    Nun ist es aber so, dass mein Vermieter Grieche ist, Versprechungen (Modernisierungen) machte und jetzt urplötzlich im nächsten Jahr nach Griechenland zurückziehen will. Die anderen beiden Wohnungen vermietet er wohl weiter, meine Wohnung will er nun allerdings für sich selbst (Eigenbedarf?) nutzen, um alles mögliche zu regeln (für ca. 4 Monate?). Es wäre also nur für den Übergang. Vorletzten Samstag war er deshalb bei mir, um mir das mitzuteilen und auch, dass meine Wohnung (die kleinste und natürlich günstigste des Hauses) für ihn in Frage käme.


    Nun habe ich gelesen, dass nach einem Eigentümerwechsel eine Sperrfrist für Kündigungen bestehen kann? Ob das nun aber so ist, weiß ich nicht. Heute erhielt ich nun eine Nachricht, er möchte mir heute Abend die Kündigung geben. Bin total perplex, es hieß, im nächsten Jahr möchte er zurück. Nun so schnell die Kündigung?


    Worauf muss ich achten? Denn ganz so einfach möchte ich es ihm nicht machen.


    - Besteht wohl diese Sperrfrist? "Tatsächlich aber gilt die darin enthaltene Regelung einer Sperrfrist bei Wohnungserwerb durch eine Personengesellschaft auch dann, wenn die Mietwohnung nicht zur Eigentumswohnung umgewandelt werden soll."

    - Es muss ein plausibler Grund in der Kündigung angegeben werden - ist eine übergangsweise Unterkunft etwa ein plausibler Grund?

    - er ist "so nett" und würde mir 6 Monate Zeit geben (die sind doch gesetzlich bei mehr als 5 Jahren) eh korrekt, oder?

    - wie weise ich nach, dass ich Wohnungen suche? Die aktuellen Vermieter halten eine kurze Rückmeldung nicht mal für nötig

    - wenn ich innerhalb 6 Mon. nichts finde, kann er mich wohl kaum auf die Straße werfen?


    Was soll ich nun unternehmen?


    Hoffe, hier kann mir jemand helfen, denn das nimmt mich nun total mit...



    Danke.


    Lina

  • Hallo,


    eine Sperrfrist gibt es nur, soweit Wohnungseigentum entstanden ist. Ein bloßer Erwerb eines Hauses mit mehreren Wohnungen ist nicht ausreichend.


    Auch ein nur vorübergehender Eigenbedarf kann rechtmäßig sein, eine dauerhafte Nutzung muss nicht zwangsmäßig vorliegen. Daher kommt es drauf an, wie oft/lange er die Wohnung konkret selbst nutzen möchte, hier muss man die Kündigungsbegründung abwarten.


    Wohnungssuche kann man dadurch nachweisen, dass man die Anschreiben/Antworten von anderen Wohnung aufbewahrt.


    Du solltest, sobald die Kündigung in deinen Händen liegt damit zu einem Anwalt gehen und genau prüfen lassen, wenn du in der Wohnung wohnen bleiben möchtest.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • Hallo,


    Kündigung gerade bekommen. Ich sollte unterschreiben (seit wann muss man das? Sicher nicht!), es steht KEIN Grund drin. Frist zum 28.02.2021 (habe se heute erhalten), Vertrag sei seit 09/2020 (ich wohne seit April 2015 dort!).

  • Ich sollte unterschreiben (seit wann muss man das? Sicher nicht!),

    Sowas dient in der Regel nur dem Beweis das du die Kündigung auch erhalten hast.


    es steht KEIN Grund drin.

    Allgemein ist eine Kündigung durch den Vermieter ohne jegliche Angabe von Gründen unwirksam.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • Dass du die Kündigung erhalten hast kannst du ruhig unterschreiben. Schreib einfach zu deiner Unterschrift dazu: "Kündigung erhalten". Dann kann es nicht als Zusage gewertet werden.


    Die Kündigung ist ohne Begründung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unwirksam. Sie kann aber auch dadurch wirksam werden, dass ihr nicht widersprochen wird. Also widersprich der Kündigung ohne Angabe von Gründen (du musst ihn ja nicht auf seinen Fehler in seinem Kündigungsschreiben hinweisen) und lass dir vom Vermieter ebenfalls bestätigen, dass er den Widerspruch erhalten hat. Tut er das nicht, kannst du den Widerspruch per Einschreiben zustellen. Auch eine Zustellung per Gerichtsvollzieher ist möglich (ca. 15€). Ich mache das in manchen Fällen, wenn ich zweifelsfrei nachweisen will, daß ein Schreiben (auch der Inhalt!) beim Empfänger auch angekommen ist. All das geht bis hier noch sehr gut ohne Anwalt.


    Dann ist der Vermieter wieder am Zug. Er muss auf Räumung klagen. Ab dann solltest du dich von einem Anwalt vertreten lassen.

  • Sie kann aber auch dadurch wirksam werden, dass ihr nicht widersprochen wird.

    Nein? Wo soll das denn geregelt sein?


    Ein Widerspruch kann nur gegen eine wirksame Kündigung eingereicht werden.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • Sie kann aber auch dadurch wirksam werden, dass ihr nicht widersprochen wird. Also widersprich der Kündigung ohne Angabe von Gründen

    Nein, das ist fachlich falsch. Entweder ist eine Kündigung wirksam oder nicht, des hängt nicht von einem Widerspruch ab. Bevor du solche Empfehlungen gibst, befasse dich vorher selbst erst mal mit den Rechtsnormen, wie es dir ja schon in der Konversation empfohlen wurde.


    Es ist durchaus ein Widerspruch im Gesetz vorgesehen nach §574 BGB. Aber dieser Widerspruch macht die Kündigung nicht unwirksam, sondern man zögert quasi den Auszug hinaus, wenn entsprechende soziale Gründe vorliegen. Und diese Gründe müssen im Widerspruch sehr wohl dargelegt werden. Doch wenn eine Kündigung von Anfang an unwirksam sein sollte, dann kann man sich das spären.