Kündigung wegen Eigenbedarf - geht das einfach so?

  • Guten Tag, ich bin noch unter Schock. Warum ziehe ich das Unglück nur so an. Hab bis jetzt nicht geschlafen und fühle mich wie eine Leiche. Gestern abend Kündigung wegen Eigenbedarf erhalten. Bin allein erziehend mit Schulkind . Härtefall wg Schwerbehinderung. Gerade die Wohnung muss bei mir behindertengerecht auf bestimmte Weisen sein, daher finde ich nur sehr erschwert eine Wohnung in einem Haus, worin ich leben kann. Auch auf den Standort muss geachtet werden. Als wir vor Jahren hier eingezogen sind, hat alles gestimmt. Bin auch psychisch stark belastet. Daher in EU-Rente. Extreme Wohnungsnot, teure Mieten = aussichtslos für jemand mit geringem Einkommen am Existenzminimum behindertengerechte Wohnung zu finden. Schulplatz vom Kind ist dann auch gefährdet, wenn in der Nähe nix gefunden wird. Und noch einiges mehr. Ich seh kein Land mehr, kann mir die Kugel geben. Vorher bring ich das Kind noch in einer Einrichtung vom Jugendamt unter. Ich bin fix und alle. Rechte hat man in so ner Sítuation als Mieter keine, weil man so blöd war, damals eine Wohnung in der Not zu mieten, die im Haus des Vermieters ist (2-Familienhaus). Weil man keine Wahl hatte bei der extremen Wohnungsnot. Und weil ausgerechnet die Wohnung die einzige behindertengerechte war, die bezahlbar war. Und jetzt wie gehts weiter. ich weiß es nicht. Ich weiß gar nichts mehr.

  • Wie wurde die Kündigung begründet? Wie ist die Kündigungsfrist? In einem 2-Familienhaus, dass der Vermieter selbst bewohnt ist zwar auch eine unbegründete Kündigung möglich, allerdings verlängert sich die Frist dann um 3 Monate.


    Wenn tatsächlich ein Härtefall vorliegt, dann ist ein Widerspruch nach § 574 BGB möglich.


    Hierzu würde ich dann schnellstmöglich einen Anwalt konsultieren.


    Bei einem geringen Einkommen hat man Anspruch auf einen Beratungsschein, den Du wiederum beim Amtsgericht bekommst.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Danke sehr. Im Kündigungssschreiben steht lediglich in schriftlicher Form in einem kurzen knappen Satz Kündigung wegen Eigenbedarf, aber nicht weiter warum. Das Warum wurde mir mündlich erklärt. Mietzeit über 5 Jahre, daher Kündigungsfrist 6 Monate, steht auch drin. Wie lange hat man Zeit ,der Kündigung zu widersprechen?


    Härtefall, nach §574, da steht:

    (1) 1Der Mieter kann der Kündigung des Vermieters widersprechen und von ihm die Fortsetzung des Mietverhältnisses verlangen, wenn die Beendigung des Mietverhältnisses für den Mieter, seine Familie oder einen anderen Angehörigen seines Haushalts eine Härte bedeuten würde, die auch unter Würdigung der berechtigten Interessen des Vermieters nicht zu rechtfertigen ist. Dies gilt nicht, wenn ein Grund vorliegt, der den Vermieter zur außerordentlichen fristlosen Kündigung berechtigt.

    Frage: welcher Grund wäre eine außerordentliche fristlose Kündigung?

    "Unter Würdigung berechtigter Interessen des Vermieters" - was wird höher bewertet? Die Notlage des Mieters wegen Härtefall /Gesundheit/ Schwerbehinderung/ Kind usw. oder das berechtigte Interesse des Vermieters? Was bedeutet berechtigtes Interesse des Vermieters, was ist das zum Beispiel? Wenn zb der Vermieter seine Tochter im Haus für Pflege und Betreuung braucht, und die Tochter will nicht in der großen Wohnung des Vermieters mitwohnen, sondern eine eigene Wohnung im Haus haben - wird das nicht höher bewertet als der Härtefall des Mieters?

    (2) Eine Härte liegt auch vor, wenn angemessener Ersatzwohnraum zu zumutbaren Bedingungen nicht beschafft werden kann.

    Trifft zu, äußerst erschwert, stark eingeschränkt, so gut wie unmöglich wegen den gesundheitlichen Einschränkungen - es sei denn es passiert ein Wunder

    (3) Bei der Würdigung der berechtigten Interessen des Vermieters werden nur die in dem Kündigungsschreiben nach § 573 Abs. 3 angegebenen Gründe berücksichtigt, außer wenn die Gründe nachträglich entstanden sind.

    (4) Eine zum Nachteil des Mieters abweichende Vereinbarung ist unwirksam.

  • Wenn die Kündigung nicht begründet ist (wer zieht ein und warum?) ist diese auch unwirksam.


    Hier wäre dann aber eine Kündigung nach § 573a BGB möglich. Die Frist beträgt dann aber 9 Monate (6+3).

    Wie lange hat man Zeit ,der Kündigung zu widersprechen?

    Der Widerspruch muss 2 Monate vor Ablauf der Kündigungs-/Räumungsfrist beim Vermieter eingegangen sein.



    Frage: welcher Grund wäre eine außerordentliche fristlose Kündigung?

    Zahlungsverzug oder Verstöße gegen die Hausordnung.

    Unter Würdigung berechtigter Interessen des Vermieters" - was wird höher bewertet?

    Das kann man nicht beantworten, sondern wird dann im Zweifel durch einen Richter geklärt. Dieser schätzt dann ein, welche Interessen größer sind. Dazu muss man die konkreten Umstände kennen.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Danke. "Wenn die Kündigung nicht begründet ist (wer zieht ein und warum?) ist diese auch unwirksam."

    Frage hierzu: Und wenn sie mündlich begründet ist? Oder zählt nur die Schriftform?

  • Es zählt die Schriftform. Die Gründe müssen per Gesetz in dem Schreiben benannt sein.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.