Mieterhöhungen in ungepflegtem Mehrfamilienhaus

  • Guten Morgen zusammen,


    unser Jahr beginnt gleich mit einer ordentlichen Mieterhöhung, der Brief kam gestern an und die Erhöhung um 20% soll zum 1.3.21 gelten.
    Grundsätzlich finde ich eine Erhöhung in Ordnung (wir wohnen seid 5 Jahren hier und hatten dieselbe Miete wie die Vormieter), doch wir liegen nun mit einem wirklich ungepflegten Haus am oberen Ende des Mietspiegels (7,36€, 6,67€-7,73€).

    Ich würde die Erhöhung deutlich lieber zahlen, wenn das Haus etwas gepflegter wird. Das große Problem ist jedoch die ständige Feuchtigkeit in allen Wohnungen und die unzureichende Heizung (mind 10 Jahre alte Elektroheizungen). Ich sehe keine Möglichkeit diesen Mangel ohne Umbaumaßnahmen (die dann wahrscheinlich eine zusätzliche Erhöhung der Miete zur Folge hätten) zu beheben. Hinzu kommen Sachen wie:

    - Immer Sperrmüll im Keller (inkl. Einkaufswagen).

    - ständig eine Lampe im Treppenhaus defekt.

    - Pfützen im Keller (Schwitzwasser der Rohre?)

    - zerschlagene Kellerfenster

    - Müllberge neben den Tonnen

    - Löcher in der Decke (Treppenhaus)

    - usw.


    Unser Vermieter war ein älterer Herr, der sich nicht groß gekümmert hat. Nun gibts eine Hausverwaltung.

    Was habe ich nun für Möglichkeiten? Ist es sinnvoll jeden Mangel anzuzeigen, damit sich was ändert oder bringt das nur Unruhe und unnötigen Stress? Bisher haben wir aufgrund der günstigen Miete alles so hingenommen.

    Auszug ist keine Option, da in 1-2 Jahren ein Hauskauf geplant ist.


    Danke schonmal für alle kommenden Antworten.

  • Grundsätzlich ist eine Mieterhöhung unabhängig von Mängeln. Wenn nicht im Mietspiegel ein Kriterium wie "gepflegtes Wohnumfeld" o.ä. steht, kann die Erhöhung dennoch gerechtfertigt sein.


    Grundsätzlich sind Mängel dann relevant, wann sie die Nutzbarkeit einschränken. Klar ist das, wenn sich die Räume nicht ausreichend beheizen lassen. Dies kann zu einer Mietminderung berechtigten. Im Bezug auf den Sperrmüll und die Müllberge kann dies ebenfalls der Fall sein, wenn dadurch angemietete oder zur gemeinschaftlichen Nutzung dienende Flächen nicht genutzt werden können (Waschraum, Trockenraum o.ä.) oder Geruchs/Schädlingsbelästigung auftreten.


    Rein optische Mängel berechtigen in der Regel nicht zu einer Mietminderung.


    Du solltest die Mängel der Hausverwaltung in jedem Fall anzeigen, ggf weiß diese gar nicht Bescheid, denn viele besuchen kleinere Objekte nicht regelmäßig, wenn überhaupt. Sonst kann daran auch nichts verändert werden.

  • Guten Morgen


    erstmal danke für die Antwort. Ich fürchte jedoch ich habe mich nicht deutlich genug ausgedrückt.

    Ich beabsichtige nicht die Miete zu mindern. Ich bin lediglich der Meinung, dass der allgemein bekannte schlechte Zustand des Hauses nicht im Verhältnis zur neuen Miete steht.


    Wäre es moralisch (rechtlich wohl schon) in Ordnung nun all die Kleinigkeiten anzumerken, die das Haus ein bisschen gepflegter erscheinen lassen würden, obwohl über Jahre nichts angemerkt wurde?
    Kann ich die neuen Verwalter direkt mit all den Mängeln konfrontieren ohne mich direkt unbeliebt zu machen? Kann es zu Problemen kommen wenn man ein „anstrengender“ Mieter ist?

  • Kann ich die neuen Verwalter direkt mit all den Mängeln konfrontieren ohne mich direkt unbeliebt zu machen?

    Natürlich kann man den Verwalter informieren. Und man hat als Mieter sogar auch die gesetzliche Pflicht, auf Mängel hinzuweisen.


    Aber du stellst die Frage im Zusammenhang einer Mieterhöhung. Und dabei sind die Mängel nicht wichtig. Sondern bei einer Mieterhöhung wird einfach nur der Zustand angeschaut gemäß der Kriterien, die im Mietspiegel vorgegeben sind, ohne dabei die Mängel anzuschauen. Man kommt dann zu einer gewissen Preisspanne, die du selber benannt hast.


    Will der Vermieter an die obere Grenze der Spanne, dann muss er das auch mit Merkmalen begründen, die eine Verbesserung darstellen. Das kann z.b. eine gute Verkehrsanbindung oder gute Einkaufsmöglichkeiten im nahen Umfeld sein. Andernfalls kann man höchstens zum mittleren Bereich der Spanne gehen.


    Man kann auch ein Teileinverständnis geben zur Mieterhöhung, also für einen geringeren Betrag einverstanden sein als der Vermieter verlangt.

  • Hallo Fruggel,


    danke für die Verdeutlichung der Sachlage. Bei mir hatte wohl das persönliche Empfinden von Preis/Leistung einen größeren Einfluss als die gesetzlichen Regeln zum Mietrecht.

    Ich versuche es also als Vorteil zu betrachten, dass die Mieterhöhung mit der neuen Verwaltung kommt. Nun kümmert sich wenigstens jemand. Schließlich hätte das auch mit dem desinteressierten Vermieter so sein können. Die Spanne des Mietspiegels stelle ich nicht in Frage.


    Ich habe nun eine Mängelliste verfasst und werde sehen wie die neue Verwaltung darauf reagiert. Anschließend kann ich ruhigen Gewissens die Mieterhöhung akzeptieren.