Befristeter Mietvertrag

  • Hallo!


    (Am Anfang kommt sehr viel drumherum der Geschichte, wer konkret zur Frage will, einfach runterscrollen bis zum dick gedruckten ;) )


    Ich habe folgendes Problem. Und zwar wohne ich seit fast 4 Jahren (seit März 2017) in einer Wohnung von einer Privatvermieterin.

    Die Wohnung hatte folgende Bewohner*innen in den letzten Jahren:

    2016-2017 Mitbewohnerin plus Schwester

    2017- 2020 Mitbewohnerin plus Ich

    Dezember 2020- jetzt Ich plus Partner


    Nun ist es so, dass soweit ich es zurückverfolgen kann, und zwar seit dem Einzug meiner alten Mitbewohnerin und ihrer Schwester, es ein Schimmelproblem in der Wohnung gibt, das sich in den kalten Wintermonaten zu den Außenwänden hin äußert. Wir haben die Vermieterin zwar ab und zu kontaktiert, sie möge da bitte was machen aber letztlich haben wir es in den letzten Jahren immer selbst in die Hand genommen, weil wir wussten dass es bei ihr immer mit einer Wartezeit verbunden ist. Was für uns jetzt aber auch nie dramatisch war.

    Jetzt bin ich allerdings im 8ten Monat schwanger und habe der Vermieterin deswegen die letzten Monate immer wieder gesagt, sie möge sich bitte um den Schimmel kümmern. Anfang Dezember, als mein Freund eingezogen ist, haben wir einen neuen Mietvertrag aufgelegt in dem sie dann auch festgehalten hat, dass sie sich bis ende Januar um den Schimmel kümmern wird.

    In dem Prozess stecken wir gerade. Meine Vermieterin hat einen Spezialisten rangeholt, dem ich aber bisher lediglich Fotos geschickt habe. Persönlich hat er sich das ganze noch nicht angeguckt. Er hat mir ihr telefoniert und dann mit mir und anschließend habe ich sie angerufen um zu gucken wie wir weiter verfahren. Sie meinte er habe ihr gesagt es läge an unserer "Lebensweise", er wär also quasi unsere Schuld dass der Schimmel da ist. Uns aber hat er gesagt es liegt an Gegebenheiten der Wohnung. Was genau da passiert ist, ob er uns beiden unterschiedliche Sachen gesagt hat oder ob sie nur gehört hat was sie hören wollte, das weiß ich nicht. Jedenfalls haben wir uns daraufhin am Telefon gestritten. Meine Vermieterin meinte sie macht den Schimmel weg, aber will keine großen Umbauarbeiten anfangen (wie vom Experten empfohlen). Mir ist das egal, hauptsache der Schimmel ist für jetzt weg. Wenn der dann wiederkommt soll es ihr Problem sein. Naja, so haben wir das aufgelegt, beide Seiten sehr frustriert vom Gespräch weil es zu einem Streit kam.


    Jetzt kommt es zur eigentlichen Problematik. Ich habe meinen Freund am nächsten Tag gebeten sie anzurufen und zu planen, wann die Schimmelentfernung stattfinden soll ect, weil ich gemerkt habe dass es mich sehr mitnimmt mich mit ihr auseinander zu setzen und ich mich dem Stress entziehen wollte, zudem ich wie gesagt schwanger bin.


    Nachdem sie erst meinte sie entfernt den Schimmel nur in dem einen Raum (der, der am stärksten betroffen ist), kam sie mit einem meiner Meinung nach seeehr dreisten Vorschlag an: Sie möchte den Mietvertrag ändern auf einen befristeten Mietvertrag (6 Monate) weil ihr das Gespräch mit mir sehr zugesetzt hat und das Vertrauen weg sei.

    In den fast vier Jahren, in denen ich hier lebe, ist keine Mietzahlung zu spät gekommen, in der Wohnung ist nichts beschädigt, wie sind nie negativ aufgefallen.

    Sie will uns einfach raushaben weil wir uns gestritten haben, weil ich ihr ganz klar meine Meinung und mein Entsetzen über die Situation gezeigt habe und was mich daran am meisten verletzt ist, dass sei damit ihre Machtstellung ausnutzt.


    Der lange Text mit vielleicht vielen unnötigen Details tut mir sehr leid, mich beschäftigt das alles emotional enorm.

    Das Ding ist, das wir 2021 eh defintiv ausziehen wollten, nach der Geburt. Mein Kind kommt Ende Februar und die Wohnung ist einfach zu klein und wohl fühle ich mich hier schon lange nicht mehr. Das Problem ist allerdings die Wohnungssuche, die sich als besonders schwierig in unserer Stadt herausstellt, unter anderem auch weil wir beide noch Studenten sind.

    Deswegen möchte ich keinen befristeten Mietvertrag eingehen, ich möchte die Gefahr vermeiden mit meiner kleinen Familie unter ne Brücke ziehen zu müssen.


    So, jetzt konkret meine Frage: Kann sie den seit Anfang Dezember 2020 bestehenden Vertrag einfach ändern in einen befristeten (6 Monate) Vertrag? Nach einpaar Recherchen hatte ich erstmal den EIndruck dass das nicht geht ohne dass sie eine Begründung dafür hat. Jetzt habe ich aber die Sorge, dass wenn wir sagen wir machen bei einem befristeten Mietvertrag nicht mit, sie uns andersweitig versuchen wird rauszuekeln. Könnte sie beispielsweise eine spontane Mieterhöhung bewirken? Wenn ja, muss sie diese bei den beiden anderen Parteien im Haus ebenfalls durchsetzen?


    Ich freue mich wirklich sehr über jegliche Gedanken und Tipps zu unserer Situation!!

    Liebe Grüße!

  • Ein bestehender Mietvertrag kann nicht einfach so einseitig geändert werden, auch nicht mit Begründung. Solange ihr nichts neues unterschreibt, kann euch in der Hinsicht nichts passieren.


    Eine Mieterhöhung kann sie bei entsprechender Begründung gemäß § 558 BGB und Frist verlangen. Dabei steht es ihr frei, welchen Parteien sie ein solches Mieterhöhungsverlangen zukommen lässt. Sie könnte es also nur euch zukommen lassen und bei den anderen Parteien die Miete beibehalten.


    Im Bezug auf die Beseitigung des Schimmels ist es durchaus so, dass die Vermieterin hier auf Zeit spielen kann. Tatsächlich sind Schimmelprobleme häufig nutzerbedingt, in Kombination mit ungünstigen baulichen Voraussetzungen. Wenn Schimmel an Außenwänden, insbesondere in Ecken, auftritt, dann ist es häufig so, dass die Ecke baulich bedingt besonders kalt ist und durch den Nutzer nicht ausreichend geheizt wird, um dem entgegen zu wirken. Wenn nun nicht genug gelüftet wird, schlägt sich Feuchtigkeit nieder. Natürlich gibt es auch rein baulich bedingten Schimmel, wenn es zu Wassereintritt kommt, der so nicht sein sollte. Allerdings ist es dies aus meiner Erfahrung eher selten der Fall. Aus diesem Grund kommt es hier sehr häufig zu Streitigkeiten zwischen Mieter und Vermieter, die oft vor Gericht oder zumindest beim Gutachter enden. Das kostet meist erheblich Geld.


    Wenn ihr ohnehin nicht langfristig in der Wohnung bleiben wollt, würde ich persönlich eher dazu raten, noch einmal den Schimmel selbst zu beseitigen oder zumindest nicht den gerichtlichen zu gehen, sodass ihr Ruhe habt bis zum Frühjahr und zum Auszug. Da der Schimmel deiner Aussage nach nur an Außenwänden und nur im Winter auftritt, spricht das mindestens für ein Mitverschulden durch den Nutzer, sodass ihr evtl. ohnehin am Ende an Kosten beteiligt werden würdet. Aber das ist nur meine persönliche Einschätzung der Situation.

  • Vielen Dank für die schnelle und wirklich sehr hilfreiche Antwort! Es ist gut zu wissen woran man ist. Mal gucken wie sich das ganze jetzt weiterentwickelt..