Heizkosten wurden extrem hoch geschätzt

  • Ich habe gestern meine Betriebskostenabrechnung erhalten, die meiner Meinung nach viel zu hoch ist. Ich musste dann feststellen, dass der Heizkostenanteil nur geschätzt wurde obwohl die Zähler abgelesen wurden.

    Die Begründung hierfür war:


    "Versehentlich wurden erneut die Endwerte des Vorjahres als Ablesewerte für den Abrechnungszeitraum 02/2020 erfasst, so dass der Verbrauch geschätzt werden musste"


    Das Problem jedoch ist, dass der geschätzte Verbrauch fast drei Mal so hoch ist, wie der Verbrauch zum Vorjahr.


    Wie genau die Schätzung vorgenommen wurde ist mir nicht ersichtlich jedoch stellen sie klar, dass die Vorjahreswerte irrelevant sind:


    "Vorjahreswerte

    Ablesewerte unterschiedlicher Heizperioden können nicht miteinander verglichen werden und erlauben keinen Rückschluss auf die Höhe der Kosten."


    Ist es rechtens, dass sie durch einen selbst verursachten Fehler meine Heizkosten schätzen, die Werte des Vorjahres komplett außer acht lassen und dann auch noch fast das dreifache verlangen?


    Sie besaßen auch noch die Frechheit mir im gleichen Brief mitzuteilen, dass meine Betriebskostenvorrauszahlungen jetzt um 10€/Monat erhöht werden, da meine Betriebskosten ja dieses Jahr (durch ihre hohe Schätzung) erhöht war.

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  • Ist es rechtens, dass sie durch einen selbst verursachten Fehler meine Heizkosten schätzen

    Ja, das ist möglich.

    die Werte des Vorjahres komplett außer acht lassen und dann auch noch fast das dreifache verlangen?

    Auch das ist grundsätzlich möglich.


    Wie genau die Schätzung vorgenommen wurde ist mir nicht ersichtlich

    Laut BGH ist das auch nicht notwendig.


    Jetzt noch paar allgemeine Ausführungen:

    - Eine Schätzung ist voll gerichtlich überprüfbar, also ob geschätzt werden durfte und wie geschätzt wurde.

    - Es ist vom Gesetz zulässig unterschiedliche Schätzungsgrundlagen zu nutzen. Etwa der Verbrauch von vergleichbaren Wohnungen im Haus oder aber der Vorjahresverbrauch, dass ist die Entscheidung des Vermieters

    - Es gibt bestimmte Grenzen. Eine Schätzung wie gerade beschrieben ist etwa nicht möglich, wenn mehr als 25% der Gesamtwohnfläche des Hauses geschätzt werden muss. Dann ist die Gesamtverbrauch nach qm zu berechnen und der Mieter darf um 15% kürzen.


    Ob bei dir nun korrekt geschätzt wurde lässt sich also nicht anhand deiner Ausführungen feststellen.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.