Schadstoffuntersuchung als Mieter

  • Hallo,


    wir wohnen als Mieter in einem Mehrfamilien-Haus mit BJ 1960.

    Da das Haus seitdem nicht renoviert wurde (von Kleinigkeiten abgesehen: Boiler, Laminat, ...), befüchten wir als Mieter, dass wir auf Dauer möglicherweise Schadstoffen ausgesetzt sind.

    Daher würden wir gerne auf die gängigen/ wahrscheinlicheren Schadstoffe testen.


    Die erste Frage wäre, ob wir das als Mieter selbst machen müssen (vermutlich nicht) bzw. dürfen (vermutlich schon) und wer die Kosten trägt (vermutlich wir selbst). Und was passiert falls es tatsächlich etwas gibt (vermutlich muss der Vermieter dann was machen)?


    Hintergrund:

    Wir wohnen seit über 7 Jahren in der Wohnung und haben vor, auch länger noch wohnen zu bleiben, möchten aber möglichst alle Gesundheitsrisiken ausschließen.


    Im (feuchten) Keller haben wir zwei Sportgeräte zum Trainieren stehen. Nachdem wir den PVC(?)-Bodenbelag entfernt und den Raum über längere Zeit entfeuchtet und mit Anti-Schimmelmittel aus dem Supermarkt behandelt haben (der Entfeuchter läuft konstant), war er auch benutzbar. Es ist aber kein "Wohnraum" (keine Heizung/Wasseranschluss).


    Auch wenn alles eher unwahrscheinlich ist, würde ich gerne testen auf:


    Radon:

    wg. Sport im Keller. Laut Karte haben wir in der Region aber keine "hohen" Radon-Werte zu erwarten.


    Asbest:

    Unbekanntes Material des Keller-Fußbodens (war das PVC, ist das Putz/Klebstoffe?), ansonsten aber keine Wellplatten und keine Nachtspeicheröfen vorhanden.


    Formaldehyd:

    Kein Fertighaus oder Holzschutzmittel (nur Innentrennwände und lackierte Türen), insofern unwahrscheinlich.


    Schimmel:

    Ebenfalls unwahrscheinlich, da wir gut lüften und auch den Kellerraum aktiv entfeuchten und zumindest kein Schimmel sichtbar ist.



    Auf die Gefahr hin, dass dies vielleicht nicht das richtige Forum ist, noch die weitere Frage:

    Hat jemand solche Tests schon mal gemacht und kann Tipps geben, wie/wo man das am besten (und idealerweise günstig) machen (lassen) kann?


    Das würde mich sehr beruhigen und ich freue mich über Hinweise und Tipps.


    Danke!

  • Anzeige
  • Hallo,

    Die erste Frage wäre, ob wir das als Mieter selbst machen müssen (vermutlich nicht) bzw. dürfen (vermutlich schon) und wer die Kosten trägt (vermutlich wir selbst). Und was passiert falls es tatsächlich etwas gibt (vermutlich muss der Vermieter dann was machen)?

    Auf eigene Kosten könnt ihr das testen, solange ihr keine Substanz dabei beschädigt oder Gefährdung auslöst.


    Thema Radon: was wenn ihr erhöhte Radonwerte findet? Ihr habt dennoch keinen Anspruch darauf, dass der Vermieter das Haus komplett aufgräbt (falls überhaupt möglich) und alles Radon sicher macht.

    Asbest:

    Unbekanntes Material des Keller-Fußbodens (war das PVC, ist das Putz/Klebstoffe?), ansonsten aber keine Wellplatten und keine Nachtspeicheröfen vorhanden.

    Hier sind wir schon an einem entscheidenden Punkt. Wenn ihr evtl. asbesthaltige Bauteile zur Probeentnahme beschädigt, kann dies zu großen Problemen und Kosten führen. Beschädigte Bauteile, die dann eine Gefahr darstellen im Gegensatz zu unbeschädigten, müssen dann teuer entsorgt werden und dafür müsst ihr u.U. als Verursacher gerade stehen. Zusätzlich habt ihr euch und ggf. andere Mitbewohner einem unnötigen Risiko ausgesetzt.


    Neben dem großen Problem der Probenentnahme stellt sich auch die Frage, was ihr von diesem Wissen habt. Unbeschädigte Asbestteile sind ungefährlich und es besteht keine Verpflichtung für den Vermieter, diese zu erneuern. Euch bliebe nur der Auszug.

    Formaldehyd:

    Kein Fertighaus oder Holzschutzmittel (nur Innentrennwände und lackierte Türen), insofern unwahrscheinlich.

    Das bezweifle ich, jedenfalls wenn in der Wohnung Laminat o.ä. verlegt ist oder Möbel aus Holzwerkstoffen genutzt werden. Formaldehyd findet man in fast allen Holzwerkstoffen, d.h. auch in Faserplatten wie sie als Träger für Laminat oder andere Fußbodenbeläge verwendet werden. Dazu in fast allem (günstigen) Möbelholz, da dieses in den Klebstoffen der Spanplatten enthalten ist. Es ist alles eine Frage der Dosis.


    Einen Anbieter kann ich dir nicht nennen und ich würde mir auch wirklich die Frage stellen, ob sich das lohnt und was du erreichen möchtest. Viele Produkte, auch solche die Mieter selbst mitbringen, wie übliche Dispersionsfarbe, aber auch Tür- und Fensterschaum, Bodenbeläge usw. und eben auch ganz normale Möbel sind in gewissem Maß schadstoffbelastet. Allerdings trifft das damit auf sehr viele Wohnungen zu, sodass ihr hier als Mieter kaum etwas verändern oder verbessern könnt. Wir haben als Eigentümer bei der Sanierung darauf geachtet und es ist a) schwer, überhaupt für alle Bereiche schadstofffreie Produkte zu finden, und b) ist das wirklich teuer. Im normalen Mietwohnungsbau wird man das nicht finden, weil sich das einfach nicht rechnet, für alles 2-3x so viel oder mehr zu bezahlen. Leider kommt das Bewusstsein für Wohngesundheit erst so langsam in den Köpfen der Menschen an und ist noch lange nicht Standard.


    Ansprüche gegen den Vermieter habt ihr in den meisten Fällen nicht. Wenn ihr gesundheitsschädliches Asbest oder Schimmel findet, muss der Vermieter dennoch erst tätig werden, wenn dies durch einen Sachverständigen offiziell nachgewiesen ist. Beim Schimmel kommt dann noch dazu, dass die Bausubstanz die Ursache sein muss und nicht ggf. euer Nutzerverhalten. Ein Keller aus den 60igern, der üblicherweise noch nicht über vertikale Abdichtungen verfügt, ist als Aufenthaltsraum, auch für Sport, ungeeignet. Maximal als Lagerraum und auch das nur bedingt.

  • Vielen Dank für die ausführliche Antwort!


    Der Grund, warum wir testen wollen ist, dass wir ein gesundheitliches Risiko sehen, wenn wir noch einige Jahre hier wohnen (evtl. mit Neugeborenen) und auch z.B. Sport im Keller machen.


    Bevor ich aber mehrere hundert Euro in irgendwelche Tests aus dem Internet investiere, dahte ich frage ich mal nach, wie man das Thema insgesamt angehen sollte und was ggf. zu beachten ist.


    Thema Radon: was wenn ihr erhöhte Radonwerte findet? Ihr habt dennoch keinen Anspruch darauf, dass der Vermieter das Haus komplett aufgräbt (falls überhaupt möglich) und alles Radon sicher macht.

    Dann könnten wir zumindest zum eigenen Gesundheitsschutz darauf reagieren, also z.B. den Bereich (Keller?) meiden bzw. dort keinen Sport mehr machen.

    Ein Keller aus den 60igern, der üblicherweise noch nicht über vertikale Abdichtungen verfügt, ist als Aufenthaltsraum, auch für Sport, ungeeignet. Maximal als Lagerraum und auch das nur bedingt.

    Kannst du dies noch weiter ausführen - inwiefern ungeeignet?

    Zumindest mit dem Entfeuchter ist der Keller trocken und schimmelfrei.

    Wenn es dennoch gesundheitliche Risiken geben könnte, wäre ich für Hinweise dankbar!

  • Kannst du dies noch weiter ausführen - inwiefern ungeeignet?

    Zumindest mit dem Entfeuchter ist der Keller trocken und schimmelfrei.

    Wenn es dennoch gesundheitliche Risiken geben könnte, wäre ich für Hinweise dankbar!

    Üblicherweise sind in so alten Keller keine Aufenthaltsräume zulässig. Es fehlt in der Regel Licht, Belüftung und vermutlich auch dem 2. Fluchtweg. Gerade für Sport wäre eine gute Belüftung wichtig.