zerkratzter Parkettboden - Vorgehen bei Auszug

  • Hallo zusammen,


    wir werden in 3,5 Monaten aus unserer Wohnung ausziehen. Vor der Übergabe fragen wir uns, wie wir mit unserem Parkettboden umgehen sollen:

    Es handelt sich um einen Fischgrätenparkettboden, Verlegedatum unbekannt. Wann er zuletzt aufbereitet wurde wissen wir auch nicht. Als wir vor 3,5 Jahren eingezogen sind war er quasi unbeschädigt aber nicht frisch aufbereitet.

    Durch unseren Hund sind während unserer Nutzung fast überall Kratzer auf dem Boden entstanden. Diese sind teils oberflächlich, teils auch etwas tiefer.

    Wir sind grundsätzlich einer einvernehmlichen Lösung gegenüber aufgeschlossen und es ist uns bewusst, dass wir nicht "ungeschoren" aus der Sache rauskommen. Da unsere Vermieterin aber sehr penibel in solchen Angelegenheit ist, fragen wir uns, wie wir uns bis zum Auszug verhalten sollen (Abwarten bis zur Wohnungsübergabe oder aktives Ansprechen im Vorhinein) und, ob die Vermieterin uns gegenüber in der Pflicht ist, Alter und Zeitpunkt der letzten Aufbereitung nachzuweisen.


    Ich freue mich auf Eure Antworten!


    Fabian

  • Die Abnutzung durch normalen und üblichen Gebrauch der Wohnung ist Sache des Vermieters. Deshalb hat der Vermieter im Sinne des §538 BGB zu erklären und zu begründen, wenn er der Meinung ist, dass man als Mieter aufgrund von schuldhaftem oder fahrlässigem Verhalten für einen Schaden aufkommen muss. Kann er das nicht, kann er auch keinen Schadenersatz verlangen.


    Die Abnutzung durch normales Laufen über den Boden ist ganz normal, dazu ist ein Boden nunmal da. Und ja, dazu gehört genauso auch, wenn ein Hund da ist, der naturgemäß auch über den Boden läuft. Dass er Krallen hat, die vielleicht etwas mehr Abnutzung verursachen können, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Auch die Absätze von so manchen Schuhen können Spuren hinterlassen.

  • (Abwarten bis zur Wohnungsübergabe oder aktives Ansprechen im Vorhinein)

    Das hängt meiner Meinung nach davon ob ob es sich in der Tat um Beschädigungen oder nur um normale Abnutzung handelt. Tiefe Kratzer im Parkett zählen meines Wissens aber wohl im allgemeinen nicht unter normale Abnutzung.

    Wenn es sich also um Beschädigungen handelt würde ich das im Vorfeld mit dem Vermieter und evtl. der Versicherung klären.

  • Tiefe Kratzer im Parkett zählen meines Wissens aber wohl im allgemeinen nicht unter normale Abnutzung

    Das kann man nicht so pauschal sagen, sondern es kommt darauf an, wie sie entstanden sind. Hat man beispielsweise einen rollbaren TV Tisch, dann ist es meistens normale Abnutzung, wenn durch die Rollen Kratzer entstehen, denn der Tisch ist ja dafür vorgesehen, bewegt zu werden. Verschiebt man hingegen ein Sofa, dann sind Kratzer dadurch eher fahrlässig, denn ein Sofa ist nicht dafür vorgesehen, verrutscht zu werden, sondern es steht an einem festen Platz.

  • sondern es kommt darauf an, wie sie entstanden sind.

    Also meines Wissens kommt es darauf an ob tatsächlich eine Beschädigung oder eine Abnutzung vorliegt?

    Und wenn eine rollbarer TV Tisch tatsächlich zu übermäßiger Abnutzung innerhalb kurzer Zeit oder zur Beschädigung eines Parkettpodens führt hat der Mieter doch offensichtlich seine Fürsorgepflicht verletzt? Ist ja wohl nicht so das das unvermeidlich wäre?

  • . Dass er Krallen hat, die vielleicht etwas mehr Abnutzung verursachen können, spielt dabei überhaupt keine Rolle.

    Das ist ein erheblicher Unterschied, da ein Hund grundsätzlich eine sehr viel stärke Abnutzung verursacht und aus diesem Grund keine übliche Abnutzung mehr ist, sondern ein Schaden darstellt. So hat etwa ein Gericht gesagt, der Mieter haftet, weil er dem Hund keine Hundesocken beschafft hat.


    Daher kommt es nicht unbedingt auf den Hund an, sondern auf den Richter und wie er es sieht. Man wird sich die lokale Rechtsprechung anschauen müssen um das besser einschätzen zu können. Da gibt es keine einheitliche Rechtsprechung.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • Ich sagte ja bereits, dass es darauf ankommt, wie es konkret zu den Schäden gekommen ist. Und das Urteil, auf das du dich beziehst, stellt ja auch heraus, dass das Herumlaufen des Hundes üblicher Gebrauch ist. Das mit den Hundesocken kam dann erst in dem Zusammenhang in die Argumentation, sobald man als Mieter mit einer stärkeren Abnutzung rechnen muss, z.b. bei ausgiebigem Scharren oder Spielen. Das ist dann wieder eine ganz andere Situation als nur das Umherlaufen.