Fristlose und fristgerechte Kündigung erhalten

  • Hallo,


    wir sind verzweifelt und brauchen einen Rat. Termin beim Anwalt haben wir am Montag.


    Es gab vor einigen Tagen, eine Streitigkeit mit einem Nachbarn der mit einer Anzeige bei der Polizei bzgl. Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung von uns endete. Der Nachbar erstattete ebenfalls Anzeige wegen versuchter Körperverletzung und Sachbeschädigung. Da wir unsere Wohnung mittels Kameras überwacht haben war es für uns gegenüber dem Vermieter einfach nachweisbar und die betreffende Person hat die fristlose Kündigung erhalten. Kurze Anmerkung: Die Kameras sind mittels gut sichtbaren Hinweisen sowohl außerhalb der Wohnung als auch innerhalb der Wohnung angekündigt. Diese Person hat sich ebenfalls bei unserem Vermieter (allerdings ohne Beweise) sondern nur schriftlich beschwert weshalb wir jetzt auch die fristlose sowie die fristgerechte Kündigung erhalten haben.

    Das Mietverhältnis wird fristlos gemäß § 569 Abs 2 BGB gekündigt. Die fristlose Kündigung beruht sich auf § 573 Abs 2 Nr 1 BGB.


    Kurz zur Sache: Wir hatten bevor es zur Streitigkeit gab, eine Diskussion mit den Nachbarn untern uns wegen herabfallender Blätter unserer Balkonblumen. Dies hörte sich der Nachbar der ebenso wie wir die fristlose Kündigung erhalten hat an. Wir haben ihm gesagt, er soll in seine Wohnung gehen und sich um seine Angelegenheiten kümmern. Die anderen Mieter gingen nach dem die Sache mit den Blütenblättern geklärt war und wir baten den anderen Mieter erneut in seine Wohnung zu gehen. Er fuchtelte wild um sich in unmittelbarer Nähe zu mir. Mein Mann ging zu ihm und sagte er soll jetzt endlich in seine Wohnung gehen. Wir taten dies ebenso und wollten gerade die Türe schließend als er wutentbrannt unsere Wohnung stürmte und auf uns los ging. Er versuchte meinem Mann einen Schlag zu versetzten. Dieser wehrte den Schlag ab und der Nachbar ging zu Boden, fiel dabei fast auf unseren Hund und beschädigte unseren Schuhschrank. Dies ist alles auf der Kameraufnahme erkennbar. Er teilte jedoch dem Vermieter eine falsche Schilderung mit. Mein Schwiegervater hätte ihm Schläge angeboten. Ich solle ihm gesagt haben, wir melden dich solange bei der Verwaltung bis du deine Wohnung verlierst. Irgendjemand von uns soll gegen seine Türe geschlagen und diese beschädigt haben. Als er diese öffnete soll mein Mann aus unserer Wohnung gestürmt sein. Wer hat dann gegen seine Tür geschlagen? Wir haben uns die ganze Zeit in unserer Wohnung befunden. Mein Mann soll ihn ebenfalls auf gefordert haben ihm eine herunterzuhauen. Anstelle dessen soll mein Mann ihm dann eine gescheuert haben und zurück in unsere Wohnung gegangen sein.


    Den Sachverhalt habe ich etwas zusammen gefasst. Wir haben uns nie etwas zu schulden kommen lassen oder eine Abmahnung erhalten.


    Ist die fristgerechte Kündigung gerechtfertigt oder eher aussichtslos für den Vermieter? Wie sieht es parallel dazu mit der fristgerechten Kündigung aus?


    Vielen Dank für euren Rat!

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  • Bei solchen Verstößen ist in der Regel eine Abmahnung nötig, bevor man eine Kündigung aussprechen kann.

    Ausnahmen bestätigen die Regel und hier kommt es auf die "Schwere" des Vergehens an.


    Wie wurde die Kündigung denn begründet?

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Ein einzelner Vorfall kann in der Regel eine Kündigung nicht rechtfertigen. Das ist zunächst mal eine Angelegenheit zwischen den Nachbarn, was diese zivil- oder strafrechtlich untereinander zu klären haben. Es liegt einfach in der menschlichen Natur, dass ein Streit mal eskalieren kann. Es muss schon häufiger zu Vorfällen kommen, dass man von Störung des Hausfriedens sprechen kann und davon, dass die Forführung des Mietverhältnisses unzumutbar ist.

  • Ich habe dazu eine andere Ansicht.


    Meiner Meinung nach kann bereits eine einmalige (auch nur versuchte) Körperverletzung eine fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnung rechtfertigen. Durch den Angriff auf den Körper wird der Hausfrieden massiv und nachhaltig gestört, da sich das Opfer nicht mehr sicher fühlen kann. Es geht ja nicht nur um bloße Unhöflichkeiten oder andere lautstarke Streitigkeiten. Natürlich ist es am Ende vom Richter abhängig wie er es beurteilt, aber für mich persönlich ist es wahrscheinlicher das die Kündigung als rechtmäßig angesehen wird.


    Wer was konkret beweisen kann, ob die Aufnahmen verwertet werden und was diese genau belegen ist dann eine ganz andere Sache, die hier nicht beurteilt werden kann.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.