Vermieter verlangt lange Kündigungsfrist nach Wohnungsübergabe

  • Hallo, ich glaube, ich habe jetzt ein großes Problem. Wegen eines neuen Jobs muss ich meine jetzige Stadt und Wohnung verlassen. Ich habe meiner Vermieterin im April per Whatsapp und dann per Mail mit ordentlichem Protokoll mitgeteilt, dass ich ausziehe. Sie hat dem zugestimmt und in Whatsapp geschrieben:




    "Da die Kündigungsfrist 2 Monate beträgt, bitte ich nur darum, den Stromvertrag nicht abzumelden, da es sehr viele Kosten verursachen wird, den Strom neu anzumelden".




    Gestern haben wir beide schon das Wohnungsübergabeprotokoll unterschrieben, in dem steht, dass die Wohnung keinen Mangel hat und ich am 29. ausziehe.




    Aber in den letzten 2 Wochen hat sie Monteure und neue Wohnungsbesucher 8 mal(Gesamtperson: 12-13) in meine Wohnung gelassen. Es ist ein großes Problem, weil wir noch keine Impfung erhalten haben und es gibt 2 Diabetiker in meinem Haus. Ich habe sie freundlich gebeten, für die nächsten 8 Tage keine weiteren Personen zur Renovierung zu schicken. Aber sie ist nicht einverstanden und sie zwingt mich, neue Personen zuzulassen. Dann habe ich die Polizei und den Mieterbund angerufen, um nach meinen Rechten zu fragen. Sie sagten mir, dass ich keine weiteren Personen zulassen muss. Heute schickt sie mir eine Nachricht, dass sie mich zur Zahlung von 2 weiteren Monatsmieten zwingen will, weil ich keine weiteren Personen in meiner Wohnung zulasse.




    Kann sie das tun, nachdem sie vorher die 1 Monatsmiete vereinbart hat und das Übergabeprotokoll unterschrieben hat? Kann mir bitte jemand einen Rat geben? Wir haben jetzt viele Stress.



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  • Also der Mietvertrag wurde eh nicht gekündigt, das kann nur schriftlich erfolgen, weder per Whatsapp noch Mail.


    Aber es wurde wohl ein Aufhebungsvertrag geschlossen mit dem Übergabeprotokoll.


    Grundsätzlich ist der Mieter bei einer Kündigung verpflichtet neue Mietinteressenten in die Wohnung zu lassen. Wie oft ist in der Rechtsprechung unterschiedlich geregelt. Aber weder Corona noch die Diabetes Erkrankungen sind ein echter Versagungsgrund. Es müssen sich nur an die üblichen Regeln gehalten werden, also nicht zu viele Personen, am Besten mit Maske usw.

    Heute schickt sie mir eine Nachricht, dass sie mich zur Zahlung von 2 weiteren Monatsmieten zwingen will, weil ich keine weiteren Personen in meiner Wohnung zulasse.

    Hier wird es dann ein bisschen komplizierter. Grundsätzlich geht das natürlich nicht, aber von einem Aufhebungsvertrag kann man auch zurück treten, wenn er nicht ordnungsgemäß erfüllt wird. Grundsätzlich würde für mich auch das Zulassen von Handwerker und Besichtigungen dazu gehören, aber nachgelesen habe ich das nun nicht.


    Ob das wirklich zum Rücktritt berechtigt weiß ich auch nicht. Aber einfach nein zu sagen und sich komplett zu sperren ist eventuell auch nicht die Beste Handlungsmöglichkeit. Daher lieber versuchen eine Einigung zu finden.


    "Da die Kündigungsfrist 2 Monate beträgt, bitte ich nur darum, den Stromvertrag nicht abzumelden, da es sehr viele Kosten verursachen wird, den Strom neu anzumelden".

    Darauf achten, dass der Vertrag dann umgeschrieben wird, nicht das man für die Nachmieter Strom mit bezahlt.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • Ob das wirklich zum Rücktritt berechtigt weiß ich auch nicht

    Nein, zum Rücktritt vom Aufhebungsvertrag berechtigt das nicht. Aber man macht sich als Mieter eventuell schadenersatzpflichtig, wenn man die nahtlose Weitervermietung durch die unberechtigte Versagung von Terminen verhindert hat. Und dieser Schadenersatz macht in der Regel die Miete aus, die dem Vermieter dadurch entgangen ist, also z.b. eine Monatsmiete.

  • Ob das wirklich zum Rücktritt berechtigt weiß ich auch nicht. Aber einfach nein zu sagen und sich komplett zu sperren ist eventuell auch nicht die Beste Handlungsmöglichkeit. Daher lieber versuchen eine Einigung zu finden.

    Guten Morgen Fruggel , darkshadow ,

    Erst einmal vielen Dank für Ihre Antwort. Bitte raten Sie mir, ob die Vermieterin das Recht hat, mich zu zwingen, 13 Personen in meinem Haus in 2 Wochen zu betreten?

    Ich hatte kein Problem, für zusätzliche Monatsmiete zu zahlen. Ich habe sie vorher gefragt, ob sie will, sie sagte mir nein. Ich habe ihr 3 mal angeboten, einen neuen Mieter zu finden. Sie hat immer nein gesagt. Das wird sie schon selber finden.


    Ihr Mann kam gestern in meine Wohnung und schrie mich an, weil ich den Garagenschlüssel behalten wollte. Er sagte mir, dass ich die Schlüssel zurückgeben muss, obwohl ich meine Miete bis zum 31. Mai bezahlt habe. Ich habe bereits 60% des Schlüssels abgegeben. Die Vermieterin sagte, dass ihr Mann so ist, immer wütend.


    Im Wohnungsübergabeprotokoll steht, dass ich die Wohnung am 29. Mai verlassen werde. Das haben wir beide unterschrieben.

  • Bitte raten Sie mir, ob die Vermieterin das Recht hat, mich zu zwingen, 13 Personen in meinem Haus in 2 Wochen zu betreten?

    Das dürfen wir nicht, da dies eine Rechtsberatung im Einzelfall wäre. Das kann so konkret nur ein Anwalt beurteilen.


    Wohnungsbesichtigung für Nachmieter - Rechte von Mieter und Vermieter


    Einfach mal nachlesen.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • darkshadow, Vielen Dank für den Link. Ich habe dort gefunden:


    Die Rechtsprechung hat in zahlreichen Urteilen herausgearbeitet, dass es ausreichend ist, wenn der Mieter Besichtigungen ein bis zweimal pro Woche für 2-3 Stunden duldet (LG Kiel, WM 1993, 52 und LG Frankfurt a. M., NZM 2002, 696). Das Landgericht Frankfurt hält Besichtigungen dreimal monatlich von 19-20 Uhr für jeweils 30-45 Minuten für zumutbar (LG Frankfurt a. M., Az.: 2/17 S 194/01). Das Landgericht Kiel entschied mit Urteil vom 01.06. 1992 – 1 S 26/91, dass es nicht vertragswidrig ist, wenn Besichtigungen vom Mieter nur einmal pro Woche geduldet werden.

    Ich habe bereits 8 Besuche in 14 Tagen erlaubt. Ich sollte das Recht haben, NEIN zu sagen.