Wohnungsbesichtigung durch Vermieter

  • Hallo,


    ich habe in der letzten Woche meine Wohnung gekündigt und mein Vermieter will verständlicherweise die Wohnung besichtigen und auf Mängel hin überprüfen. Er möchte nun unbedingt in den kommenden 2 Wochen einen Besichtigungstermin vereinbaren; zwei Terminvorschläge von mir hat er allerdings abgeblockt. Nun ist es so, dass ich in 6 Wochen eh ausziehe und ich auch kommuniziert habe, dass ich dann auch die Wohnungsübergabe machen möchte. Das Mietverhältnis dauert regulär bis Jahresende. Nun ist es aber so, dass der Gute schon ziemlich penetrant ist mit seiner Forderung, die Wohnung in den nächsten 2 Wochen zu besichtigen - nur: ich habe tatsächlich keine Zeit. Die beiden vorgeschlagenen Termine waren die einzig für mich möglichen.

    Nun frage ich mich natürlich: kann bzw. darf ich darauf verweisen, dass die Wohnung in 6 Wochen frei wird und mein Vermieter sich dann so lange und so oft darin aufhalten kann, wie er lustig ist!?

    Vielleicht noch wichtig: Ich bin erst vor 18 Monaten in diese Wohnung eingezogen. Es gibt keine von mir gemeldeten Wohnungsmängel.

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  • Schwierig....Grundsätzlich kann der Vermieter eine Wohnungsbesichtigung durchführen und er hat auch das Recht, dies in einer angemessenen Frist von ca. 2-4 Tagen zu tun.

    Du kannst also nicht erwarten, dass er 6 Wochen wartet.


    Ihr müsst euch hier irgendwie einigen.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Grundsätzlich kann der Vermieter eine Wohnungsbesichtigung durchführen und er hat auch das Recht

    Das ist falsch. Ein grundsätzliches Besuchsrecht hat ein Vermieter nicht, sondern nur bei einem konkreten Anlass. Die Wohnung auf irgend welche Mängel abzusuchen gilt nicht als konkreter Grund.

  • Das ist falsch. Ein grundsätzliches Besuchsrecht hat ein Vermieter nicht, sondern nur bei einem konkreten Anlass. Die Wohnung auf irgend welche Mängel abzusuchen gilt nicht als konkreter Grund.

    Nicht grundsätzlich, aber hier wurde die Wohnung gekündigt, sodass ich beim Vermieter schon einem konkreten Anlass und auch berechtigtes Interesse sehe, die Wohnung auf Mängel bzw. Renovierungsbedarf zu besichtigen und für die Zeit unmittelbar nach Wohnungsübergabe Handwerker zu organisieren. Das Einholen von Angeboten bzw. Auftragsvergabe bis zur Ausführung braucht nicht selten einige Wochen. Sonst droht ja unnötiger Leerstand, wenn diese Besichtigung erst kurz vor oder gar nach Wohnungsübergabe stattfinden kann. Ich weiß nicht, ob man bei der aktuellen Auftragslage 6 Wochen wirklich als ausreichend ansehen würde.

  • die Wohnung auf Mängel bzw. Renovierungsbedarf zu besichtigen und für die Zeit unmittelbar nach Wohnungsübergabe Handwerker zu organisieren

    Dabei übersiehst du, dass ein Mieter die Nebenpflicht hat, dem Vermieter Mängel in der Wohnung unverzüglich zu melden. Sollte es also tatsächlich Mängel in der Wohnung geben, sollte der Vermieter längst eine Mitteilung bekommen haben und hätte Handwerker bestellen können. Unterlässt der Mieter das, kann er schadenersatzpflichtig werden für alle zusätzlichen Kosten, die wegen der unterlassenen Mitteilung entstehen. Siehe hierzu §536c BGB.


    Aus diesem Grund hat ein Vermieter kein allgemeines Recht zur Besichtigung, auch nicht zum Ende der Mietzeit.


    Natürlich kann es durchaus sinnvoll sein, vorab mit dem Vermieter eine Begehung zu machen, um abzustimmen, welche Arbeiten man als Mieter noch zu erledigen hat, z.b. Streichen. Da stimme ich völlig zu. Aber einen Anspruch des Vermieters gibt es nicht juristisch gesehen.

  • Es geht doch nicht zwingend um Mängel, sondern auch darum, den Bedarf an Schönheitsreparaturen zu ermitteln und dies ggfs. mit dem Mieter abzusprechen.


    ich sehe dies schon als guten Grund an, um eine Besichtigung durchzuführen.


    Ich führe das noch kurz etwas aus:

    Es ist es natürlich erst einmal richtig, dass eine grundlose Besichtigung in der Regel nicht möglich ist. Hier soll sowohl Wohnung, als auch Mieter geschützt werden.


    Die Rechtsprechung sieht eine Besichtigung im Zuge einer Weitervermietung als gültigen Grund an. Diese Besichtigung muss aber nicht zwingend mit einem potentiellen Nachmieter erfolgen, sondern der Vermieter kann den allgemeinen Zustand der Wohnung prüfen, bevor er diese annonciert. Schlimmstenfalls läuft er sonst mit dem Mietinteressenten durch eine "Schrottwohnung".


    Möglich wäre auch, dass ein potentieller Sanierungs-/Modernisierungsbedarf ermittelt wird, um eine zügige Anschlussvermietung zu realisieren.


    Wenn ein Mietverhältnis eindeutig gekündigt ist, finden sich viele plausible Gründe für eine Besichtigung für einen Vermieter und ich bin recht sicher, dass das kaum ein Richter verwehren wird.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Hallo!


    Ergänzend allgemeine Informationen aus mietrechtlicher Sicht zum Thema:



    Es gäbe also schon Gründe für ein Besichtigungsrecht des Vermieters.


    Gruß



  • Es gäbe also schon Gründe für ein Besichtigungsrecht des Vermieters.

    ... Welche aber nicht vorliegen. Der Vermieter hat in dieser Frage hier nur gesagt, dass er die Wohnung auf Mängel überprüfen will. Und das ist kein ausreichener Grund, kein konkreter sachliche Grund, der den Vermieter berechtigen würde.


    Wenn der Vermieter keinen sachlich konkreten Grund angibt (z.B. Besichtigung durch Nachmieter, Zählerablesung, Planung von Modernisierungen etc), kann man als Mieter den Besuch verweigern ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.


    Zur weiteren Lektüre siehe das BGH Urteil vom 04.06.2014 - VIII ZR 289/13.


    sondern der Vermieter kann den allgemeinen Zustand der Wohnung prüfen, bevor er diese annonciert

    Möglicherweise, aber bestimmt nicht, wenn er dann ohnehin noch mehr als 2 Monate Zeit dafür hat. Hierbei überwiegt dann wieder das Recht des Mieters, in Ruhe gelassen zu werden. Das kann dann nicht so dringend sein.

  • Das Problem hier ist, dass die Wohnungsbesichtigung immer eine Einzefallentscheidung ist und auch bleibt, selbst wenn die Rechtsprechung Fallgruppen entwickelt hat. Etwa Wohnungsbesichtigungen, da heißt es, sobald die Wohnung gekündigt wird, kann der Vermieter die Wohnung neuen Mietinteressenten zeigen. Da gilt aber die Gegenausnahme, wenn der Mieter der Kündigung widersprochen hat, weil die Kündigung dann nicht die erforderliche Sicherheit hat.


    Daher steht hier schon sehr viel Richtiges. Der Vermieter hat kein allgemeines Betretungsrecht der Wohnung. Jedoch kann der nahestehende Auszug sehr wohl ein solchen Betretungsrecht auslösen, da geht es aber dann viel mehr um den Einzelfall. Man kann also weder pauschal sagen, es gibt ein solches Recht oder es gibt kein solches Recht.


    Dabei würde ich mich nicht jetzt auf den Wortlaut der Begründung aufhalten. Denn man wird die Begründung immer in Lichte des Auszuges beleuchten müssen, da dieser kurz bevorsteht. Das wird auch hier funktionieren meiner Meinung nach.


    Jetzt kommen wir aber zum Einzelfall und da spricht in meinen Augen mehr gegen ein solches Recht als für ein solches Recht in der Interessenabwägung. Denn die Übergabe soll in 6 Wochen stattfinden, der Mietvertrag läuft noch bis zum Ende des Jahres und der Mieter war darum bemüht. Dass muss man auch berücksichtigen, der Mieter weigert sich nicht, sondern beide haben hier zusammenzuwirken und das versucht auch der Mieter. Jetzt kann man auch noch darüber reden, dass die Ankündigungsfrist in solchen Fällen bereits zwei Wochen ist und der Termin nicht innerhalb von zwei Wochen stattfinden muss.


    Ich würde dazu neigen ein solches Recht abzulehnen, aber ich kann mir vorstellen, dass ein zuständiger Richter das anders beurteilt, weil er gegenüber Vermieter großzügiger ist. Aber darum geht es doch gar nicht mehr. Der Vermieter kann praktisch gesehen nichts machen, eine Klage ist nicht schnell genug und einstweiliger Rechtsschutz wird kaum durchgehen, wenn der Mieter sehr zeitnah aussieht.


    Am Ende bleibt nur die Gefahr einer Schadensersatzklage, wo ich aber erhebliche Probleme in der Kausalität dann erkennen würde und das als unwahrscheinlich einstufe, aber das ist wieder ein anderes Thema.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.