Lärmbelästigung durch Nachbarn - mangelhafter Brandschutz

  • Folgendes Problem:



    Wir sind vor knapp einem Jahr in ein Mehrfamilienhaus mit drei Parteien gezogen, welches leider sehr hellhörig ist. Wir wohnen im vierten und fünften Stock, unser direkter Nachbar im zweiten und dritten und der dritte Mieter im ersten (welcher aber mit der Problematik hier nicht wirklich etwas zu tun hat).


    Wir haben relativ schnell festgestellt, dass der Herr in der Wohnung unter uns scheinbar denkt, dass das Haus ihm alleine gehört. Das Treppenhaus steht voll mit Zeug – Schränken, Spielzeug, Skateboards, „Kunst“ etc., sogar Fotos von ihm hängen dazwischen. Unten im Haus gibt es ein leerstehendes Ladenlokal. Dort steht noch mehr Gerümpel, noch mehr Kunstkram, Müll, Holz, teils offene Lebensmittel, haufenweise privates Zeug und seine Wäsche trocknet er dort auch. Außerdem beharrt er darauf, dass die beiden Haustüren immer abgeschlossen sind, was für uns bedeutet, dass wir zum einen jedes Mal rauf und runter laufen müssen, wenn wir Besuch oder Pakete bekommen, wir keinen Türöffner haben und falls wir mal den Schlüssel vergessen sollten, im Treppenhaus eingesperrt sind. Fenster gibt es dort auch nicht, einen weiteren Ausgang natürlich ebenso nicht.


    Das alles ist an sich schon mal gefährlich, nervig und in weiten Teilen auch sehr befremdlich. Was das Ganze aber so richtig zum Problem macht, ist die Tatsache, dass er uns regelmäßig mit seiner Musik bzw. seinem Fernseher beschallt. Das geht dann immer stundenlang so und auch nicht selten abends nach 22 Uhr. Das Haus ist sehr hellhörig, man bekommt teilweise mit, wenn er sich mal etwas lauter in seiner Wohnung unterhält (wir können nicht Wort für Wort mithören, aber man kann dumpf erkennen, dass eindeutig gesprochen wird). Leider hat er aber die Angewohnheit ständig Musik zu hören, zu machen oder Filme zu gucken. Wir hören jedes Mal sehr deutlich über beide Etagen der Wohnung mit und das geht jedes Mal über Stunden hinweg so! Das mag sicherlich zu einem großen Teil der Bauart des Hauses geschuldet sein und wenn es mal ein Stündchen so geht, wäre das ja für uns gar kein Thema. Aber das Ganze auf eine Stunde zu reduzieren, funktioniert für ihn scheinbar nicht. Ich bin aktuell ein bisschen überfordert, wie wir weitermachen sollen. Hinzu kommt noch, dass regelmäßig früh morgens (so 6 bis 7 Uhr) Möbel gerückt und Türen geknallt werden und gut und gerne auch mal abends um 23 Uhr noch irgendwelche Nägel in die Wände gedonnert werden. Ruhezeiten gibt es für den Herrn einfach nicht.

    Bisher geschehen ist Folgendes:

    • Mindestens fünf Gesprächsversuche während er zu Hause war, die aber daran gescheitert sind, dass er die Türe nicht geöffnet hat, das eine Mal standen wir eine ganze Stunde abends um 22 Uhr bei ihm auf der Matte und er hat sich lieber totgestellt (das ist mittlerweile auch schon fast ein Jahr her)
    • Anfang des Jahres weiterer Gesprächsversuch meines Partners, worauf nur die Antwort „dann ruf doch, wenn es das nächste Mal zu laut, ist die Polizei“ folgte
    • Mitte Mai Mail an die Vermietung inklusive Lärmprotokoll mit der Bitte irgendwie zu vermitteln – die Vermietung hat ihn angerufen und als Reaktion folgten zwölf Stunden Beschallung in Konzertlautstärke (Ordnungsamt kommt für so etwas bei uns nicht raus, Polizei fühlt sich erst spätabends dafür verantwortlich)
    • Sein Verhalten nochmals der Vermietung weitergeleitet, welche abgemahnt hat, daraufhin fünf Wochen fast Totenstille im Haus
    • Als Reaktion auf ein etwas merkwürdiges Gespräch mit ihm, welches wohl nicht so lief, wie er es sich vorgestellt hat, wurde wieder langsam zu alten Verhaltensmustern zurückgekehrt, alle paar Tage laute Musik/Fernseher
    • Vor sechs Wochen haben wir dann erneut die Vermietung angeschrieben, auch wieder mit Lärmprotokoll und Aufnahmen, und erklärt, dass das langsam doch einfach zu viel wird und sie bitte eingreifen möge, darauf folgte erstmal keine Antwort
    • Vor zwei Wochen hab ich dann nochmal nachgehakt, weil er wieder aufgedreht hat, worauf die Antwort kam, dass die Vermietung schon mit unserem Nachbarn geredet hätte, er würde das alles nicht so dramatisch darstellen, als Vermietung säßen sie ja bei Nachbarschaftsstreitigkeiten immer zwischen den Stühlen und könnten da nicht viel machen, in akuten Fällen sollten wir die Polizei rufen
    • Letzten Sonntag haben wir dann genau das getan, die Polizei war hier, empfand die Musik aber nur als einen „Ticken zu laut“ (wir konnten deutlich mithören, was bei unserem Nachbarn lief, der Bass wummerte richtige schön durch beide Etagen unserer Wohnung), nachdem wir sie dann das zweite Mal gerufen haben, wurde die Anlage dann ausgestellt, ich weiß nicht, ob die Polizisten hier in der Stadt einfach anderen Lärm gewöhnt sind, aber leise ist mMn was anderes…
    • Der Vermietung habe ich am selben Tag erneut eine lange Email geschrieben und nochmal betont, dass uns sein Verhalten sehr einschränkt, wir teilweise Bereiche der Wohnung nicht nutzen können (einen Film gucken, wenn von unten die Musik wieder dröhnt? Super…) und auch darauf hingewiesen, dass die Polizei zwei Mal hier war. Es kam bis heute keine Antwort.
    • Jetzt war er eine Woche im Urlaub, kaum ist er wieder hier, läuft seit Stunden die Anlage wieder, wir hören wieder überall mit.


    Was nun? Umziehen ist keine Option, die Wohnung ist großartig und nach zwei Umzügen im letzten Jahr haben wir auch keine Kraft mehr dazu. Die Vermietung scheint sich raushalten zu wollen, hilft uns entsprechend aktuell nicht. Jedes Mal die Polizei rufen, ist wohl auch kaum eine Lösung, vor allem bei der fehlenden Einsicht unseres Nachbarn. Wir sind völlig überfordert.


    Anwalt? Doch Polizei? Kann das Ordnungsamt was tun? Gibt es wen, an den wir uns wenden können wegen der verschlossenen Türen und des mangelnden Brandschutzes durch das vollgestellte Treppenhaus: Wie gehe ich am besten vor? Hilfe!

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  • Ich würde in so einem Fall tatsächlich mal einen Anwalt befragen. Er kann ggfs. mehr Druck machen und vielleicht auch einen Mietminderungsanspruch durchsetzen.


    Da stellt sich die Frage, ob der Lärm tatsächlich nur der Hellhörigkeit geschuldet ist. In dem Fall kann der Anwalt nichts machen.


    Was gar nicht geht, ist das Abschließen der Haustür. Das ist ein Rettungsweg und darf nie verschlossen werden.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.