Heizung heizt - Einstellung Stern Null - Defekt Thermostat - Dennoch Heizkosten zahlen

  • Hallo zusammen,


    folgender fiktiver Fall. Mieter A ist im August 2020 in eine neue Wohnung eingezogen. Im Oktober 2021 erhält er vom Vermieter B die Nebenkostenabrechnung für 2020 (also fünf Monate von August bis Ende Dezember 2020). Hier sieht der A, dass ein Heizkörper in der Küche, über 200€ an Heizwert verbraucht hat, obwohl der A sie nie angemacht hat, das heißt, sie immer auf der niedrigst-möglichen Stufe "*" hat stehen lassen. Der A fühlt nun den entsprechenden Heizkörper ab und merkt, dass dieser tatsächlich wärmt. Der A meldet dies dem B und der B schickt einen Techniker C, der einen (altersbegründeten) Defekt des Thermostats entdeckt, der das Heiz-Problem ausgelöst hat. Der C behebt den Defekt erfolgreich.


    Hier nun die Frage: Muss der A dem B die vollständigen Heizkosten (sowohl für die zweite Jahreshälfte 2020 als auch voraussichtlich für das Jahr 2021 bis zum Oktober) für den defekten Heizkörper zahlen oder müssen diese gemindert oder gar erlassen werden? Was sagt hier das Mietrecht oder die Heizkostenverordnung?


    Herzlichen Dank für die Einschätzungen!

  • Theoretisch muss das bezahlt werden, was auch an Wärme abgenommen wurde.

    Vermutlich hast Du hier wenig Chancen, denn theoretisch hättest Du mitbekommen müssen, dass die Heizung eben Wärme abgibt und das dem Vermieter melden müssen.

    Ich würde hier einfach mit dem Vermieter sprechen.

    Man könnte auch argumentieren, dass Du den Heizkörper hättest aufdrehen wollen, wenn das Ventil intakt gewesen wäre, weil es Dir zu kalt gewesen wäre.


    Wie kommst Du eigentlich auf 200€? Das so in der Abrechnung direkt angegeben?

    Abschließend der Hinweis, dass es aus Kostensicht eher schlecht ist, einzelne Heizkörper komplett abzudrehen. In der Küche kommt noch dazu, dass dort die Luftfeuchte durch das Kochen grundsätzlich höher ist und Du somit eine Schimmelbildung förderst.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Im Oktober 2021 erhält er vom Vermieter B die Nebenkostenabrechnung für 2020 (also fünf Monate von August bis Ende Dezember 2020). Hier sieht der A, dass ein Heizkörper in der Küche, über 200€ an Heizwert verbraucht hat, obwohl der A sie nie angemacht hat, das heißt, sie immer auf der niedrigst-möglichen Stufe "*" hat stehen lassen. Der A fühlt nun den entsprechenden Heizkörper ab und merkt, dass dieser tatsächlich wärmt.

    Offensichtlich war damit aber die Küche nie zu warm, sondern die Beheizung durch den Heizkörper notwendig, wenn es der Mieter nicht einmal bemerkt hat, dass der Heizkörper wärmt.


    Ich gehe davon aus, dass der Mieter diese Kosten tragen muss. Anders wäre es aus meiner Sicht nur, wenn der Mieter bereits während der Heizperiode ständig gemerkt hätte, dass es viel zu warm ist, dies auch dem Vermieter regelmäßig schriftlich mitgeteilt hätte, dass das Ventil/Thermostat nicht mehr korrekt arbeitet und deshalb viel zu viel Wärme bereitgestellt wird. Wenn das aber erst in der Abrechnung aufgefallen ist, war da offensichtlich nicht der Fall.

  • Vielen Dank für die Antworten.


    Zu der Frage zu den 200€. In der vom Vermieter zugesandten "Einzelabrechnung Energie- und Betriebskosten" gibt es eine genaue Auflistung der Heizkörper, inklusive Ablese- und Verbrauchswerte, Geräte-Nr., und Verbrauch.


    Der Mieter hatte nur gemerkt, dass das Rohr das zu der Heizung führt, oft warm war, aber nicht dass der Heizungskörper warm war (steht etwas versteckt).


    Eine Rückfrage noch. Du schreibst "Abschließend der Hinweis, dass es aus Kostensicht eher schlecht ist, einzelne Heizkörper komplett abzudrehen." Danke für den Hinweis. Könntest Du kurz erläutern, warum?

  • Offensichtlich war damit aber die Küche nie zu warm, sondern die Beheizung durch den Heizkörper notwendig, wenn es der Mieter nicht einmal bemerkt hat, dass der Heizkörper wärmt.

    Hierzu noch ein Frage. Ist hier Ihr Argument, dass der Mieter durch die Wärme in der Küche hätte merken müssen, dass die Heizung an ist? Das ist grundsätzlich verständlich, aber in diesem Fall, m.E., eingeschränkt durch folgende Gründe:

    1. August bis Dezember waren/sind keine besonders kalten Monate.
    2. Die Küche liegt direkt unterm Dach, sprich ist sonnengewärmt.
    3. Die Nachbarn heizen drunter und seitlich - sprich, das mitgewärmt ist auch nicht so abwegig.
    4. Der Nebenraum wird beheizt und ist nicht durch eine Tür abgetrennt, sprich auch hier ist die Miterwärmung für den Mieter logisch denkbar.

    All das, wird dadurch bestätigt, dass die Küche, trotz der auf "*"-Stellung und einem fühlbar kalten Heizkörper weiterhin nutzbar warm ist.


    Sie würden dennoch sagen, der Mieter darf sich hier keine Hoffnungen machen auf Betriebskostenminderung?


    Vielen Dank!

  • Sie würden dennoch sagen, der Mieter darf sich hier keine Hoffnungen machen auf Betriebskostenminderung?

    Nein, ich denke, diese Hoffnungen sind da fehl ab Platz. Dazu siehe auch unten.


    1. August bis Dezember waren/sind keine besonders kalten Monate.
    2. Die Küche liegt direkt unterm Dach, sprich ist sonnengewärmt.
    3. Die Nachbarn heizen drunter und seitlich - sprich, das mitgewärmt ist auch nicht so abwegig.
    4. Der Nebenraum wird beheizt und ist nicht durch eine Tür abgetrennt, sprich auch hier ist die Miterwärmung für den Mieter logisch denkbar.

    Und TROTZDEM hat der Mieter nicht einmal gemerkt, dass der Heizkörper an ist. Wenn der Heizkörper unkontrolliert unnötig geheizt hätte, hätte es ja unangenehm warm werden müssen.


    Wenn der Nebenraum nicht abgetrennt ist, dann hätte der Mieter, wenn nicht die Küche geheizt worden wäre, vermutlich dort entsprechend mehr heizen müssen und somit wäre der Verbrauch nur einem anderen Heizkörper zugeordnet worden. Evlt. sogar noch überproportional, weil die Räume dann am effizientesten geheizt werden, wenn alle Heizflächen genutzt werden.


    Wie oben beschrieben: man könnte über einen relevanten Mangel nachdenken, wenn der Mieter hätte dauerlüften müssen, um erträgliche Temperaturen zu haben und das auch dem Vermieter mitgeteilt hätte. Der Beschreibung nach war das aber nicht der Fall und so muss der Mieter die Wärme, die er genutzt hat, auch bezahlen.

  • Eine Rückfrage noch. Du schreibst "Abschließend der Hinweis, dass es aus Kostensicht eher schlecht ist, einzelne Heizkörper komplett abzudrehen." Danke für den Hinweis. Könntest Du kurz erläutern, warum?

    Das Thema Schimmelbildung hatte ich schon genannt. Je kälter ein Raum ist, desto schneller kondensiert das Wasser an den Wänden und führt zu Schimmel.

    Ansonsten ist es so, dass auch bei geschlossenen Türen ein gewisser Luftaustausch in der Wohnung stattfindet. Strömt also die kalte Luft in einen benachbarten Raum, muss der dortige Heizkörper mehr Energie aufwenden, um diese Luft zu erhitzen. Dafür ist dieser aber in der Regel nicht ausgelegt und hat zur Folge, dass die Energiekosten für diesen Heizkörper steigen.

    Das Phänomen habe ich oft bei meinen Mietern, die der Meinung sind, die gesamte Wohnung mit nur einem Heizkörper zu beheizen, weil das ja günstiger wäre. Das Gegenteil ist der Fall, weil der eine Heizkörper dann permanent läuft und nie abschaltet.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.