Seit Monaten gefangen in einem Gemeinschaftsvertrag

  • Moin liebe Community,
    ich befinde mich in einer ziemlich abgefahrenen Situation und bin auf der Suche nach Ratschlägen, wie ich diese möglichst glimpflich lösen kann.
    Bis Ende April diesen Jahres habe ich in einer 3er-WG mit Gemeinschaftsvertrag gewohnt - mit Unterbrechungen 3 Jahre lang. Mit meinem Mitbewohner, "arbeitslos by choice", hatte ich eigentlich immer ein gutes Verhältnis, doch seit vor einem Jahr seine Freundin einzug - ebenfalls gerne arbeitslos - wurde das Verhältnis etwas kühler und distanzierter. Als ich die beiden 4 Wochen vorher von meinem geplanten Auszug informiert habe, meinten sie, sie hätten einen Freund, der das Zimmer gerne übernehmen würde - besser für alle!
    Wollte eine Woche vor Auszug den Papierkram erledigen - was mit unser Hausverwaltung immer reibungslos und auch kurzfristig lief - doch erfuhr dann, dass der neue Mitbewohner ebenfalls arbeitslos ist, und dass der Umzug deshalb erstmal beim Arbeitsamt beantragt und genehmigt werden muss.
    Die Folge war ein kleiner Konflikt mit meinem Mitbewohner, der forderte, dass ich noch die nächste Monatsmiete bezahle und dann das Geld zurück bekomme, wenn der Antrag durchgeht, ich nach meinem Auszug aber nichts mehr mit der Miete und Kaution zu tun haben wollte und deshalb wollte, dass der Nachmieter für das Vorstrecken der Miete selbst verantwortlich ist.
    Lange Rede kurzer Sinn, am Ende entschied ich mich, Gutmütigkeit zu walten: Ich entschied zwar, die Miete nicht selbst zu überweisen, war aber okay damit, mit der Rückzahlung meiner Kaution sowie dem Papierkram noch paar Wochen zu warten, bis der Prozess beim Arbeitsamt durch ist.

    Nun die wirkliche Problematik: Im Mai erhielt ich auf Nachfrage noch eine Nachricht von meinem Mitbewohner, dass der Prozess beim Arbeitsamt wohl noch zwei Wochen länger dauert. Das war der letzte Kontakt mit meinem Mitbewoher und meiner ehemaligen WG. Ich wohne im Ausland, und hab es seitdem nicht mehr geschafft, Kontakt aufzunehmen, jeglicher Kontakt wird geblockt. Soziale Medienkanäle existieren nicht mehr, auf Telefonate und sonstige Nachrichten reagiert niemand. Nach ein paar Monaten der Ungläubigkeit und erfolgloser Kontakt versuche habe ich mich Ende August an die Hausverwaltung gewandt. Dort erfuhr ich, dass Miete unvollständig und unregelmäßig gezahlt wurde. Auch die Hausverwaltung hat es seitdem nicht geschafft, Kontakt aufzunehmen. Zwar zeigt man telefonisch Verständnis mit mir, doch wirkliche Schritte wurden in den letzten 3 Monaten auch nicht unternommen. Laut der Hausverwaltung bin ich leider immer noch vertraglich gefunden und haftbar und kann nicht aus dem Mietverhältnis entlassen werden, da bei einem Gemeinschaftsvertag die Zustimmung der anderen Mitbewohner zur Vertragsänderung, bzw. zur Entlassung einer Person aus dem Mietverhältnis und zur Aufnahme einer anderen Person nötig ist.

    Ich stecke nun also seit nunmehr 8 Monaten in einem Vertrag fest für ein WG-Zimmer, dass 5000 km entfernt von mir liegt, und komme nicht aus dem Vertrag, weil meinem Mitbewohner dem zustimmen müssten, seit Mai aber jeglichen Kontakt mit mir abblocken, und ihr arbeitsloser Mitbewohner seitdem entspannt in meinem Zimmer wohnt.
    Da die Hausverwaltung selbst kaum aktiv vorgeht und sich dieses Dilemma länger und länger in jeden weiteren Monat erstreckt, würde ich gerne wissen, wie ich schnellstmöglich etwas bewegen und mich irgendwie aus dieser Situation befreien kann.

    Ich wäre für ein paar Ideen sehr sehr dankbar!
    Liebe Grüße,
    Julian

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  • Schwierig...

    Wenn die Mitbewohner die Zustimmung verweigern, kannst Du nur auf Zustimmung zur Kündigung der gesamten Wohnung verklagen, gleichzeitig die Nutzung des Zimmers untersagen.


    Da hilft wohl nur der Gang zum Anwalt.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Dann bleibt aus meiner Sicht nur, dass auch du nichts mehr zahlst um es darauf anzulegen, dass der Vermieter seinerseits den Vertrag kündigen kann. Natürlich bleibst du dabei in der Pflicht und der Vermieter kann dich für die Miete belangen. Aber das ist dir ja eh schon bewusst, jedoch den Vertrag bist du auf die Weise dann los. Es kann Sinn machen, wenn du dieses Vorgehen der Hausverwaltung mitteilst. In Rücksichtnahme auf deine Situation wird man dies vielleicht sogar unterstützen.

  • Einen gemeinsamen Mietvertrag kann man nur zusammen - und für die ganze Wohnung - kündigen.

    Ohne gemeinsame Erklärung mit den anderen Bewohnern (und dem Willen des Vermieters, die Wohnung danach wieder mit neue Mietvertrag an die zu vermieten) hast Du kein Anrecht aus dem Vertrag rauszukommen.

    Ob man die oben geschilderten Vorgänge als gemeinsame Erklärung werten kann (und sie auch so wie geschildet beweisbar sind), kann nur ein Anwalt bzw. Richter entscheiden. Falls nicht (und so wie es klingt es in Deinem Post), dann kann der Vermieter Mietrückstände der anderen Bewohner von Dir verlangen - nenn es Kulanz wenn er es (bisher) nicht tut!

    (Moral von der Geschicht: Ein gemeinsamer Mietvertrag ist für eine WG ungeeignet!)

  • Hallo ihr lieben,

    vielen Dank euch für die Antworten - auch wenn diese natürlich nochmal bestätigen, dass das einfach ne beschissene Situation ist, in der es so schnell kein Entkommen gibt...
    Ich werde dann jetzt wohl mal auf einen Anwalt zu gehen. :/

    Danke

  • Ob man die oben geschilderten Vorgänge als gemeinsame Erklärung werten kann (und sie auch so wie geschildet beweisbar sind), kann nur ein Anwalt bzw. Richter entscheiden.

    Das entscheidet alleine der Richter und kein Anwalt. Ob man hier einen "Entlassungsvertrag" oder ähnliches annehmen kann ist mehr als fraglich. So wie es klingt wurde die Hausverwaltung nicht informiert, da noch auf das Arbeitsamt gewartet wurde.

    Natürlich bleibst du dabei in der Pflicht und der Vermieter kann dich für die Miete belangen.

    Auch kann er für die Kosten einer Räumungsklage und der Räumung selbst in Anspruch genommen werden. Also ein ziemlich hohes Kostenrisiko, was leider im Worst Case nicht nur auf die Miete beschränkt ist.

    Die Richtigkeit oder Vollständigkeit meiner Aussagen sind nicht garantiert und stellen keine Rechtsberatung dar. Meine Aussagen können inkorrekt sein. Man sollte sich darauf nicht blind verlassen und im Zweifel immer einen Anwalt befragen. Bereits Kleinigkeiten können die juristische Sachlage entscheidend verändern.

  • Auch kann er für die Kosten einer Räumungsklage und der Räumung selbst in Anspruch genommen werden

    Wohl wahr. Doch wenn die Miete jetzt weiterhin mt gezahlt wird vom Fragesteller, dass wird das auf Dauer gesehen eine noch größere Summe sein, die zusammen kommt und es wird zu einer Never-ending-story. Und wenn man das Vorgehen mit der Hausverwaltung abspricht, wird sie wahrscheinlich kooperieren. Auch der Hausverwaltung ist ja daran gelegen, dass die Verhältnisse geklärt sind.