Mietspiegel falsch angewendet

  • Hallo.


    Ich habe von meinem Vermieter ein Mieterhöhungsverlangen bekommen, in dem er sich auf den örtlichen Mietspiegel bezieht. Auffällig ist, daß für den Bodenbelag ein Aufschlag berechnet ist, den betreffenden Belag gibt es aber gar nicht in meiner Wohnung (mein Bodenbelag existiert im Mietspiegel nicht; die Stadt empfiehlt, keinen Aufschlag zu verlangen). Außerdem hat er einen Punkt bei der Berechnung der Vergleichsmiete, der zu einem Abschlag geführt hat, einfach bei der Berechnung weggelassen (also nicht falsch, sondern gar nicht angegeben).


    Daraufhin habe ich das Mieterhöhungsverlangen mit Hinweis auf die formalen Mängel zurückgewiesen und empfohlen, eine Berechnung anhand des Mietspiegels durchzuführen.


    Wie aussichtsreich wäre die Situation vor Gericht?

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  • Wie aussichtsreich wäre die Situation vor Gericht?

    Das lässt sich ohne hellseherische Fähigkeiten nicht beantworten. Hier kennt ja niemand deine Wohnung und den Mietspiegel. Davon abgesehen wär es unerlaubte Rechtsberatung, das zu bewerten.

    und empfohlen, eine Berechnung anhand des Mietspiegels durchzuführen.

    Das kann man so beantworten gegenüber dem Vermieter. Die andere Möglichkeit wäre, eine Teilzustimmung zur Mieterhöhung zu geben. Das geht auch. Dabei rechnest du selber aus, auf welche Miethöhe du kommst, schreibst deine Berechnung dem Vermieter, und erklärst dich mit dem geringeren Betrag einverstanden. Wahrscheinlich wird der Vermieter dann nicht das Risiko eingehen wollen, auf den Rest zu klagen.

  • Das lässt sich ohne hellseherische Fähigkeiten nicht beantworten. Hier kennt ja niemand deine Wohnung und den Mietspiegel. Davon abgesehen wär es unerlaubte Rechtsberatung, das zu bewerten.

    Unerlaubte Rechtsberatung wäre es nur, wenn auf den Einzelfall eingegangen würde. Aber dazu bräuchte man ja offenbar zusätzliche Informationen.


    Mir ging es eher um eine Einschätzung anhand in ähnlichen Fällen ergangener Urteile oder eigener Erfahrungen mit Vermietern.

  • Mir ging es eher um eine Einschätzung anhand in ähnlichen Fällen ergangener Urteile oder eigener Erfahrungen mit Vermietern.

    Ich sehe darin keinen Nutzen für dich. Bei einem anderen Fall ist der Sachverhalt ein anderer, ein anderer Mietspiegel etc. Im Mietrecht ist quasi nichts vergleichbar, ohne Details anzuschauen.


    Fakt ist, dass der Vermieter die Eingruppierung der Wohnung im Mietspiegel korrekt vornehmen muss. Ist das nicht der Fall, wird er bei Gericht nicht durch kommen. Aber die Einschätzung, ob er bei Gericht in deinem Fall durch kommen würde, wäre eine Einzelfallbetrachtung.

  • Fakt ist, dass der Vermieter die Eingruppierung der Wohnung im Mietspiegel korrekt vornehmen muss. Ist das nicht der Fall, wird er bei Gericht nicht durch kommen. Aber die Einschätzung, ob er bei Gericht in deinem Fall durch kommen würde, wäre eine Einzelfallbetrachtung.

    Wenn das eine stimmt, dann stimmt auch das andere. Anders ergibt es keinen Sinn. Insofern ist eine allgemeine Aussage für mich ausreichend.


    Mittlerweile hat sich der Vermieter gemeldet. Er möchte Fotos haben.

  • Insofern ist eine allgemeine Aussage für mich ausreichend.

    Und diese wurde dir gegeben. Ich habe dir erklärt, dass die Eingruppierung in den Mietspiegel korrekt sein muss. Das würde im Streitfall auch ein Gericht prüfen und dem Vermieter entsprechend nicht Recht geben oder nur zum Teil.


    Da sich der Vermieter offenbar einsichtig zeigt, die Sache zu überprüfen, scheint sich ja erfreulicherweise eine gütliche Lösung zu ergeben. Ich markiere daher das Thema als erledigt.

  • Hallo zusammen.


    Nachdem ich Fotos zur Verfügung gestellt habe, kam ein neues Mieterhöhungsverlangen. Darin war die Vergleichsmiete neu berechnet. Allerdings war das Mieterhöhungsverlangen Rückdatiert auf das Datum des ersten Mieterhöhungsverlangens, und die Miete sollte zum selben Datum erhöht werden - obwohl dieses Datum bereits verstrichen war.


    Da ich davon ausgehe, daß ein neues Mieterhöhungsverlangen auch neue Fristen in Gang setzt (außerdem halte ich es für unzulässig, Dokumente zurückzudatieren), habe ich dieses Schreiben aufgrund der falschen Fristen gerügt.


    Nun schreibt mir der Vermieter, er habe sich anwaltlich beraten lassen. Das neue Mieterhöhungsverlangen sei gar kein neues Mieterhöhungsverlangen, denn im zweiten Schreiben sei deutlich geworden, daß die ursprünglich geforderte Mieterhöhung trotz der falsche Angaben bei Anwendung des Mietspiegels immer noch gerechtfertigt ist.


    Zur formalen Wirksamkeit eines Mieterhöhungsverlangens käme es nicht darauf an, ob die inhaltlichen Angaben zur Wohnungsausstattung korrekt seien. Da die verlangte Mieterhöhung "so oder so" weit unter der Ortsüblichkeit liege, spiele die Frage der Ausstattung praktisch keine Rolle.


    Vorsorglich fügt der Vermieter nun ein weiteres Mieterhöhungsverlangen bei, bei dem die Fristen so angepaßt sind, daß die Mieterhöhung wieder für die Zukunft eintreten soll.


    Ich habe jetzt also:

    • Mieterhöhungsverlangen von 10/2021 auf den 1.1.2022 mit falschen Angaben bei der Anwendung des Mietspiegels
    • Mieterhöhungsverlangen von 02/2022 auf den 1.1.2022 mit wahrscheinlich richtigen Angaben bei der Anwendung des Mietspiegels
    • Mieterhöhungsverlangen von 03/2022 auf den 1.6.2022 mit wahrscheinlich richtigen Angaben bei der Anwendung des Mietspiegels

    Die neue Miete ist in allen drei Mieterhöhungsverlangen gleich.


    Wie ist nun die Rechtslage? Mein Verständnis des Gesetzestextes - und mein Wissensstand aus Internetrecherche - ist, daß jede Korrektur neue Fristen in Gang setzt.


    Verschoben. Bitte bei Nachfragen zur selben Sache kein neues Thema eröffnen!