Rechte eines Mieters bei mangelhafter Elektroinstallation

  • Guten Tag. Als Mieter habe ich zum Mietrecht folgende Frage:

    Ein Mieter ist in eine Wohnung gezogen, wo das alte Elektrosystem TN-C, klassische Nullung, zweiadrig, eingebaut ist. Die Sicherungen im Sicherungskasten sind aus Ende der 60er oder Anfang der 70er Jahre.

    Nun ist es so, dass es öfters bzw mittlerweile sogar ständig die Sicherung des Stromkreises raushaut, wenn man die Musikanlage einschaltet. Denn der Verstärker zieht etwas mehr Strom, wenn er eingeschaltet wird, so ca. 170- 180 W laut Anzeige auf dem Display des Netzfilters. Man kann sagen, die Sicherung fliegt jedes zweite Mal heraus. Dadurch ist nun auch der Verstärker beschädigt worden,. indem es bei diesem bereits zum zweiten Mal die Hauptsicherung zerstört hat. Der Verstärker war in Reparatur und ist bereits zweimal durchgecheckt worden, an diesem liegt es nicht. Bei Bekannten an deren Stzromnetz funktioniert alles tadellos, auch die anderen Geräte. Das wurde im Ausschlussverfahren überprüft, jedes Gerät, jedes Netzkabel und die weiteren Kabel samit Lautsprecher, um diese aus Fehlerquelle ausschließen zu können. Zuvor in der vorigen Wohnung hat alles funktioniert.

    Und jedesmal, wenn es die Sicherung im Sicherungskasten auslöst, stürzt auch der PC ab. Das ist für die Geräte nicht gut.

    Zu Anfang, als es noch nicht so oft vorgekommen ist, hat der Mieter das dem Vermieter gemeldet. Der hat einen Elektriker bestellt, der nicht beigekommen ist. Nach einigen Wochen hat der Mieter sich mit der schlechten Elektroinstallation arrangiert und die Musikanlage nur eingeschaltet, wenn die meisten anderen Geräte und Lichter aus waren. Denn es wurde insbesondere kritisch, wenn der Mieter im betreffenden Zimmer die Deckenlampe in Betrieb hatte, oder zusätzlich den TV, dann flog mit Zuschalten der Musikanlage die Sicherung erneut. Mithilfe von Taschenlampe, wenn es schon dunkel war, hat er dann fortan die Musikanlage in Betrieb genommen. So konnte er weitere Auslösungen bis auf seltene Male reduzieren, und er hat dem Vermieter gesagt, dass er sich damit arrangiert habe.

    Nun im weiteren Verlauf der Folgemonate ist es aber schlimmer geworden, die Auslösungen haben sich gehäuft, und dem Mieter war es verleidet. Und dass sein PC dauernd abstürzt, dazu hat er auch keine Lust mehr.

    Also hat er wieder beim Vermieter reklamiert. Dieser hat sich darauf berufen, dass der Vermieter in der Vergangenheit mitgeteilt habe, er habe sich damit arrangiert. Der Mieter hat erklärt, dass sich die Auslösungen im Vergleich zu früher jedoch gehäuft hätten , und der VM hat gemeint, er kümmere sich darum.

    Man will bei all dem den Vermieter halt nicht verärgern und das Mietverhältnis nicht riskieren. Das ist eine empfindliche Sache.


    Die Frage ist nun, was kann man da machen?

    Hat man als Mieter Recht auf eine ordentlich funktionierende Elektroinstallation? Und in wie weit?

    Ein Bekannter hat die Idee vorgeschlagen (hat er bei sich auch machen lassen), gerade für die empfindliche und höherwertige Musikanlage eine separate Leitung vom Sicherungskasten aus mit einem Fi-Schalter legen zu lassen. Das würde dann so ausschauen, dass an den Wandecken und an der Decke entlang verdeckte Kabel in einem Sichtschutz, einer Art weißen Verkleidung, in der die Kabel sind, verlegt werden. Womöglich muss den Türeingängen zu den Zimmern (das wären 2 Türen) auch in der oberen Wand ein Loch gebohrt werden, um das Kabel ins andere Zimmer durchzuleiten.

    Jetzt hat der Sicherungskasten ja gar keinen FI-Schutzschalter.

    Falls so was machbar sein sollte in diesem Fall, ist es die Frage, ob der Mieter vorab den Vermieter fragen muss , ob er das einbauen darf, oder kann er das einfach vom Elektriker machen lassen?


    Natürlich müssen da auch andere neuere Sicherungen rein, die nicht so schnell auslösen, aber für die Musikanlage eine extra-Leitung wäre auf Anraten noch besonders zu empfehlen.

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  • Der Mieter braucht selbstverständlich die Zustimmung des Vermieters, wenn er Umbauarbeiten an der elektrischen Anlage durchführen lassen will.


    Allerdings ist es sehr zweifelhaft, dass der Vermieter diese Zustimmung geben wird. Bestandsschutz für Altanlagen besteht nur solange, bis an den Anlagen Veränderungen vorgenommen werden. Evtl müsste mit de geplanten Änderungen die gesamte Anlage modernisiert werden und das geht nicht im laufenden Mietverhältnis. Ob so etwas überhaupt machbar ist, hängt am Aufbau des Sicherungskastens, zum einen, ob dort noch Platz wäre, zum anderen, ob sich ein Elektriker findet, der in diesem Kasten überhaupt noch etwas verändert und eine weitere Sicherung mit FI einbaut.

  • Bestandsschutz für Altanlagen besteht nur solange, bis an den Anlagen Veränderungen vorgenommen werden.

    vielen Dank. Warum gibt es "Bestandschutz" für alte elektrische Anlagen, die ab 1973 verboten worden ist zu installieren? Das macht doch keinen Sinn. Außerdem sind diese alten Installationen nicht ganz ungefährlich, sonst wären sie nicht aus dem Verkehr gezogen worden.

    das habe ich im Netz darüber gefunden: ****************


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  • Hallo Martha,


    ich bin zwar kein Fachmann im Mietrecht, aber Techniker.


    Ich bin mir da jetzt nicht zu 100% sicher, denke aber, dass der Verstärker einen dicken Netztrafo eingebaut hat. Es kommt gar nicht mal so auf die Endleistung vom Verstärker an. Denn beim Einschalten sind die Lautprecher ja nicht voll aufgedreht.

    Vielmehr vermute ich, dass die Sicherung nicht immer, sondern mehr durch Zufall mal herausspringt. Das liegt daran, dass der Verstärker zu einem ungünstigen Zeitpunkt eingeschaltet wurde. Mit Zeitpunkt ist Vormittag oder so ist nicht gemeint. Sondern der Zeitpunkt bei der Sinuskurve vom Stromnetz. Das hat ja 50 Hz. Sorry für techn. Fachchinesisch.


    Folgendes würde Abhilfe schaffen:

    Im Sicherungkasten sind in der Regel Automaten der Klasse B eingebaut. Den betreffenden Automaten der immer wieder rausfliegt, gegen einen Automaten der Klasse C tauschen. Die Klassifizierung ist manchmal auf den Automaten direkt lesbar.


    Achtung:

    Beide Automaten haben 16A Auslösestrom. Der Automat der Klasse C ist nur etwas träger. Bedeutet, er fliegt nicht gleich bei jeder Kleinigkeit raus.


    Das darf natürlich nur ein Elektriker machen. Weiterhin ist die Zustimmung des Eigentümers notwendig.


    Frage doch einfach mal einen Elektriker, was er zu diesem Vorschlag meint. Wenn er meint, das wäre ok, dann spreche mit dem Eigentümer.


    Das Ganze hat nichts mit der klassischen Nullung zu tun. Wenn der FI-Schalter auslöst, dann ist meistens ein Defekt im Gerät zwischen NULL und ERDE.

  • Hallo!


    ist es die Frage, ob der Mieter vorab den Vermieter fragen muss ,


    Erlaubnis des Vermieters notwendig:


    So fallen unter Umbauten und Einbauten zum Beispiel:

    • die Verlegung von Rohrleitungen, Elektroleitungen oder festen Fußböden (beheizter Parkettfußboden, Fliesen etc.)
    • Anbauten, wie gemauerte Nebengebäude oder auch Wintergärten, Garagen
    • Ausbauten, wie zum Beispiel der Kellerausbau oder Dachausbau
    • Änderungen am Mauerwerk, Einreißen einer Wand oder das Ziehen einer neuen Wand oder Zwischendecke
    • Einbau eines neuen Bads


    Gruß



  • tut mir leid, da bin ich nicht gut bewandert. Ich versuche es nochmal:

    hier also der Link: Klassische Nullung



    Folgendes würde Abhilfe schaffen:

    Im Sicherungkasten sind in der Regel Automaten der Klasse B eingebaut. Den betreffenden Automaten der immer wieder rausfliegt, gegen einen Automaten der Klasse C tauschen. Die Klassifizierung ist manchmal auf den Automaten direkt lesbar.

    vielen Dank. Das hat mir auch schon jemand gesagt, dass es mit der Sinuskurve zu tun haben könnte. Aber davon verstehe ich nichts als Laie.

    Ja der Verstärker hat einen dicken großen Netztrafo. Ja, und die Sicherung springt nur per Zufall raus, denn man weiß es nicht vorher, und wenn man Glück hat, springt sie mal nicht raus. Aber beim nächsten Mal dann wieder. Man steckt nicht drin. Und in letzter Zeit sehr sehr häufig . Man kann sagen, durchschnittlich bei jedem zweiten Versuch. Ich sitz schon mit Herzkasper davor und trau mich nicht mehr den Verstärker einzuschalten. Also benutze ich ihn derzeit gar nicht, bis das Problem gelöst ist. Besonders wenn das Deckenlicht in dem Zimmer noch eingeschaltet ist, ist es garantiert, dass die Sicherung fliegt.

    Im Sicherungskasten sind alte Geyer Sicherungen drin, mit der Aufschrift I CG 67 und 16 A H

    Einen FI-Schalter gibts nicht.


    Wenn das ausgetauscht wird in eine trägere Sicherung, ist dann keine Gefahr, dass zu schnell ein Hausbrand entstehen kann, wenn die Sicherungen bei der alten Installation träger sind?


    Bitte keine Vollzitate!

  • Wenn das ausgetauscht wird in eine trägere Sicherung, ist dann keine Gefahr, dass zu schnell ein Hausbrand entstehen kann, wenn die Sicherungen bei der alten Installation träger sind?

    Nein. Denn die Automaten vom Typ C haben auch einen Auslösestrom von 16A. Und das ist wichtig.


    Der Sinus im Stromnetz hat eine Frequenz von 50 Hz. Das bedeutet, dass eine Sinuskurve genau 20ms lang ist. Also 0,02 Sekunden. Hier ist es immer reiner Zufall zu welcher Zeit man einschaltet. Bei 0 Sek. ist die Spannung bei 0V. Da kann nichts passieren. Bei 5 ms hat die Kurve die volle Spannung, also 230V. Dazwischen eben Zwischenwerte von 0 - 230V. Du siehst, das kann man nicht steuern. Nur als techn. Info dazu.


    Vielleicht könnte es auch sein, dass die Automaten so alt sind, dass ein Austausch des betreffenden Automaten vom Typ B schon Abhilfe schaffen würde.


    Wichtig ist, dass das von einer Fachfirma gemacht wird. Nicht über einen Bekanten manchen lassen. Und wichtig ist vorher mit dem Vermieter zu sprechen.


    Wennd das alle alte Automaten sind, dann spreche doch mal mit dem Vermiter, ob er nicht den gesamten Kasten neu machen lässt. Manche Vermieter scheuen sich nicht immer vor den Kosten. Dann hat man erst mal mind. 20 Jahre Ruhe.

  • Nein. Denn die Automaten vom Typ C haben auch einen Auslösestrom von 16A. Und das ist wichtig.

    Vielen Dank. Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Typ B und Typ C? Sind die Typ C träger als Typ B?

    Und da Du die Sinuskurve angesprochen hast, eine Frage bitte: Hat es was zu sagen, wenn zwischen Verstärker und Steckdose ein Stromregenerator eingeschaltet ist, der eine neue Sinuswelle generiert, damit der Strom sauberer ist? Dh (ich zitiere aus der Anleitung) das ursprüngliche originale Sinussignal wird komplett eliminiert und analog eines Sinuswellengenerators neu aufgebaut zu einer perfekten Sinuswelle.

    Ich hab gerade Gelegenheit, so ein Gerät leihweise zu testen (hat natürlich einen besonderen Vorteil, denn die Musik klingt in der Tat besser).

    Ist dieses Gerät nicht in der Kette, löst die Sicherung beim Zuschalten des Verstärkers zwar auch aus, aber ich meine, nicht so oft. Oder es ist einfach Zufall.

    Aber vermutlich wird das Problem nicht gelöst, indem man hier und da ein Gerät weglässt oder austauscht gegen ein anderes, Fakt ist dass die Sicherungen an sich so hochempfindlich sind und blitzschnell vorzeitig auslösen.

  • Vielen Dank. Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Typ B und Typ C? Sind die Typ C träger als Typ B?

    Das ist richtig. Die lösen auch bei 16A aus. Nur etwas später.

    Hat es was zu sagen, wenn zwischen Verstärker und Steckdose ein Stromregenerator eingeschaltet ist, der eine neue Sinuswelle generiert, damit der Strom sauberer ist?

    In deinem Fall wahrscheinlich nicht. Ich habe so ein Teil nie gehabt. Manche schwören darauf. Hierzu ein kleines ABER:

    Wenn du so ein Teil dazwischen hast, dann könnte es sein, dass dein Problem mit diesem Gerät gelöst ist oder werden kann. Denn manche Geräte haben eine Funktion, dass die Vollverstärker mit einer dicken Endstufe und einem dicken Trafo sanft eingeschaltet werden. Genau diese Funktion könntest du gebrauchen. Dazu musst du in die Bedienungsanleitung vom Gerät nachsehen.

    Wenn du das hast, dann kannst du dir das Gespräch mit dem Elektriker und dem Eigentümer sparen. Dann muss nichts umgebaut werden.


    Ok, das hat jetzt nichts mit Mietrecht zu tun, aber ich antworte mal trotzdem.

    Ja das Gerät erzeugt einen sauberen Sinus. Nur der saubere Sinus löst dein Problem definitiv nicht. Manche meinen, dass hört man raus. Ok, nehme ich jetzt mal so hin. Übrigens so ein Gerät kostet mal eben schlappe 5.000 Euro. Ein Umbau des Sicherungskastens mit einem Austausch eines Automaten plus Arbeitslohn, da bist du vielleicht bei 150 Euro.

  • Nach diesem kleinen Ausflug ins Technische kommen wir mal zum Mietrechtlichen zurück, denn darum soll es hier ja vorrangig gehen. Und dabei muss man unterscheiden, ob die Anlage einen alten Stand der Technik hat oder ob etwas aufgrund eines Defekts nicht funktioniert. Im letzteren Fall liegt ein Mangel vor und der Vermieter muss instandsetzen. Ist es aber ein älterer technischer Standard, muss man das in der Regel hinnehmen. Früher gab es beispielweise noch keinen FI Schalter, und früher waren die Sicherungen auch noch nicht so stark, weil man viel weniger Geräte hatte. Damit müsste man dann tatsächlich klar kommen oder man sucht sich eine andere Wohnung.

  • Wenn du so ein Teil dazwischen hast, dann könnte es sein, dass dein Problem mit diesem Gerät gelöst ist oder werden kann.


    Danke, schön wärs, aber klappt bei der Kombi leider nicht. Hab das schon mit dem Hersteller geklärt.



    Im letzteren Fall liegt ein Mangel vor und der Vermieter muss instandsetzen.


    In der vorigen Wohnung war es zu Anfang genauso. Die alten Sicherungen aus den 70er Jahren haben oft ausgelöst, wenn man den PC und oder die Musikanlage eingeschaltet hat. Und es wurde mit der Zeit immer häufiger. Dann hat der VM die alten Sicherungsautomaten durch neue B16 ersetzt, und Ruhe war, nie mehr ist eine Sicherung geflogen. Aber das war keine klassische Nullung wie hier, denn da waren Nulleiter und Erdungsleiter getrennt.

    Ich kann nun nur hoffen , dass der VM vielleicht so gnädig sein wird, irgendwann im nächsten Schaltjahr die Sicherungen auszutauschen.

    Oder eben , wie Du meinst, eine neue Wohnung suchen. Aber das ist bei der extremen Wohnungsnot und hochpreisigen Mieten noch viel viel schwieriger, eigentlich aussichtslos.


    Danke allen für die Ratschläge und Unterstützung!