Staffelmietvertrag vs. qualifizierter Mietspiegel

  • Hallo, sehr geehrte/r Leser/in,


    ich habe eine Frage zum o.g. Thema, vielleicht kann jemand dazu etwas kompetentes beitragen, bzgl. der Rechtslage.
    Mein Stiefsohn ist Student und hat mit einem Freund eine Mietwohnung in Berlin zu 09.2013 gemietet, also vor ca. 1 Jahr. Seit ca. 3-4 Jahren sind die verlangten Nettokaltmieten in Berlin rasant gestiegen, bei Wohnungsbesichtigungen bilden sich Schlangen. Nettokaltmieten von 40-80% über dem qualifiziertem Berliner Mietspiegel sind aktuell fast schon normal. Inszwischen ist die für einen überwiegenden Bevölkerungsanteil problematische Wohnraumsituation von der Politik erkannt worden und mündet in wenigen Wochen in dem kommenden Mietpreisbremsgesetz.
    Der qualifizierte aktuelle Berliner Mietspiegel für die ca. 60m², 2 Zimmer Wohnung, weist eine Nettokaltmiete von 5,23 EUR/m² aus. Als Anfangsmiete also vor einem Jahr wurde eine Nettokaltmiete von 8,03 EUR/m² im Mietvertrag vereinbart, das entspricht 153% des Mietspiegels. In wenigen Wochen soll die erste Staffelmieterhöhung greifen mit einer Nettokaltmiete von 8,68 EUR/m², das entspricht 166% des Mietspiegels. Die jährlichen Staffelmieterhöhungen enden in 10 Jahren mit einer dann zu zahlenden Nettokaltmiete, welches ca.300% des aktuellen Mietspiegel entspräche. Für mein Empfinden wird von diesen aber auch verschiedensten anderen Vermietern die aktuelle, bereits mehrjährige Mangelsituation an Wohnraum ausgenutzt und von Mietern Wuchermieten verlangt. Die vereinbarte anfängliche Nettokaltemiete liegt 53% (und damit deutllich) über dem Mietspiegel, alle weiteren jährlichen Staffelerhöhungen liegen damit deutlich weiter darüber. Was meinen Sie dazu? Sind die Staffelmieterhöhungen und ggf. auch die erste vereinbarte Nettomiete mit 53%+, erfolgreich anfechtbar oder ähnlich?
    Danke für Eure/Ihre Meinung dazu.


    Freundliche Grüße aus Berlin

  • Sind die Staffelmieterhöhungen und ggf. auch die erste vereinbarte Nettomiete mit 53%+, erfolgreich anfechtbar oder ähnlich?


    Anfängliche Nettomieten sind frei vereinbar. Bzgl. darauf aufbauende Staffelmieterhöhungen muss ich pasen.

    Hier äussere ich stets nur meine Meinung als Mieter und Vermieter, keine Rechts- oder Steuerberatung.


    Es grüsst Berny, der keine PMs entgegennimmt..

  • Du meinst die Staffelmieten? Soweit ich weiss unterliegen auch die den geltenden Gesetzen. D.h. die einzelnen Staffeln dürfte anfechtbar sein, wenn sie in den Bereich der Mietpreisüberhöhung oder gar des Mietwuchers fallen.
    Das weiss man aber heute noch nicht. Vielleicht ist Berlin das New York von morgen und die Wohnung ist in ein paar Jahren ein richtiges Schnäppchen.

  • Naja, wenn das alles so leicht anfechtbar wäre, dann hätte die Politik jetzt nicht die Mietpreisbremse beschlossen.
    Es geht nämlich meines Wissens nach nicht nur um die deutlich überhöhte Miete, sondern auch darum, dass der Vermieter eine Zwangslage / Notsituation des Mieters ausnutzt. Hier ist allerdings der Mieter in der Beweispflicht. In AL_Berlin's Fall hieße das, dass sein Sohn nachweisen müsste, dass er zu dem damaligen Zeitpunkt in ganz Berlin keine vergleichbare, günstigere Wohnung gefunden hat. Und weil das ziemlich schwierig werden dürfte, sehe ich ehrlich gesagt keine guten Chancen.

  • Hallo, vielen Dank für Eure Meinungen. Ich glaube auch das es schwierig werden würde nachzuweisen, das im gesamten Stadtgebiet von Berlin keine günstigere vergleichbare Wohnung zu finden gewesen wäre. Bleiben tun jedoch die weiteren jährlichen Staffelmieterhöhungen in ein paar Tagen +60% vom Mietspiegel, dann in 12 Monaten +70% Mietspiegel und soweiter... Vermutlich wird es auf einen Auszug in wenigen Monaten hinauslaufen, wenn das Mietbremsgesetz greift und die Situation sich dann hoffentlich für die normal verdienenden Berliner entspannt.
    Grüße