Urteil: Mietminderung bei Hitze in Dachgeschosswohnung rechtens

Frau mit Fächer auf Sofa

Dachgeschosswohnungen werden gerade im Sommer oft zur Hitzefalle. Temperaturen in der Wohnung über 30 Grad tagsüber und über 25 Grad nachts waren im folgenden Fall eines Baumangels keine Seltenheit. Ein Mieter kürzte daraufhin seine Miete. Zulässig – wie ein Gericht kurz darauf entschied.

Isolierungszustand passe nicht zum Wohnungsalter und zur Ausstattung

Die hohen Temperaturen in der 1998 errichteten Wohnung entstanden durch einen für dieses Baujahr mangelhaften Isolierungszustand.

Die baurechtlichen Bestimmungen, welche für die vorliegende hochpreisige, qualitativ gut ausgestattet Wohnung in diesem Baujahr vorauszusetzen wären, wurden nicht eingehalten. Es handelte sich daher um einen Baumangel.

Keine gesetzliche Regelung zum Temperaturmaximum – aber Richtwert

Grundsätzlich gibt es keine allgemeine gesetzliche Regelung, wie heiß es in Mietwohnungen werden darf.

Dennoch entschied das Amtsgericht Hamburg in seinem Urteil am 10.05.06 (Az.: 46 C 108/04) in Anlehnung an die vorgeschriebene Maximaltemperatur bei Arbeitsräumen: Die Innentemperatur bei Mietwohnungen darf tagsüber nicht mehr als 30 Grad und nachts nicht mehr als 25 Grad betragen.

Mehr zum Vorgehen bei der Durchsetzung von Mietminderung erfahren Sie in unserer Checkliste.

Mietkürzungen aufgrund von Hitze zulässig

Da die Temperaturgrenze von über 30 Grad in den Innenräumen der Mietwohnung laut Mieter überschritten war, kürzte er seine Mietzahlung für den Hitzemonat um 19 %, woraufhin ihn der Vermieter verklagte.

Das Amtsgericht Hamburg (Az.: 46 C 108/04) entschied jedoch, sogar eine Mietminderung bis zu 20 % sei in diesem Fall, in den extremen Hitzemonaten angemessen.

Zudem sei eine Gesundheitsgefährdung des Mieters durch extreme Temperaturen immer ein Kriterium für eine Kürzung der Miete oder eine fristlose Kündigung. Dieser Faktor komme aber hier nicht zum Tragen, da bereits der durch den mangelhaften Isolierschutz verursachte Baumangel, zur Kürzung der Miete berechtige.

Zudem müsse dieser für das künftige Mietverhältnis durch den Vermieter behoben werden.

Achtung! Eine Mietminderung ist immer nur für den von extremer Hitze betroffenen Monat möglich

Wahl der Maßnahmen zur Temperatursenkung stehen Vermieter frei

Eine gute Option zur Behebung des Mietmangels wäre laut Amtsgericht, das Anbringen von Außenjalousien. Die Kosten von 9.500 € seien verhältnismäßig und zumutbar, da diese die Jahresmieteinnahmen nicht übersteigen.

Ob der Vermieter diesen Vorschlag annimmt, ist jedoch seine freie Entscheidung. Er ist allerdings verpflichtet, eine Lösung zu finden, welche die Temperatur entsprechend den Vorgaben senkt.

Was ist mit Dachgeschosshitze in einem Altbau?

Staut sich die Hitze im Dachgeschoss einer Altbauwohnung, könnte der Mieter im Vergleich zum Neubau schlechtere Karten haben. Die baurechtlichen Bestimmungen zur Wärmeisolierung waren in den älteren Baujahren teilweise gar nicht vorhanden oder noch nicht so umfassend wie heute. In diesen Fällen handelt es sich um eine Ermessensentscheidung des Vermieters.

Titelbild: fizkes /shutterstock.com

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