Wespennest bei Mietwohnungen – Wer zahlt?

Nest Wespe Fenster

Entdeckt der Mieter ein Wespen-, Bienen- oder ein Hornissennest ist erst einmal Ruhe gefragt. Ist das Nest in sicherer Entfernung zur Wohnung sollten Wespen, Bienen oder Hornissen geduldet werden, da sie grundsätzlich kein Risiko für den Mieter sind und je nach Unterart unter Artenschutz stehen.

Wird das Ausmaß des Nestes jedoch zur direkten Bedrohung, beispielsweise durch eine Ansiedlung im Bereich von Türen, Rollladenkästen oder Fensternähe oder Allergien der Mieter, ist folgendes zutun:

Informieren des Vermieters über Wespennest

Setzen Sie den Vermieter über die Bedrohung durch das Wespennest in Kenntnis. Dieser ist rechtlich für die Entfernung oder Umsiedlung der Kolonie zuständig unabhängig davon, was im Mietvertrag steht.

Frist setzen

Der Vermieter hat dann nach Information durch den Mieter zwei bis sieben Tage Zeit einen Kammerjäger oder Imker auf eigene Rechnung zu beauftragen, welcher sich um das Problem kümmert. Die Kosten belaufen sich für eine Nestentfernung an einfachen Stellen um die 150 € bis 170 € und bei schwierigeren Fällen, etwa an schwer zugänglichen Stellen, um die 250 €.

Zwischen April und August kann auch eine Umsiedlung der Kolonie durch eine örtliche Naturschutzorganisation in Betracht kommen, ohne dass die Tiere getötet werden müssen. Die Kosten liegen hier bei 50 € bis 100 €.

Weigert sich der Vermieter gegen die Bedrohung durch Bienennester oder auch Hornissennester etwas zu unternehmen, herrscht ein Mietmangel, da der Mieter die Wohnung nicht wie gewohnt nutzen kann – als Beispiel, keine Möglichkeit zum Öffnen der Fenster hat.

Mietminderungen aufgrund des Mietmangels bis zu einer Höhe von 20 % sind rechtens.

Mehr zur Frage: Wann darf die Miete gemindert werden?

Kosten des Vermieters nicht auf Mieter umlegbar

Die Kosten für die Entfernung des Wespen- oder Hornissennestes trägt der Vermieter in vollem Umfang.

Eine Weiterberechnung an den Mieter, als Betriebskosten, ist nicht möglich, da es sich dafür um laufende Kosten handeln müsste. Die Entfernung des Nestes ist jedoch eine einmalige Maßnahme, entschied das Amtsgericht München am 24.06.11 (412 C 32370/10) und damit kein Fall für die Betriebskosten.

Notfallbeseitigung durch die Feuerwehr

Handelt es sich um eine akut lebensbedrohliche Situation oder ist die öffentliche Sicherheit durch die Insekten (Bienen, Hornissen, Wespen) gefährdet, darf der Mieter, nach erfolglosen Versuchen den Vermieter zu erreichen, die Feuerwehr anrufen. Diese entschärft dann, durch Entfernen des Nestes, die Situation.

Urteil Wespennest

Das Amtsgericht München gab dem Mieter zu dieser Thematik am 24. Juni 2011 Recht.

Geklagt hatte ein Vermieter, welcher die durch die Feuerwehr entstanden Kosten nicht übernehmen wollte. Im Rollladenkasten des Mieters hatte sich zuvor ein größeres Wespennest (circa 1.000 Wespen) befunden und auch auf dem Balkon hatten sich 200 Wespen niedergelassen.

Gegebenheiten erforderten schnelles Handeln

Da die Mieterin eine Allergie auf Wespenstiche hatte und im Haushalt zudem ein Kleinkind lebte, rief sie aufgrund der akuten Situation mehrmals den Vermieter an. Da dieser nicht zu erreichen war und sie sich akut durch die Insekten bedroht fühlte, verständigt sie schlussendlich die Feuerwehr.

Der Vermieter brachte als Argument vor, dass das Nest für ein solches größentechnisches Ausmaß schon länger bestanden haben müsste. Er hätte daher schon früher Kenntnis durch die Mieterin bekommen müssen.

Situationsbedingter Ausnahmefall gibt Klägerin Recht

Das Gericht gab jedoch der Klägerin Recht, welche durch ihr Anrufverhalten beim Vermieter und auch ihrer Reaktion gegenüber der Feuerwehr gezeigt habe, dass es sich bei dem Schwärmverhalten der Wespen um einen situationsbedingten Ausnahmefall handelte. Damit war ein akuter Handlungsbedarf gegeben.

Bienennest selbst entfernen

Die Idee, ein Bienennest eben selbst zu entfernen, sollten Sie lieber schnell wieder verwerfen. Nester auszuräuchern, mit Hochdruckreiniger zu bestrahlen oder gar zu zerschlagen, macht die Tiere hoch aggressiv. Zudem kann das Ganze sehr teuer werden.

Bis zu 65.000 € Strafe bei geschützten Arten

Laut Bundesartenschutzverordnung (ABrtSchV) gilt die Hornisse als besonders geschützte Art. Die Hornisse oder auch ihr Nest zu zerstören kann mit einem Bußgeld bis zu 50.000 € oder 5 Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden.

Gleiches gilt auch für die Biene und insbesondere die Wespe. Je nachdem welche Unterart der Wespe sie vor sich haben (besonders geschützt sind Kreisel- oder Kopfhornwespen), drohen auch hier nach Bundesland zwischen 5.000 € und 65.000 € Strafe.

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