Fehler in (verspäteter) Nebenkostenabrechnung?

  • Hallo an das Forum,


    folgender Fall: Nebenkostenabrechnung für 2017 erst lange nach Ablauf der 12-Monats-Frist erhalten, ich soll nachzahlen.


    Ich weiß, dass ich nicht zur Nachzahlung verpflichtet bin, aber darum geht es mir eigentlich nicht. Denn in der Abrechnung gibt es zwei Positionen, die meiner Auffassung nach nicht korrekt sind, und ich erwarte eigentlich ein Guthaben.


    Zum einen die Position "Direkte Kosten", bei der kein Umlageschlüssel angegeben ist. In Mietvertrag und BetrKV steht nichts von "Direkten Kosten", ich kann auch nicht erkennen, welcher Art von Nebenkosten der Betrag zuzuordnen ist. Es ist lediglich ersichtlich, dass diese Kosten für Leistungen im Sinne von §35 EStG gelten. Der Betrag schwankt über die letzten 3 Jahre zwischen 80 und 150 Euro. In dem Abschnitt des MV, wo es um den Umlageschlüssel geht, steht zusätzlich, dass Nebenkosten, die nur für die vermieteten Flächen anfallen, vom Mieter zu tragen sind.


    Dann die Position "Aufzugskosten". Auch hier ist kein Umlageschlüssel angegeben. Es gibt zwei Aufzüge in zwei Gebäudeteilen, die beide für mich nutzbar sind und auch benötigt werden, aber ich kann nicht erkennen, wie sich mein Anteil errechnet. Zudem erscheint mir der Betrag nicht plausibel, da mein Anteil im Vorjahr wesentlich niedriger war, obwohl damals die Gesamtkosten wesentlich höher waren. Es sieht in etwa so aus:

    2017: Gesamtkosten 3600 Euro, mein Anteil 660 Euro

    2016: Gesamtkosten 5400 Euro, mein Anteil 420 Euro (Beträge gerundet)

    Im MV steht sinngemäß, dass der Mieter die Wartungs- und Instandhaltungskosten der Aufzüge nur anteilig trägt, sofern er Aufzüge benutzt oder benutzen kann, der Vermieter bestimmt den Verteilerschlüssel nach billigem Ermessen. Aber trotzdem müsste der Schlüssel, wie auch immer er sich gestaltet, m.E. in der Abrechnung stehen.


    Alle anderen Positionen scheinen korrekt zu sein und werden über die Wohnfläche umgelegt.


    Ist die Abrechnung nun gültig oder (formell oder inhaltlich) ungültig (oder beides)?

    Alleine aufgrund des verspäteten Zugangs zu widersprechen, erscheint mir nicht sinnvoll. Eher würde ich eine Korrektur der Abrechnung fordern, da mir m.E. ein Guthaben zusteht.


    Wie soll ich nun vorgehen? Meine Nachfrage dazu per E-Mail wurde vom VM noch nicht beantwortet.

    Besten Dank für Eure Einschätzungen.


    Viele Grüße!

  • Transistor

    Hat den Titel des Themas von „Fehler in Nebenkostenabrechnung?“ zu „Fehler in (verspäteter) Nebenkostenabrechnung?“ geändert.
  • Hallo,


    laut Rechtssprechung muss eine Abrechnung für den Mieter nachvollziehbar und nachrechenbar sein. Dazu gehört auch, dass Verteilerschlüssel angegeben sind. Würden nun bei gar keinen Kostenarten Verteilerschlüssel angegeben sein, wäre die Abrechnung zweifelsfrei formell unwirksam. Wenn der Schlüssel bei einer einzelnen Position fehlt, könnte man auch nur diese Position als unwirksam sehen.

    Zum einen die Position "Direkte Kosten", bei der kein Umlageschlüssel angegeben ist

    Dass es direkte Kosten gibt, kann normal sein, sofern die Kosten direkt der Wohnung zugeordnet werden können ohne Verteilung. Aber wenn nicht ersichtlich ist, welche Kosten sich dahinter verbergen, dann gilt diese Position nicht. Diese kann man dann heraus rechnen, da man als Mieter nicht entscheiden kann, ob diese Position umlagefähig ist.

    Im MV steht sinngemäß, dass der Mieter die Wartungs- und Instandhaltungskosten der Aufzüge nur anteilig trägt

    Das ist unwirksam, da es sich nicht mit dem Gesetz deckt. Ein Mieter hat niemals Instandhaltungskosten zu tragen, außer er hat schuldhaft einen Schaden verursacht.

    Meine Nachfrage dazu per E-Mail wurde vom VM noch nicht beantwortet.

    Muss er auch nicht, denn es wäre jetzt an dir, die persönliche Belegeinsicht beim Vermieter zu verlangen, um aufzuklären, was sich hinter den fragwürdigen Postionen steckt, und ob nicht umlagbare Teile darin enthalten sind wie z.b. die Instandhaltungskosten.

    Meine Antworten zeigen lediglich meine persönliche Meinung, wie ich eine Sache auf Basis der gegebenen Informationen einschätzen würde. Rechtssicherheit hingegen kann nur ein Anwalt geben.